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Außenseiter hatte die Nase vorn

Galopp-Derby Außenseiter hatte die Nase vorn

Galopp-Derby ist wie Roulette. Alles setzt auf Sieg, alles kann schief gehen. Rennpferde sind gewissermaßen immer ein Wagnis. Quasi wie Aktien, nur unberechenbarer. Wer das Glück nicht auf seiner Seite hat, kann einpacken. Die Renntage in Hamburg-Horn waren dafür Paradebeispiel.

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Isfahan (rechts) mit Dario Vargiu gewann das 147. Deutsche Derby auf der Galopprennbahn Hamburg-Horn. Das Geläuf war schwer, der Endkampf dramatisch.

Quelle: Frank Sorge/Galoppfoto

Hamburg. Gewonnen hat im 147. Deutschen Derby, auf 2400 Meter regenschwerem Geläuf ein Pferd, das früher Inuit hieß, Eskimo, und heute als Isfahan startet, benannt nach einer Provinz im Iran. Die Quote des Hengstes im Besitz des CEO des Pharma-Unternehmens Merck aus Darmstadt, Stefan Oschmann (München), war 168:10. Favorit war der Sohn des Lord of England nicht, aber die Befürchtung, dass die Namensänderung bei einem Vollblüter Unglück bringt, hat er Lügen gestraft.

 Glück war für Startrainer und Rennstallbesitzer Andreas Wöhler gleich mehrfach im Spiel, der den Fuchs zurück in den Stall nach Ostwestfalen bekam, nachdem er ihn als Jährling hat versteigern lassen: „Das hätte sonst einen Ehekrach gegeben“, mutmaßt er. Isfahan sei immerhin das Lieblingspferd seiner Frau Susanne. 2014 war der Hengst in Baden-Baden unter den Hammer gekommen, gezogen von den Wöhlers aus Spexard bei Gütersloh. Für „nur“ 35000 Euro hat ihn Oschmann ersteigern lassen, der seine Blüter unter dem Label „Darius Racing“ laufen lässt und dessen Pferde zu Ehren seiner persischen Frau persische Namen tragen. Einmal, bis zum Alter von einem Jahr, dürfen die Vollblüter umgetauft werden. Einmal, dreijährig, dürfen sie das Deutsche Derby laufen. Für Inuit-Isfahan gingen beide Chancen auf.

 „Weil er aus unserer Zucht stammt, bedeutet mir dieser Erfolg viel“, sagt Wöhler. Er ahnt: Der Sieg sei vom nassen Boden begünstigt gewesen. Im sonnigen Italien kam der vom italienischen Jockey Dario Vargiu gerittene Hengst schließlich nur als Fünfter ins Ziel. „Da war das Geläuf viel zu trocken“, so der Trainer, der mit Isfahan nach Pik König (1992), Belenus (1999) und Waldpark (2011) sein viertes Derby gewonnen hat. Manager Holger Faust, der den Hengst damals in Oschmanns Auftrag kaufte, bestätigte: „Nach Rom hatten wir Zweifel. Wir haben ihm danach Zeit gegeben. Die Verpflichtung von Dario Vargiu hat sich voll ausgezahlt. Wir sind überglücklich.“

 Der Italiener, der den Goldesel um die berühmte Nasenlänge ins Ziel pilotierte, kämpfte in Horn mit allen Mitteln von seinem vermeintlich unglücklich zugelosten Startplatz an der Außenbahn. Die stellte sich bei dem schweren Geläuf, laut Faust, am Ende allerdings „als die bessere Option“ heraus. Das Zielfoto beweist: Mit nur einem „Kopf“ Vorsprung auf den von einem der letzten Plätze kommenden Savoir Vivre (Frederik Tylicki) und einen „Hals“ auf den Drittplatzierten Dschingis Secret (Martin Seidl) ging der Sieg im 147. Derby vor 18000 Zuschauern nach dramatischem Endkampf an Isfahan. Prämie: 390000 Euro. Das summiert seine Gewinnsumme nach seinem sechsten Karrierestart und drei Siegen auf 507300 Euro. Auf Platz vier kam Wai Key Star (Eduardo Pedroza), ebenfalls von Wöhler ins Rennen geschickt, was den Startrainer zum eigentlichen großen Gewinner des Deutschen Derbys machte, das mit 650000 Euro dotiert war.

 „Verlierer“ war der Favorit, Boscaccio, der zuvor vier der großen deutschen Rennen in Folge gewonnen hatte, aber wenig Glück mit dem Geläuf hatte: Er wurde nur Achter. „Der Boden war nichts für ihn“, waren sich sein 21-jähriger Jockey Dennis Schiergen (Köln) und Mehrheitsbesitzer Rainer Hupe (Seevetal) einig. Auch El Loco wurde nach langer Führung nur Elfter, und der für 65000 Euro nachgenannte Ire Landofhopeandglory kam auf den vorletzten 18. Rang. Dabei gilt sein Jockey, der 32-jährige Engländer Ryan Moore, als einer der besten der Welt. Hat mit Hansa-Preis-Sieger Protectionist 2014 den mit 2,4 Millionen Euro dotierten Melbourne Cup gewonnen, wurde viermal Jockey des Jahres (2006, 2008, 2009, 2014). In der Hansestadt hat ihm das kein Glück gebracht.

 Nicht gänzlich glücklich ging das Rennen übrigens auch für Isfahans Jockey Vargiu aus: Dessen energischen Einsatz der Gerte ahndete die Rennleitung mit 2000 Euro Strafe und dem Einbehalt von 75 Prozent seines Derby-Verdienstes von 19500 Euro. Und Isfahan? Der hat laut Wöhler „erstmal Pause“. Glück gehabt.

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