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Der stolze Spanier

Joan Cañellas Der stolze Spanier

Eine herrlich unverkrampfte Situation. Wir irren über den Hotelflur, bis uns der freundliche spanische Nationaltrainer Manolo Cadenas an die Hand nimmt und zum Zimmer des Kielers Joan Cañellas bringt. Wir klopfen an: „Kommt rein!“

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Gelöst wie selten: In Breslau teilt sich Joan Cañellas ein Zimmer mit Alex Dujshebaev. Der Spanier freut sich auf die Zukunft mit Ehefrau Patricia und dem ersten Kind. Seine Zukunft beim THW Kiel lässt den 29-Jährigen eher nachdenklich werden.

Quelle: Sascha Klahn

Breslau. Der 29-Jährige und sein Zimmerkollege Alex Dujshebaev liegen auf dem Bett. Cañellas liest, lacht, ist gelöst wie selten. In Kiel war er in dieser Saison bislang Sorgenkind, wirkte unzufrieden, gehemmt, begeisterte erst vor der EM. Cañellas ist stolz. Cañellas ist Spanier. Er jammert nicht, aber gesteht ein: „Vielleicht bin ich ein bisschen sensibel. Ich nehme mir Dinge zu Herzen.“ Seine Zukunft in Kiel? Offen.

 Ein Blick auf die Bettlektüre, ein Grinsen, ein Strahlen. Cañellas wird Vater. Er und Patricia erwarten im März ihr erstes Kind, haben vor zwei Monaten im spanischen Konsulat in Hamburg geheiratet – nahezu heimlich. Er liest einen humorigen Ratgeber für werdende Papas („Guia urgente del padre primerizo“) und einen Leitfaden für die erste Zeit mit dem Baby („Ya estoy en casa“), beamt sich so im Hotel weg aus der Handballwelt, in der er in Breslau zuerst Rückenprobleme und dann Fieber hatte, den Iberern nur begrenzt helfen konnte. Patricia, Baby, die nahende Geburt: Das ist auch Kiel. „Meine Idee war es, viele Jahre in Kiel zu bleiben. Das war auch ein Grund für meine Heirat, weil es mit Kind in Deutschland einfacher ist, wenn man verheiratet ist.“

Er spart nicht mit Selbstkritik

Kiel, THW, die Sparkassen-Arena. Das war der Plan des Weltmeisters von 2013, der 2014 vom HSV nach Kiel wechselte. Als Filip Jicha vor dieser Saison die Zebras verließ, hoffte Cañellas, zum Anführer einer neuen, jungen Mannschaft zu werden. Doch Coach Alfred Gislason machte den Kroaten Domagoj Duvnjak zur unangefochtenen Nummer eins auf der Spielmacher-Position. „Ich nehme wahr, dass Alfred Dule mehr vertraut als mir“, sagt Cañellas heute. Der Spanier kennt das Geschäft, spielte beim FC Barcelona (2005-2008), bei Ciudad Real (2009-2011), Athletico Madrid (2011-2013). Er sieht die Personalpolitik des THW Kiel, der zur neuen Saison mit dem Österreicher Nikola Bilyk und dem Schweden Lukas Nilsson zwei weitere Rechtshänder für den Rückraum verpflichtete. „Das zeigt mir vielleicht, dass meine Zukunft nicht in Kiel liegt.“ Cañellas spart nicht mit Selbstkritik: „Ich habe in dieser Saison viel Auf und Ab gezeigt, bin nicht zufrieden.“ Trotzdem will der Rückraum-Spieler mit dem THW um den Meistertitel kämpfen, das Final Four in der Champions League erreichen. „Jetzt müssen die gesunden Spieler noch mehr kämpfen.“

Cañellas’ Vertrag läuft im Sommer 2017 aus. Auch THW-Geschäftsführer Thorsten Storm ist mit der Leistung seines Schützlings nicht zufrieden. „Joan spielt bislang für sein Potenzial wohl eher eine durchwachsene Saison“, sagt der 51-Jährige, betont angesichts der aktuellen Verletzungen von Christian Dissinger und Steffen Weinhold aber auch: „Im Moment haben wir andere Sorgen. Wir brauchen ihn jetzt dringend, wie jeden anderen gesunden Spieler auch.“ Nach einem Bekenntnis zur 1,98 Meter großen Kieler Nummer 21 klingt das nicht. Wichtig sei, so Storm, dass Verein und Spieler zufrieden sind. Man könnte zwischen den Zeilen lesen: Die Zeichen stehen auf Abschied. Schon im Juni. Der stolze Spanier sagt: „Ich bin mir nicht mehr zu 100 Prozent sicher, ob es das Beste für mich ist, in diesem Sommer beim THW Kiel zu bleiben.“

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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

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