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Beim Derby dürften Tränen fließen

Ausnahmepferd Beim Derby dürften Tränen fließen

Casall soll zukünftig sein Leben als Deckhengst genießen. Der Braune, der unter dem gebürtigen Schweden Rolf-Göran Bengtsson die Holsteiner Farben in aller Welt in Gold tauchte, wurde als Fohlen von Dieter Mehrens und Detlef Reimer Hennings (Bendorf) im Stall von Wilfried Thomann (Drelsdorf) entdeckt.

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Ein Weltpferd tritt von der großen sportlichen Bühne ab: Ausnahmehengst Casall, der von seiner Pflegerin Celia Rijntjes täglich umsorgt wird.

Quelle: Janne Bugtrup

Kiel. „Es ist Zeit, aufzuhören. Casall ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere, gesund, und immerhin 18 Jahre alt. Wir stehen alle hinter der Entscheidung.“ Dr. Thomas Nissen, Geschäftsführer und Zuchtleiter des Holsteiner Verbandes, unterstützt, was am Himmelfahrtstag vor großer Kulisse auf dem Derbypark in Klein Flottbek öffentlich vollzogen wird: die Verabschiedung eines Weltpferdes. Da wird manche Träne fließen.

 Das damalige Hengstfohlen von Caretino ist ein Sohn der Stute Kira aus dem berühmten Stamm 890, Mutterlinie der gekörten Hengste Cesano I und II sowie vieler internationaler Sportpferde wie Conally (geritten von Markus Renzel). „So ein Pferd gibt es nur einmal im Leben eines Züchters – wenn überhaupt“, sagt Thormann bewegt.

 Zwei Jahre später kam der Junghengst zur Vorauswahl für die Holsteiner Körung 2001. „Schon damals konnte man seine abnormale Qualität, die Härte und die Vorsicht am Sprung erkennen. Er war immer besonders. Wir sind stolz, so ein Pferd überhaupt einmal besessen zu haben“, so Dieter Mehrens. Der Geschäftsführer der Hengsthaltungs GmbH des Holsteiner Verbandes, Norbert Boley, wurde beim Freispringen auf das Pferd aufmerksam. „Mit Reimer Hennings senior hatte ich schon viele gute Geschäfte gemacht. Und so fragte ich Reimer Hennings junior und Dieter Mehrens, ob sie den Hengst an den Verband verkaufen würden.“

 Ein zukunftsweisender Deal. Dennoch blieb Casall zunächst hinter den Erwartungen zurück. Boley: „Auf der Körung hat er nur einen einzigen seiner Qualität entsprechenden Sprung gemacht. Ich befürchtete insgeheim, dass er vielleicht doch nur ein teurer Wallach ist. Zum Glück hatte die Körkommission die überzeugenden Leistungen der Vorauswahlen nicht vergessen.“ Das Körurteil fiel positiv aus. Seine erste Hürde hatte Casall genommen. Es folgte laut Boley eine „ganz gute“ Hengstleistungsprüfung. Casall blieb Mittelmaß, bereitete dem Verband „ziemliches Kopfzerbrechen“. Mit dem Klausdorfer Gunnar Röer hatte der Braune zwar einen sehr guten Reiter, „dennoch stellte sich nicht die Entwicklung ein, die wir uns alle erhofft hatten“.

Sattel, der alles veränderte

 Am Ende von Casalls fünftem Lebensjahr kletterte der Reiter in seinen Sattel, der alles veränderte: der Wahl-Holsteiner Rolf-Göran Bengtsson, zu Hause auf der Anlage von Breido Graf zu Rantzau (Breitenburg), der damals im Holsteiner Vorstand war und auf die Idee kam, es mit dem Schweden zu versuchen. Und Bengtsson hatte „gleich das richtige Gefühl“ für das besondere Pferd. Gleiches galt für Pflegerin Celia Rijntjes, die sich seit Casalls erstem Tag in Breitenburg um den Ausnahme-Hengst kümmerte. Fortan wuchs der Braune über sich hinaus, hielt sich elf Jahre lang auf der ganz großen Bühne: Siegte 2005 zunächst im Holsteiner Landeschampionat, holte Bronze im Bundeschampionat. Die erste internationale Platzierung gelang 2006 in Wiesbaden. Zwei Jahre später dann der Durchbruch mit den Siegen in den Großen Preisen von Aarhus und Falsterbo. Es folgten vordere Platzierungen in fast allen wichtigen Springen der Welt, wie Hamburg, Monte Carlo, Lyon, s’Hertogenbosch, Doha, Chantilly, Basel, London, Rom, Valkenswaard und Paris.

 An 39 Springen der Global Champions Tour hat das Paar teilgenommen, neunmal gewonnen. 2014 wurden sie Gesamt-Zweite, 2015 Dritte, 2016 folgte der Serien-Sieg nach dem ersten Platz im finalen Springen, dem Großen Preis in Doha. Zu den Erfolgen zählen zudem EM-Mannschafts-Bronze (Herning) sowie der vierte Platz in der WM-Einzelwertung (Caen). Boley: „Es war für mich ein besonderes Glück, den Lebensweg eines solchen Ausnahme-Hengstes begleiten zu dürfen.“ Bengtsson ist sicher: „So ein Pferd bekomme ich nie wieder.“ Alles Gute, Casall!

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