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Die vielseitige Lust am Risiko

Geländereiten Die vielseitige Lust am Risiko

Hendrik von Paepcke (40) krönte 1996 als Amateur die Olympischen Sommerspiele von Atlanta in der Königsdisziplin der Reiterei mit dem besten deutschen Einzelergebnis. Zwölf Jahre lang ritt er gar nicht, weil Beruf und Familie Konzentration, Energie und Zeit forderten. Vielseitigkeit ist kein Halbtags-Hobby.

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Hendrik von Paepcke (40) und Sohn Niklas (5): „Die Vielseitigkeit ist unser Leben.“

Quelle: Jessica Bunjes

Bredeneek. Als Vater dreier Kinder fasst der Unternehmer wieder Fuß im Steigbügel, und er weiß, was es beim Geländereiten zu beachten gilt.

Der olympische Gedanke steigt nicht immer mit in den Sattel, wenn über Stock und Stein gesprungen wird. Zuweilen reiten beim einen oder anderen gar zu wenige Gedanken mit, während Verantwortlichen und Profis in der Vielseitigkeit eher zu viele im Nacken sitzen: zur Sicherheit von Sport und Sportlern, Raffinessen bei Schutzausrüstung, Details an Sprüngen und Linienführung. Für Hendrik von Paepcke, vor 19 Jahren einer der besten deutschen Vielseitigkeitsreiter, liegt der Reiz dieser womöglich anspruchsvollsten aller Reitdisziplinen ein Stück weit in der Herausforderung. „Ein gewisses Maß an Aufregung reitet immer mit. Selbst wenn man seine Sache beherrscht, kann man nie ganz sicher sein, alles unter Kontrolle zu haben“, wagt der Mitinhaber einer Hamburger Innenausbaufirma eine Erklärung zur Lust am Risiko.

 Ein bisschen ist das wie mit der Faszination für Rennfahren oder Fallschirmspringen oder Bergsteigen. Das muss nicht jeder verstehen und nicht jeder machen. „Aber wenn, gehört eine große Portion Ernsthaftigkeit dazu. Das fängt schon beim untersten Level an“, betont von Paepcke, der zusammen mit Ehefrau Karen vor dreieinhalb Jahren den elterlichen Reitbetrieb in Bredeneek übernahm und wieder in den Sattel stieg. Mit dem von seiner Mutter Christa selbst gezogenen Hannoveraner C´est la vie zog er 2014 ins Bundeschampionats-Finale ein. „Dolles Pferd, vielleicht besser als mein Olympia-Partner Amadeus. Aber er stieg in Luhmühlen, und das brauche ich in meinem Alter nicht mehr“, so von Paepcke, der den Wallach zu Vielseitigkeitshoffnung Ben Leuwer (Königswinter) in Beritt gab. Vielleicht will er Ende der Saison wieder aufsatteln, sicher sei das nicht: „Ich komme erst zwischen acht und elf Uhr abends zum Reiten, und mit Firma und Familie hat man dann nicht mehr die ganz großen Ideen und die Geduld, wenn mal was nicht klappt“, gibt er zu. So lässt er reiten.

 „Der Sport verlangt eine Menge Konzentration. Junge, gedankenlose Hühner würde ich, wenn es meine Kinder wären, nicht loslassen.“ Die richtige Einstellung und „Nachdenken“ gehören zum Sport „unbedingt“ dazu, außerdem das richtige Pferd: „Gerade für Kinder ist ein gutes Vielseitigkeits-Pony eine Lebensversicherung. Es darf nicht zu heiß sein, braucht aber ein gewisses Maß an Selbstinitiative, muss einen guten Sprung machen, die andere Seite sehen wollen und Mut haben – das sind die Ponys, auf die man seine Kinder setzt.“ In der Dressur könne man Abstriche machen, aber nicht im Gelände. „Junge Reiter – und auch ältere – machen immer was falsch. Daher müssen die Pferde eine Idee am Sprung haben. Und sie müssen sich, wie die Reiter auch, der Gefahr bewusst sein und trotzdem Lust haben.“

 Im Gegensatz zu seiner früheren aktiven Zeit seien die Hindernisse mittlerweile technischer, Ausrüstung, Pferde, Reiter und die Ausbildung „besser“ geworden. Dennoch gebe es Luft nach oben: „Mancher Reiter macht zur Vorbereitung 60 Sprünge am Stück. Ein Profi macht 15. Alles, was dann kommt, ist nicht sinnvoll.“ Das Einschätzen des eigenen Könnens sei eine Kunst, die nicht jeder beherrscht, wie sich in der kleinen Vielseitigkeit auf seinem Grund und Boden am Sonnabend bestätigte: Längst nicht alle Starter sahen das Ziel, Stürze gab es auch, passiert ist zum Glück nichts.

 Immer mehr, immer stärker und immer wieder werden technische Anforderungen an die und an den Geländehindernissen gecheckt. Niemand diskutiert über die Vielseitigkeit so viel wie die Vielseitigkeitsreiter selber: „Heutzutage wird ein Vorbeilaufen eher provoziert als ein Stoß, man ist bewusster, was das Schaffen von guten Bedingungen angeht, jede Grundlinie wird überprüft, jedes Detail genau begutachtet, und viele haben Lust, das auszuprobieren“, sagt von Paepcke. „Man macht halt gerne das, was Spaß bringt im Leben, auch wenn es nicht ungefährlich ist. Aber man muss das Risiko minimieren.“ Würde er seinen eigenen Kindern das Vielseitigkeits-Reiten verbieten? „Nein. Nur, wenn ihre Einstellung nicht stimmt. Die Vielseitigkeit ist eben unser Leben.“

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