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Der gute Start ins Fohlenleben

Aufzucht-Tipps Der gute Start ins Fohlenleben

„Man wartet elf Monate lang auf ein Fohlen, da kann man nach seiner Geburt ruhig ein bisschen Zeit in seine Zukunft investieren.“ Hans-Heinrich Stien, 66, Pferdemann aus Leidenschaft und mit 40 Jahren Erfahrung, hat für die Aufzucht von Fohlen manch guten Rat. Sein dringlichster ist so simpel wie substanziell: „Das Wichtigste ist die tägliche Kontrolle.“

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Überall fallen derzeit die langbeinigen, ungelenken Vierbeiner. Im Idealfall kommen sie gleich raus auf die Wiese, um möglichst viel Licht, Luft, Bewegung und Sozialkontakte zu genießen.

Quelle: Andreas Thomsen

St. Peter Ording. Damit meint der Mann aus St. Peter Ording, Züchter von Lehnsmanns Canterbury, dem aktuellen Siegerhengst der Reitponys, nicht den schnellen Blick, ob der Vierbeiner noch da ist. Sondern den sorgfältigen Check, ob es ihm gut geht: „Der Blick schult sich, wer unsicher ist, sollte fragen. Ich habe auch gefragt, als ich mit der Zucht anfing.“ Hexenkunst sei die Zucht nicht, bedeute aber eine Menge Verantwortung: „Darüber muss man sich im Klaren sein“, fordert Stien, der 1974 mit Dartmoor Ponys in die Zucht einstieg, dann Shettys hinzunahm, schließlich von Dartmoor auf Reitponys umstieg.

 Grundsätzliche Gedanken – auch den, wo es eine zweite Stute mit einem „Passer“ als Spielkameraden für das Fohlen gibt – hat sich der verantwortungsvolle Pferdebesitzer längst gemacht, bevor das Fohlen fällt. Hat der Stute seit dem achten Trächtigkeitsmonat bestes Futter gegeben, das ihren erhöhten Energiebedarf deckt, sowie ein „Plus“ an Eiweiß, Calcium, Phosphor und verdauungsfördernde Mittel (Mash, Melasse, Leinsaat). Hat sie kurz vor dem Abfohlen entwurmt, für die Geburt die Einstreu an den Wänden höher geschichtet. Stien empfiehlt, wenn es das Wetter zulässt, die Geburt auf der Weide: „Da ist Platz und keine Gefahr des Festliegens.“

 Läuft die Geburt komplikationslos ab, wie es Stien in 40 Jahren bis auf zwei Ausnahmen erlebt hat, und das Fohlen kommt vital zur Welt, steht es meist binnen einer halben Stunde auf und findet den Weg zum Euter. „Es sollte innerhalb der ersten drei Stunden trinken“, betont der Experte. Das ist wichtig, damit es die lebenswichtige Kolostralmilch der Mutterstute aufnimmt. Die wirkt mit ihren Abwehrstoffen, den Gammaglobulinen, wie ein Schutzschild. Stien ruft einen Tag nach der Fohlengeburt den Tierarzt für den allgemeinen Check und die Impfung gegen Fohlenlähme. „Mehr ist zunächst nicht nötig.“ Eine erste Wurmkur verabreicht der Züchter eine Woche später.

 Stiens Erfahrung nach ist es das Beste, wenn Fohlen und Mutter bald nach der Geburt auf die Weide kommen. „Es muss aber trocken sein. Kälte ist nicht so schlimm wie Regen.“ Eine Fohlendecke habe er nie verwendet, dafür die Tiere die ersten zwei Wochen nachts in den Stall geholt. „Später können sie Tag und Nacht draußen bleiben, das ist fürs Immunsystem besser als ein ständiger Wechsel.“ Ein Halfter sollte zwei Tage nach der Geburt das erste Mal angepasst werden. Auch Hufe heben, putzen und führen sollte möglichst früh passieren. „Umso leichter hat man es.“ Wenige Wochen nach der Geburt sollte der Schmied zum ersten Ausschneiden geholt werden. Stien: „Korrekturen sollten zügig vorgenommen werden, damit sich keine Fehlstellung verfestigt.“

 Eine Zufütterung des Youngsters handhabt Stien nach Augenmaß: „Die Fohlen knabbern früh am Gras, weil sie die Mutter kopieren. Futter brauchen sie aber erst nach dem Absetzen, etwa im sechsten Lebensmonat. Bis dahin reicht Muttermilch. Sehen sie allerdings mager und ungesund aus, sollte ein Fohlenstarter gegeben werden.“ Für die Stute gilt: „Sie sollte weiterhin mit hochwertigem Futter, Mineralstoffen und Vitaminen unterstützt werden. Damit sie genügend Milch produziert, muss ihr erhöhter Energiebedarf so gedeckt werden, dass sie nicht fett wird. Das kann sich hemmend auf eine erneute Trächtigkeit auswirken.“ Damit das Fohlen registriert wird, muss der Züchter die Deckkarte des Hengstes mit dem Geburtstermin an den jeweiligen Zuchtverband senden. Mit der Bestätigung erhält der Pferdebesitzer eine Information, welche logistischen Schritte folgen müssen. Im Übrigen gilt Stiens Rat: „Fragen, fragen, fragen.“

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