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Hendrik Pekeler spielt auf der Überholspur

Handball-EM Hendrik Pekeler spielt auf der Überholspur

Vor der Europameisterschaft in Polen war nicht denkbar, dass der Handball-Kontinent sich vor ihm fürchtet. Eigentlich war überhaupt nicht denkbar, dass Hendrik Pekeler dort sein würde, wo er jetzt ist. Der 24-Jährige ist in der Nationalmannschaft im Zeitraffer zum Abwehrchef gereift, spielt eine EM auf der Überholspur.

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Wo sie stehen, tut es weh: Hendrik Pekeler (li.) und Finn Lemke.

Quelle: Sascha Klahn

Breslau. „Ein kleiner Traum“, sagt Pekeler. Und um diesen Traum zu verstehen, muss man diese Geschichte ganz von vorne erzählen.

 Denn Hendrik Pekeler war einst dieses Wahnsinnstalent in den Augen von Trainer Alfred Gislason, der ihn zum THW Kiel holt. Vier Jahre soll er mindestens bleiben. Es werden zwei. „Peke“, der auch für den TSV Altenholz spielt, zieht lieber um die Häuser, der 18-Jährige verschläft den Abflug nach Skopje. Gislason und Kapitän Marcus Ahlm nehmen ihn ins Gebet, doch 2010 trennen sich die Wege. Pekeler geht erst in die Zweite Liga zum Bergischen HC, dann zum TBV Lemgo und im vergangenen Sommer schließlich zu den Rhein-Neckar Löwen. „Ich habe damals eher abseits des Feldes für Furore gesorgt. Das ist jetzt vorbei. Ich war noch nicht reif genug.“

 Auf dem Feld ist er gemeinsam mit Finn Lemke („Wir vertrauen uns“) zum erbarmungslosen Zerstörer gewachsen. Wo Lemke und Pekeler stehen, tut es weh. Pekeler grinst und schweigt. Er ist besonnen, reflektiert, geerdet. Spricht leise, erklärt detailliert, hinterfragt sein Tun. Im Dezember sind der 2,03 Meter große Kreisläufer aus Glückstadt („Die Stadt steht Kopf“) und Freundin Johanna zum ersten Mal Eltern geworden, als die kleine Fine Sophia geboren wurde. „Wir sind jetzt echte Couchpotatos, Party war früher“, sagt Pekeler und zählt auf: die beiden Hunde, die Doppelhaushälfte im beschaulichen Malsch bei Karlsruhe. „Irgendwo in den Weinbergen.“ Jedes Wort sagt: Ich liebe dieses Leben, meine Familie. Auch wenn Pekeler in Polen fokussiert ist, an seine Grenzen geht. Ausgleich bieten „Siedler von Catan“-Runden mit den Kollegen Johannes Sellin, Finn Lemke, Fabian Wiebe. „Dazu schauen wir Dschungelcamp zur Belustigung.“ Bei den Dschungelprüfungen ruht das Spiel.

 Pekeler und die deutsche Nationalmannschaft haben im EM-Dschungel von Krakau am Freitag ihre nächste Prüfung. Dann geht es im Halbfinale um die Wurst. Und die Norweger wissen, dass Hendrik Pekeler jetzt der ist, der er ist. Der Chef.

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Handball EM 2016 Polen
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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

Foto: Kann seinen EM-Turnierauftakt am Sonnabend kaum erwarten: DHB- und THW-Akteur Steffen Weinhold.

Deutschland steht im Halbfinale: Was vor dem Turnier unglaublich erschien, hat sich die deutsche Mannschaft durch ihren unbändigen Auftritt erarbeitet. Nun geht es am Freitagabend (18.30 Uhr) gegen den Ersten der Hauptrundengruppe 1, Norwegen. Und danach wissen wir mehr.mehr

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