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Schwenker kritisiert den THW

Handball-EM Schwenker kritisiert den THW

Am Rande der Handball-EM äußert sich der Präsident der Handball-Bundesliga, Uwe Schwenker, in Breslau zur Forderung nach einer Verkleinerung der Bundesliga, zu den Plänen für eine europäische Top-Liga und zum HSV-Lizenzentzug.

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Frank Bohmann, HBL-Geschäftsführer und Uwe Schwenker (rechts), HBL-Präsident, sitzen auf der Tribüne und verfolgen das Spiel.

Quelle: Sascha Klahn

Breslau. Seit 2014 ist Uwe Schwenker Präsident der Handball-Bundesliga (HBL) und in dieser Funktion auch Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB). Der 56-Jährige leitete von 1992 bis 2009 als Manager die Geschicke des THW Kiel.

Herr Schwenker, dem HSV wird zum Saisonende die Bundesliga-Lizenz entzogen. Ein Super-Gau?

Auf jeden Fall eine unschöne Situation. Ob sich der HSV vom Spielbetrieb abmeldet, liegt jetzt am Verein. Für die Vereine, die noch Heimspiele gegen den HSV hatten, und für den Handballsport insgesamt ist die Situation schwierig. Unser Sport wird wieder in die negativen Schlagzeilen gerückt. Aber: lieber ein Ende mit Schrecken...

 ...als ein Schrecken ohne Ende.

Es war auf jeden Fall richtig, jetzt den Stecker zu ziehen. Mittelfristig eröffnet das aber in Hamburg auch die Chance, dass sich Stadt und Wirtschaft klar werden, ob sie künftig Spitzenhandball an der Elbe wollen. Aber wir als Ligaverband hatten erst einmal die Verantwortung für alle Klubs und mussten so entscheiden. Der HSV hat im Sommer keine Berechtigung, eine Lizenz für die Erste oder Zweite Bundesliga zu beantragen.

Wird es ein juristisches Nachspiel geben?

Ich will dem nicht vorgreifen. Aber offenbar war die Lizenz makelbehaftet. Insolvenzverwalter, die Vereine und die HBL werden mit Sicherheit Schritte prüfen.

Zurück zum EM-Geschehen: Wie erklären Sie sich die vielen Ausfälle in der deutschen Mannschaft?

Ich weiß, worauf Sie hinauswollen. Ja, ich habe ein gewisses Verständnis für die hohe Belastung der Vereine, die in der Champions League spielen: den THW Kiel, die SG Flensburg und die Rhein-Neckar Löwen. Die Belastung der anderen Vereine ist ungleich kleiner. Aber wir sind nun einmal verantwortlich für alle 18 Klubs in der Ersten Liga, darum muss ich das Problem ganzheitlich sehen, die Vogelperspektive einnehmen. Und dann sehe ich, dass die Champions-League-Klubs Dinge verbessern können.

Erklären Sie das Bitte am Beispiel des THW Kiel.

Durch die zusätzlichen sieben bis neun Heimspiele pro Saison in der Champions League plus Prämien und Sponsorengelder generiert der THW sicher zwei Millionen Euro mehr an Einnahmen pro Spielzeit. Es ist meiner Meinung nach eine Managementaufgabe, dieses Geld in den Kader zu investieren, um rotieren zu können. Auch die Reisestrapazen müsste man minimieren.

...weil die Spieler das Reisen zuweilen fast als schlimmer empfinden als die Spiele selbst...

Genau! Anstatt abends nach einem Auswärtsspiel beispielsweise in Veszprem ins Bett zu gehen, um fünf wieder aufzustehen, um dann via Budapest, München und Hamburg zehn bis zwölf Stunden unterwegs zu sein, könnte man einen eigenen Flieger chartern. Gut angelegte 30000 bis 40000 Euro pro Spiel.

Aus dem Kreis der Spieler, aber auch von DHB-Teammanager Oliver Roggisch kamen zuletzt immer wieder zwei Forderungen: Verkleinerung der Liga und Einsatz von 16 Akteuren in Bundesliga-Spielen.

Das müssen am Ende die Vereine selbst entscheiden und um Mehrheiten werben. Wir werden im Februar mit Managern, Schiedsrichtern und Trainern ausführlich diskutieren. Wir werden nicht über die Köpfe der Vereine hinweg entscheiden. Die kleinen Vereine haben Angst, dass die Großen dann die jungen Talente wegkaufen, und kritisieren, dass Klubs wie der THW doch jetzt oft nicht einmal die 14 Spieler in der Liga ausschöpfen. Und eine Ligareduzierung fordert kein einziger wirtschaftlich Verantwortlicher aus den Vereinen. Denn das würde weniger Einnahmen bedeuten.

Sitzen die HBL und die europäische EHF an einem Tisch?

Wir sind in einem sehr engen Austausch. Die EHF ist für ganz Europa zuständig, auch wenn die deutsche die stärkste Liga ist. Ein erster Schritt wäre, in Jahren mit Olympischen Spielen auf eine EM oder WM zu verzichten, dann hätten wir nur noch vier große Turniere in vier Jahren.

Und nun gerät die Champions League durch die Pläne einer „Premier League Handball“ in Gefahr.

Von dieser Initiative könnten die Top-Klubs profitieren. Irgendwann musste das zwangsläufig so kommen. Das fordert jetzt die EHF und den Weltverband IHF heraus. Die werden nicht klein beigeben, müssen jetzt reagieren.

Interview: Tamo Schwarz

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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

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