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„Barockreiterei ist in“

Großhansdorf „Barockreiterei ist in“

Jörg Thurow ist „Ritter der akademischen Reitkunst“. Klingt ungewöhnlich, ist es aber nicht: Was vor 15 Jahren im Land zwischen den Meeren selten war – die Barockreiterei –, boomt heute. Eine 25-köpfige Gruppe von Anhängern dieser Reitweise, die Doma Clasica, feiert diesen Monat 15-jähriges Jubiläum.

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Großer Aufzug in historischen Kostümen: Die Doma Clasica bei einem Auftritt in den Herrenhäuser Gärten in Hannover.

Quelle: Mireta von Rantzau

Großhansdorf. Die Elite-Formation des Großhansdorfers Thurow hat reichlich Auftritte und vor allem Spaß an der klassischen Reiterei.

„Früher, als Barockreiter noch Außenseiter waren, wollte ich mit der Doma Clasica die Barockpferde und die Barockreiterei bekannt machen“, erklärt Thurow. Inzwischen ist das obsolet. „Seine“ Reiter aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern verfolgen andere Ziele. Denn die klassisch barocke Reitweise hat sich hier und anderswo in deutschen Landen in der einen oder anderen Ausprägung längst etabliert. Thurow geht so weit zu sagen: „Barockreiterei ist in.“

Das war damals anders. Als der heute 55-Jährige 1990 zur klassischen Reitweise nach Bent Branderup, Richard Hinrichs, Marc de Broissia und Antonio Domecq fand, ritt hier keiner „so“. Zusammen mit seiner Lebenspartnerin Katrin Stolz hat Thurow die Doma Clasica im Laufe vieler Jahre, vieler Auftritte und erheblicher Mühen als feste Showgröße „mit großem Qualitätsanspruch“ über die Landesgrenzen hinaus verankert.

Den Ausdruck Doma Clasica hat er aus dem Spanischen entlehnt. Er bedeutet „klassische Schule“ und steht für eine der größten und anspruchsvollsten Barockpferde-Show-Formationen nördlich und auch südlich der Elbe. Zugelassen zu seiner Elite-Truppe sind ausschließlich Barockpferde, wie Friesen, Lusitanos und „PREs“, also Pferde „Reiner Spanischer Rasse“ (Pura Raza Espanola), die Ausbilder Thurow selber reitet, der „vor Urzeiten“, auf der Messe Hansepferd in Hamburg, zunächst dem Charme der nachtschwarzen Friesen erlag und in Friesenstute Tetje eine perfekte Lehrmeisterin fand.

Tetje war mehr als ein Pferd. Sie war der Aufgalopp in eine neue Zeitrechnung: „Ich lernte meine Frau Katrin über die Liebe zu den Friesen kennen“, erzählt Thurow. Zusammen mit ihr betreibt er „im richtigen Leben“ einen ambulanten Pflegedienst. So, wie es tagsüber zur Arbeit geht, geht es abends in den Stall, wo mittlerweile ein Friese und drei spanische Hengste warten. „Damit es beim Spaß am Reiten bleibt, machen wir es nur zum Spaß.“ Aber das mit hohem Anspruch.

Hengste halten sie, „auch wenn sie es dem Menschen im Umgang etwas schwerer machen“, weil die imposanten Testosteron-Pakete „es dem Menschen in der Dressur etwas leichter machen“, wie Thurow findet. Geübt wird, ungeachtet von hormonellen Einflüssen, mit Hengsten und Stuten zusammen regelmäßig mit der kompletten Team-Besetzung alle 14 Tage im Pensionsstall Vianello in Elmenhorst oder im Stall Ohana in Bargteheide. „Es ist ein Riesenaufwand, vor allem vor Auftritten. Alleine die Schimmel müssen komplett durchgewaschen werden, vom aufwendigen Training, der teuren Kulisse, den teils selbst genähten Kostümen und den An- und Abreisen zu und von den Shows ganz zu schweigen. Deshalb ist es so wichtig, Spaß zu haben. Deshalb sind wir kein Verein. Wir wollen entscheiden, wer mitmacht. In erster Linie zählen bei uns das menschliche Zusammenspiel und reiterliches Können.“

Keines der Gruppenmitglieder reitet beruflich. „Das schränkt uns wiederum ein, im vergangenen Jahr hatten wir über ein Dutzend Auftritte – eindeutig zuviel.“ Mit einer „Schwarz-Weiß-Quadrille mit Hut“ wird heutzutage übrigens kein Zuschauer mehr ins Reit-Stadion gelockt. Thurow: „Das macht es anspruchsvoll. Die Show muss spektakulär sein – mit Helium-Ballons, sechs Meter langen Wimpeln, fliegenden Tüchern.“ Teilweise entwickeln Ingenieure die Utensilien zu Thurows Choreografie. Die Pferde werden, ab und an sogar mit einem Schreck-Trainer, ständig an neue Herausforderungen gewöhnt.

Aber von einem Ritter der Reitkunst und seinen Knappen können die Zuschauer Schwert, Zauber und Lichterglanz erwarten.

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