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Das System Sigurdsson

Handball-EM Das System Sigurdsson

Eine gute Nachricht vorweg: Vor dem abschließenden Gruppenspiel Deutschlands bei der Handball-EM in Polen gegen Slowenien (heute, 17.15 Uhr/ZDF) blieb die Rote Karte gegen Christian Dissinger aus dem Spiel gegen Schweden folgenlos.

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Prinzip Wertschätzung an der Seitenlinie: Bundestrainer Dagur Sigurdsson (rechts) vertraut seinem Co-Trainer-Duo, links Axel Kromer, nicht im Bild Alexander Haase.

Quelle: Sascha Klahn

Breslau. Der Kieler Rückraumspieler wurde von der Disziplinarkommission des europäischen Handball-Verbandes EHF freigesprochen. Eine Absicht, seinen Gegenspieler verletzen zu wollen, sei „nicht erkennbar“ gewesen. Damit bleibt das deutsche System intakt.

Ein System, das auf Vertrauen basiert. Das System Sigurdsson. Mit einer für seinen Berufsstand nicht eben üblichen Coolness beschrieb der 42-jährige Isländer am Dienstag, wie es zugegangen sei in der Kabine in der Halbzeit der Partie gegen Schweden. Dann, als das System in seinen Grundfesten erschüttert war, das Ausscheiden drohte. Sigurdssons Co-Trainer Axel Kromer und Alexander Haase schlugen ihrem Chef vor, auf eine 4:2-Deckung umzuschalten. Eine Variante, die die Deutschen so gut wie nie spielten. „Und ich habe meinen Co-Trainern vertraut.“ Sigurdsson stellte um, ließ – noch exotischer – seine beiden Außen Rune Dahmke und Tobias Reichmann vorgezogen gegen Spielmacher und Halblinken agieren, den Weg durch die Mitte versperren. Die Schweden waren konsterniert. Der Rest ist Geschichte, Deutschland siegte.

Dahmke und Reichmann. Beide kamen am Montagabend schlecht in den Schlaf, die Ereignisse des Schweden-Krimis wühlten zu sehr auf. „Das hätte auch in die Hose gehen können“, sagte Spezialkraft Dahmke am Dienstag. In Halbzeit eins war er mit Kapitän Steffen Weinhold zusammengerasselt. „Vielleicht brauchte ich den Schlag auf den Kopf von meinem Käpt’n, um besser ins Spiel zu kommen“, scherzte er nach dem Blackout. Ungewohnt sei der Abwehr-Auftrag gewesen. „Aber wir haben das mit der 4:2 schnell geregelt.“ Auch Tobias Reichmann konnte sich nicht erinnern, dieses System „in der Nationalmannschaft schon einmal gespielt“ zu haben. „Aber das war der Schlüssel zum Erfolg. Gut zu wissen, dass wir noch eine Variante mehr haben. Das macht uns unberechenbar.“ Teammanager Oliver Roggisch sparte nicht mit einem „Lob an das Trainerteam“, bezog in die furiose 4:2-Kehrtwende ausdrücklich aber auch Finn Lemke mit ein. Der 23-Jährige vom SC Magdeburg mit dem Wolkenmaß von 2,10 Metern ist Teil des „Baby-Blocks“ in der Abwehr-Mitte, mit dem die Deutschen nach dem Ausfall des Kielers Patrick Wiencek bestehen wollen. „Wir brauchen Typen wie Finn. Er möchte vorangehen“, sagte Roggisch. Längst vergessen war da Lemkes Tempogegenstoß-Abschluss weit über das schwedische Tor. Gefragt, ob der Strafenkatalog der Mannschaft etwas vorsehe (Erik Schmidt: „Vielleicht auf dem Tisch tanzen?“), antwortete Lemke, der mit seiner „schlechten Wurfquote“ haderte, nur trocken: „Üben.“ Und Sigurdsson sprang seinem Schützling gleich zur Seite: „So einen kann Uwe Gensheimer auch über das Tor setzen. Und Fußball-Stars rutschen beim Elfmeter aus.“

So ist es, das System Sigurdsson, das auf Vertrauen fußt. Sigurdsson hadert nicht mit den Ausfällen, sondern stärkt die, die ihm geblieben sind. Co-Trainer eingeschlossen. Dieses System soll jetzt über Slowenien in die Hauptrunde führen. „Wir brauchen 110 Prozent“, sagte Roggisch. Man müsse, so Sigurdsson, deren „Abwehr knacken“. Und Dean Bombac in den Griff bekommen. „Er ist der Schlüsselspieler“, weiß Torwart Andreas Wolff. Sloweniens Vid Kavticnik, von 2005 bis 2009 beim THW Kiel, erwartet ein Spiel „mit unglaublich vielen Emotionen. Wir werden es schwer haben gegen die große Deckung der Deutschen.“

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