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Pferde sollen besteuert werden

Groß Rönnau Pferde sollen besteuert werden

Ein heißes Eisen fasst die Gemeindevertretung von Groß Rönnau im Kreis Segeberg am kommen Dienstag an. Auf der Tagesordnung steht die „Beratung und Beschlussfassung über die Erhebung einer Pferdesteuer“. Unter Pferdefreunden erhebt sich bereits Protest.

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Unter Reitern erhebt sich bereits Protest gegen die geplante Pferdesteuer.

Quelle: Frank Peter

Groß Rönnau. Bürgermeisterin Gesche Gilenski weiß um die Brisanz. „Als ein Bürgermeister in Nordfriesland so etwas plante, hat er Morddrohungen erhalten.“ Gilenski betont, dass die Gemeindevertretung erst mal nur darüber reden wolle – auch wenn der Tagesordnungspunkt „Beschlussfassung“ eindeutig ist. Sie hat auch die Besitzer zweier Pferdehöfe in dem 600-Einwohner-Dorf zur Sitzung eingeladen. In einem davon stehen auch die Pferde der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg. Im gesamten Dorf leben etwa 80 Pferde.

 Anlass für die Steuerpläne sind wiederholte Beschwerden von Bürgern, sagt Gilenski. Auf Bürgersteigen und Wanderwegen fänden sich immer wieder Pferdeäpfel. „Die Beschwerden nehmen zu“, berichtet die Bürgermeisterin. Sie räumt ein, dass der Kot nicht nur von Groß Rönnauer Pferden stamme. Auch Reiter und Kutschfahrer aus der Umgebung nutzten gerne die idyllischen Wege.

 Andere Bürgermeister schauten gespannt auf den Versuchsballon in Groß Rönnau, berichtet Gilenski. Sie hätten ihr Mut zugesprochen, sich selbst aber noch nicht getraut, eine Pferdesteuer einzuführen. „Die würden dann wohl nachziehen.“ Andernorts wehte Politikern stets ein heftiger Wind ins Gesicht, wenn sie eine Pferdesteuer planten, hat Gilenski bei der Internet-Recherche herausgefunden. Es sei schon schwer für sie gewesen, überhaupt einen Satzungsentwurf für eine mögliche Pferdesteuer zu organisieren. Sie habe gehört, an manchen Orten würden 200 Euro pro Jahr und Pferd genommen. So viel würde es in Groß Rönnau sicher nicht, sagt Gilenski. Für Hunde müssen Groß Rönnauer 15 Euro im Jahr bezahlen.

 Torsten Rüter aus Bad Segeberg ist empört, als er von dem Plan hört. Der Reiter hat sein Pferd Almaro im Pensionsstall Behnk in Groß Rönnau eingestellt. „Wofür sollten wir eine Steuer bezahlen?“ Außerdem sei es „komisch“, wenn auf ein Lebewesen eine Steuer erhoben werde. Pferdekot auf Wegen würden meist solche Reiter hinterlassen, die privat bei sich zu Hause ein Pferd halten würden, nicht die Reiter mit Pferden aus Einstellställen. „Diese schwarzen Schafe bekommt man aber nicht zu fassen.“ Rücksichtsvolle Reiter säßen ab und sammelten den Kot auf oder schubsten die Pferdeäpfel mit einem Stock vom Weg.

 Die Pferdestallbesitzer Gerd-Wilhelm und Beate Behnk geben zu bedenken, dass viele auswärtige Reiter die Wege in Groß Rönnau nutzten. „Wenn eine Pferdesteuer erhoben würde, dann müsste sie überall gelten“, sagt das Paar. Die Hundesteuer habe gezeigt, dass sie wirkungslos sei. Hunde hinterließen trotzdem ihren Kot auf privaten und öffentlichen Flächen. Außerdem reite in ihrem Pensionsstall die Hälfte der Pferdehalter gar nicht außerhalb des Geländes, sondern nutze die Halle und die Koppel auf Hof Behnk. Nicht zuletzt zahle der Betrieb doch schon allgemeine Steuern, die die Gemeinde ja nutze.

 Entsetzt ist der Pferdesportverband Schleswig-Holstein mit Sitz in Bad Segeberg. Aus drei Gründen, sagt Maritres Hötger von der Geschäftsstelle: Die Pferdefreunde seien sich ihrer Verantwortung bewusst, hielten die Wege sauber und sammelten etwa nach einem Ausritt an kritischen Stellen die Pferdeäpfel ein. Zudem sei Pferdesport, etwa bei Kindern und Jugendlichen, wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung. Deshalb sei Sport auch laut Verfassung förderungswürdig. „Es wäre paradox, das jetzt zu besteuern.“

 Auch Christian Stölting, Kreisvorsitzender des Gemeindetages Segeberg und Amtsleiter von Bad Bramstedt-Land, würde sich über eine Pferdesteuer – die erste in Schleswig-Holstein – wundern. Pferdesport werde durch den Bau von Reitwanderwegen gefördert und sei wichtig für Tourismus und als Freizeitbeschäftigung, vor allem für junge Menschen. Außerdem wäre der Aufwand groß, die Pferdesteuer zu erheben. Anders verhalte es sich mit der Hundesteuer. Die erhebe praktisch jede Kommune, sei mit einer Pferdesteuer aber nicht vergleichbar. Hundesteuer werde erhoben, um die Zahl der Hunde zu regulieren. Den Initiatoren einer Pferdesteuer gehe es aber darum, weniger Kot auf den Wegen zu haben. Das sei mit einer Steuer schwerlich zu bewirken.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
Segeberger Zeitung

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Kontra-Kommentar

Um die Gemeindefinanzen ist es schlecht bestellt, und guter Rat ist wieder teuer. Möglicherweise demnächst für Pferdebesitzer, denen, zur Aufbesserung leerer Kassen, die Pferdesteuer droht. Hundebesitzer können davon ein trauriges Lied singen, wenngleich auch nicht so laut, da eine Lenkungssteuer zur Hundehaltung zumindest in Städten halbwegs nachvollziehbar scheint.

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