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Sieg mit gebrochenem Daumen

Derby in Hamburg Sieg mit gebrochenem Daumen

Das Deutsche Spring- und Dressurderby hat am Wochenende in Klein Flottbek ein neues Kapitel seiner besonderen Geschichte geschrieben: Der 152. fehlerfreie Ritt blieb beim 87. Springderby am Sonntag aus. Gleich neun Paare zogen mit je vier Fehlerpunkten ins Stechen ein.

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Sturzflug: Peter Rathjen stürzte spektakulär am schwierigen Buschoxer.

Quelle: Stefan Lafrentz

Hamburg. Das endete erstmals seit 1997 wieder mit einem ausländischen Sieg: Der Ire Billy Twomey sprang mit Diaghilev zum Blauen Band. Vor 19 Jahren hatte zuletzt ein ausländischer Reiter triumphiert, der unter österreichischer Flagge startende Hugo Simon mit Gondoso. Twomey war zum dritten Mal dabei, mit gebrochenem Daumen. „Eine beeindruckende Atmosphäre“, schwärmte der Ire, dessen Wallach 2015 Zweiter im Hickstead Derby geworden war. Hamburg war für das Paar 2016 der sportliche Höhepunkt, weil Irland kein Team für die Olympischen Spiele aufbietet.

31 Reiter, darunter drei Frauen und der 19-jährige Schleswig-Holsteiner Jesse Luther aus Wittmoldt als jüngster Starter, wagten sich in den 1250 Meter langen Derby-Parcours mit seinen 17 bis zu 1,62 Meter hohen (Ziegelmauer) und 3,80 Meter breiten (Wassergraben) Hindernissen inklusive Wall und Pulvermanns Grab – an dem der Erfinder des Derbys, Eduard Pulvermann, regelmäßig scheiterte. 25000 Zuschauer sahen das Ausscheiden eines Drittels aller Teilnehmer, darunter auch Jesse, Enkel des Derbysiegers von 1980, Peter Luther, der damals Livius ritt. Von ausverkauften Rängen aus wurden eine Handvoll Stürze bedauert, darunter zwei spektakuläre, die glücklicherweise folgenlos bleiben: Kai Rüder (Fehmarn) und Cross Keys überschlugen sich an den irischen Wällen, Peter Rathjen und La-Emotion erwischte es böse am Buschoxer.

Für eine aus dem Damentrio, die Britin Harriet Nuttall, die in beiden Qualifikationen mit A Touch Imperious fehlerfrei geblieben war, endete die Reise frühzeitig. Dafür zog Janne-Friederike Meyer ins Stechen ein, das ohne Wall und Wälle geritten wird und noch 380 Meter lang ist. Mit Anna wurde die Hamburgerin – wie im Vorjahr – Vierte. „Ich hab den Wall nicht perfekt erwischt, bin aber sehr stolz auf sie“, so die Amazone, die im Sommer die olympischen Ringe von Rio im Visier hat und im Herbst die Eheringe mit Lebenspartner Christoph Zimmermann tauschen will.

Und während der dreimalige Sieger und Vorjahres-Vize André Thieme (Plau am See) mit Quonschbob nach Stechen und Reiterfehlern hinter dem Briten Nigel Coupe mit Golvers Hill Dritter wurde, scheiterte sein mecklenburgischer Kollege Holger Wulschner (Sieger 2000) mit Catch Me auf dem Wall. Der Sieger von 2013, Gilbert Tillmann (Grevenbroich) – damals mit Hello Max – kam auf Rang sechs, und der Schülper Thomas Voss, der 1998 gewann, wurde mit Chando Achter. Nicht angetreten war der Zweite der ersten und Sieger der zweiten Qualifikation, Mario Stevens (Molbergen), der El Bandiata nach bravourösem Absolvieren dieser beiden Weltcup-Springen „schonen“ wollte. „Dafür habe ich Verständnis“, erklärte Veranstalter Volker Wulff, der jedoch hofft, dass so etwas nach Veränderung der Ausschreibung und (finanzieller) Aufwertung der beiden Qualifikationen nicht Schule mache. Seinem Ruf, etwas „ganz Besonderes“ zu sein, wurde das erstmals fünftägige Event erneut gerecht: Mit der Rekordzuschauerzahl von 91000 ging eine Derby-Woche der Superlative zu Ende.

Caroline Wilm wiederholt Erfolg

Eine Schleswig-Holsteinerin ist zum zweiten Mal Derby-Siegerin in der U25-Tour geworden: Caroline Wilm (23) aus Tasdorf wiederholte ihren Vorjahressieg mit einem neuen Pferd, dem Trakehner Elfado. Der elfjährige Hengst wurde zudem bestes Pferd der Prüfung.

Das 58. Dressurderby gewann der Spanier Borja Carrascosa mit Wonder. Auf Rang zwei kam die Schwedin Michelle Hagmann mit Happiness, die hier bestes Pferd wurde. Rang drei belegte die dänische Prinzessin Natalie zu Sayn Wittgenstein mit Fabienne. Der Sieger aus dem Grand Prix von Sonnabend, Borja Carrascosa, und seine 24-jährige Fuchsstute sind ein potenzielles Paar für die Olympischen Spiele in Rio, kennen einander aber erst wenige Wochen. „Das Derby war quasi Olympia-Vorbereitung. Sie muss noch viel lernen“, so der in Krefeld beheimatete Profi, der 2014 zur spanischen Mannschaft der Weltreiterspiele zählte.

Dem strahlenden Sieger der Qualifikation, Reitmeister Hubertus Schmidt (Borchen-Etteln), war schon am Sonnabend das Lachen vergangen: Der Derbysieger von 2012 wurde gesperrt, weil seine Stute Stella Pack Ganda nach dem Grand Prix an der Schenkellage blutete. „Das ist mir noch nie passiert“, sagte Schmidt entsetzt. Seine Erklärung: „Die Stute war geschoren und hat in der Wärme geschwitzt, so dass die Stelle während der Prüfung aufgescheuert ist.“ FEI-Tierarzt Dr. Wolfgang Asendorf bestätigte: „Es liegt kein Sporenstich vor.“ Nathalie zu Sayn-Wittgenstein rückte nach.

 In der U25-Tour begeisterte Amateur-Reiterin Caroline Wilm, die ihre Titelverteidigung „kaum fassen“ konnte. Nach ihrem Sieg 2015 mit Almoretto und ihrem dritten Platz 2014 mit First Class glänzte die Marketing-Studentin mit dem blütigen Deckhengst Elfado, der mit dem U25-Derby erst seine dritte S-Dressur ging. „Er hat wenig Erfahrung, ich bin wahnsinnig stolz auf ihn.“ Zweite wurde die Sportsoldatin Ann-Kristin Arnold (Bolzum) auf Felicitiy D und Dritte Raika-Marie Rosch (Ahrensburg) auf Rio de Janeiro. jem

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