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Die Schönsten der Schönen

53. Trakehner Hengstmarkt Die Schönsten der Schönen

„Wenn die Passion überschwappt, ist das etwas Tolles.“ Das Herz von Petra Wilm, Präsidentin des Trakehner Verbandes, Chefin von Gestüt- und Ausbildungsstall Tasdorf, Geschäftsfrau und erfolgreiche Amateur-Dressurreiterin, schlägt für das Trakehner Pferd.

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Der 53. Trakehner Hengstmarkt in den Holstenhallen von Neumünster ist das Fest der weltweiten Trakehner Gemeinschaft. Am Rande des Geschehens gibt es Fachvorträge, Reiterflohmarkt, Party, zwei Galashows sowie die Versteigerungen.

Quelle: Stefan Lafrentz

Tasdorf. Ab heute hat sie in den Holstenhallen die „Trakehner Familie“ aus aller Welt zu Gast, denn in Neumünster beginnt der viertägige 53. Trakehner Hengstmarkt.

 Vor zwei Jahren sorgte ein waschechter Scheich für Wirbel. Der Mann, der nur mit Turban, nie ohne seine Leibgarde und nicht vor 14 Uhr gesehen wurde, bezweifelte, dass „Pferde für unter einer Million gut genug“ sein könnten. Petra Wilm, keinesfalls Theoretikerin, sondern unter anderem mehrfache Landesmeisterin in der Dressur, hat ihn eines Besseren belehrt: Für unter einer Million Euro sind die meisten gekörten Hengste zu ersteigern, wenn nach drei Tagen Körmarathon das Rosenholzhämmerchen des prominenten Pferde-Auktionators Uwe Heckmann aufs Pult kracht.

 Gut genug sind sie allemal, denn nur die unter der Regie von Zuchtleiter Lars Gehrmann (Brodersdorf) vorselektierten 39 Junghengste dürfen sich in den Holstenhallen der Körkommission stellen. Im Vorjahr war Sir Sansibar aus der Zucht von Norbert Timm (Hohenschmark) der Schönste der Schönen. Timm zeichnet der bundesweit agierende Trakehner Verband in diesen Tagen als „Züchter des Jahres“ aus. Denn der Hengstmarkt ist Zeit für Ehrungen, „würdigt die große Leistung einzelner, gute Pferde zu züchten, zu erkennen und zu fördern“, erklärt Wilm, die seit ihrem zwölften Lebensjahr im Sattel sitzt und fünf Jahre später deutsche Meisterin im Dressurreiten wurde. Sie hat ihre Passion fürs Trakehner Pferd vom Großvater Karl Ruser geerbt, der einst das Sägewerk in Boostedt besaß, wo Trakehner nach den Kriegswirren landeten. Denn im Kriegswinter 1944/45 zogen Trakehner Stuten Treckwagen aus Ostpreußen in den Westen. „Viele retteten den flüchtenden Menschen unter härtesten Bedingungen das Leben oder gingen mit ihnen unter“, heißt es in den Annalen des traditionsbewussten Verbandes, der seinen Geschäftssitz im Land zwischen den Meeren hat, wo Zuchtleiter und Präsidentin leben.

 Und einmal im Jahr findet die Trakehner-Gemeinschaft in Neumünster zusammen, „wo sie das Trakehner Pferd feiert“, sagt Wilm, deren Vater Heinrich Nagel, passionierter Jagdreiter, in den 70er Jahren den Stall, in den 90ern das Trakehner- und Holsteiner-Gestüt in Tasdorf aufbaute, und die sich wünscht, „dass mehr Fohlen geboren werden.“ Derzeit sind es jährlich 750, „viel zu wenig für eine Selektion“, so Wilm, die ihren ersten Trakehner auf Vermittlung von Hans-Werner Paul (Rethwisch), damals Vorsitzender des Körbezirks Schleswig-Holstein/Hamburg, bekam. „Er fand, ich sollte ein edles Pferd haben.“ Denn edel sind sie, die als älteste Reitpferderasse der Welt geltenden Vierbeiner, deren Markenzeichen die 1787 als Brand eingeführte Elchschaufel ist und die in den 1960er und 70er Jahren eine tragende Rolle im Umzüchtungsprozess der Landespferdezuchten zum Deutschen Reitpferd spielten.

 Der Ursprung der in Reinzucht betriebenen Rasse geht auf das Jahr 1732 und die Gründung des Hauptgestüts Trakehnen in Ostpreußen zurück, sie entwickelte sich aus Anpaarung der heimischen Warmblüter mit Englischem und Arabischem Vollblut. Zu Blütezeiten, Anfang der 1940er Jahre, waren 25000 Stuten registriert, Ende des Zweiten Weltkriegs noch 600. 27 aus dem Hauptgestüt Trakehnen gerettete Stuten waren nach dem Krieg die Basis für den Rasse-Wiederaufbau. Rasse-Fortschritt ist heutzutage Grund für die Körung im Rahmen des viertägigen Hengstmarktes, also Zucht-Selektion. „Wichtig ist der Charakter. Da darf man keine Kompromisse machen“, betont Wilm. Ein „besonderer Schmelz“ und „gute Reiteigenschaften“ komplettieren das perfekte Gesamtbild. Natürlich kommt die Qualität hinzu. Die bezahlt jeder nach Geldbeutel. Aber, und das ist ganz sicher, niemand muss Scheich sein, um sich einen Trakehner leisten zu können.

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