18 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Frechheit siegt

Vor Dänemark-Spiel Frechheit siegt

Keine Angst. Mut. Frisches Blut. Außenseiter. Spaß. Frech. Das Vokabular rund um die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Polen könnte am Dienstag, am Tag vor dem entscheidenden Spiel gegen Dänemark, leicht als Durchhalteparole missverstanden werden. Das Gegenteil ist der Fall.

Voriger Artikel
Unendliche Geschichte
Nächster Artikel
Post aus Polen: Wer rasiert, verliert ...

Mikkel Hansen ist der Superstar im dänischen Team, laut DHB-Trainer Dagur Sigurdsson „der Mann für die einfachen Tore“.

Quelle: Sascha Klahn

Breslau. Die Sätze: authentisch; der Weg ins Halbfinale: steinig, aber machbar; das Personal: frisch, zumindest die nachgereisten Kai Häfner und Julius Kühn verbreiten jede Menge Power vor dem entscheidenden Spiel am Dienstagabend gegen Dänemark (18.15 Uhr/ARD).

Häfner, gewitzter Linkshänder aus Hannover, und Kühn, robuster Shooter aus Gummersbach, haben den Altersschnitt des Teams noch einmal gedrückt: von 24,9 auf 24,6. Jugendliche Frechheit soll heute gegen die mega-hyper-über-favorisierten Dänen siegen. „Die Jungs haben keine Angst, sie haben Spaß an der Situation“, sagt DHB-Vize Bob Hanning. „Die beiden Neuen haben eben nicht fünf Spiele in den Knochen“, betont Steffen Weinhold. Der Kieler Nationalmannschaftskapitän und tragische Held des Russland-Triumphes bleibt schwarz-rot-goldenes Kraftzentrum – trotz des Muskelbündelrisses, der das EM-Aus bedeutete. Weinhold bleibt Anführer. Ein stiller. Ruhig sagt er: „Ich bin fest davon überzeugt, dass es ein super Spiel wird.“ Oder: „Auch Julius Kühn und Kai Häfner brauchen sich nicht zu verstecken. Sie sollen mit Mut und Selbstvertrauen in die Partie gehen. Das werde ich ihnen mit auf den Weg geben.“ Eine Nationalmannschaft ohne Weinhold? An diesem Dienstag nicht denkbar. Am Mittwoch auch nicht.

Sigurdsson beobachtete Dänemark gegen Schweden

Am Abend sitzt der 29-Jährige mit Bundestrainer Dagur Sigurdsson beim Match der Dänen gegen Schweden in der Jahrhunderthalle auf der Tribüne, analysiert den Gegner. Nur 20 Stunden später müssen die Dänen schon wieder antreten – gegen Deutschland. Ein Nachteil. Dänemarks Nationaltrainer Gudmundur Gudmundsson zürnt ob der ungleichen Regenerationszeiten: „Das ist eine unglaubliche Geschichte, das ist unfair.“ Sigurdsson kann da kaum widersprechen. „Ja, das ist ein Vorteil für uns. Aber die Zeit seit Sonntag brauchen wir auch.“ Zeit, um vor dem Kräftemessen mit den bis Dienstagabend schadlosen Dänen zwei neue Spieler einzubauen. „Dänemark ist der Favorit Nummer eins auf den Titel“, so Sigurdsson. Dann zählt der Isländer auf: die offensive 6:0-Deckung, dahinter ein „überragender“ Kieler Keeper Niklas Landin, Superstar Mikkel Hansen („Der Mann für die leichten Tore“), der taktisch clevere Trainer (und Landsmann), die Erfahrung. Und beweist, dass auch aus ihm der Schock der Ausfälle gewichen ist, scherzt: „Ich kann nur langweilige Sachen sagen: Wir brauchen eine super Abwehr, super Torhüter, schnelle Gegenstöße und so weiter und so weiter ...“

"Großer Fan" und "gute Waffe"

Statt Weinhold hat Sigurdsson jetzt Häfner und Fabian Wiede (Berlin), für Dissinger müssen Steffen Fäth (Wetzlar), Kühn und Martin Strobel (Balingen) auf wechselnden Positionen ran. Von Kühn ist Sigurdsson „ein großer Fan“, Häfner nennt er eine „gute Waffe“. Gleichzeitig liegen Jannik Kohlbacher und Finn Lemke flach: Grippe. Das ändert nichts am Jetzt-erst-recht-Gefühl. Der 26-jährige Häfner freue sich „megamäßig“ auf den ersten EM-Einsatz. Und der vier Jahre jüngere Kühn, vor zwei Jahren noch in der Zweiten Liga auf Torejagd, relativiert schnoddrig: „Der Mikkel Hansen ist doch auch nur ein Mensch. Kriegen wir schon in den Griff.“ Solche Sätze machen Spaß, sind authentisch. Frechheit siegt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Handball EM 2016 Polen
Handball EM 2016 Polen
Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

Foto: Kann seinen EM-Turnierauftakt am Sonnabend kaum erwarten: DHB- und THW-Akteur Steffen Weinhold.

Deutschland steht im Halbfinale: Was vor dem Turnier unglaublich erschien, hat sich die deutsche Mannschaft durch ihren unbändigen Auftritt erarbeitet. Nun geht es am Freitagabend (18.30 Uhr) gegen den Ersten der Hauptrundengruppe 1, Norwegen. Und danach wissen wir mehr.mehr

Mehr zum Artikel
THW gegen DHB
Foto: Wann wird der Knoten zwischen DHB und Vereinen zerschlagen? Durch die Verletzungen von Weinhold und Dissinger ist die „ewige“ Disksussion um die Überlastung der Nationalspieler neu entbrannt. DHB-Vizepräsident Bob Hanning steht gegen den THW-Geschäftsführer Thorsten Storm.

Schon wieder: Handball-Rekordmeister THW Kiel muss nach den Verletzungen von Steffen Weinhold und Christian Dissinger während der EM noch einmal nach Ersatz suchen. Der scheinbar unendliche Konflikt zwischen Vereinen und Deutschem Handball-Bund (DHB) ist erneut aufgebrochen.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Handball-EM 2/3