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Volles Risiko für einen Lebenstraum

Heikendorf Volles Risiko für einen Lebenstraum

Den Traum von der eigenen Reitanlage zu verwirklichen, ist ein Wagnis, das nicht jeden glücklich gemacht hat. Viel Arbeit, viele Risiken, vieles, das gut überlegt und noch besser kalkuliert werden muss, um nicht im Albtraum zu enden. Die Preetzerin Sandra Bartels (46) hat diesen Schritt jetzt gemacht, sich in Heikendorf das aufgebaut, worauf sie fast ein ganzes Leben lang hingearbeitet hat.

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Aufs Ganze gegangen: „Ich bin schon mit dem Wunsch aufgewachsen, irgendwann meinen eigenen Stall zu haben“, sagt Sandra Bartels.

Quelle: Jessica Bunjes

Heikendorf. Ihr halbes Leben lang ist Sandra Bartels zur Hälfte Reitausbilderin, zur Hälfte bei der Sparkasse als Bankkauffrau angestellt. Hatte 15 Jahre lang einen Reitbetrieb in Preetz gepachtet, den Birkenhof. Jetzt ist sie aufs Ganze gegangen. „Ich bin mit dem Wunsch schon aufgewachsen, irgendwann meinen eigenen Stall zu haben. Meine Eltern haben das immer unterstützt“, erzählt die Frau, für die es langfristig keine Option war, „immer nur zu pachten“. Ihren Job in der Bank allerdings wollte sie nie aufgeben: „Das ist etwas für den Kopf, eine tolle Ergänzung. Es ist wichtig für mich, beides zu haben.“

2014 lief ihr Birkenhof-Pachtvertrag aus, doch erst im August 2015 konnte sie den Stall mit 40er Halle samt Tribüne, Gelände und Koppeln in Heikendorf übernehmen, der bis dahin der Gemeinde gehörte und von der ortsansässigen Reit- und Fahrgemeinschaft bewirtschaftet wurde. „Der Renovierungsstau war groß, die Anlage hätte so nicht weiter betrieben werden können“, sagt Sandra Bartels, die im Oktober vergangenen Jahres kaufte und seither kaum einen Stein (oder eher Sandhaufen) auf dem anderen ließ. In der Zwischenzeit mussten Pferde bei befreundeten Stallbetreibern untergebracht werden, Lehrgänge und Unterricht durfte sie auf Anlagen in der Region geben.

"Das darf einen nicht niederschmettern"

„Alles zog sich hin; die Verhandlungen, die Erteilung der Baugenehmigungen und die Notarverträge. Ich hatte schlaflose Nächte, fragte mich ständig: was mache ich mit den Pferden…“ Zwei Winter hat sie überbrückt, „viel Unterstützung“ bekommen: „In der Not lernst du deine Freunde kennen. Und genauso machst du die bitteren Erfahrungen. Es war eine schwere Phase mit vielen menschlichen Enttäuschungen. Das darf einen aber nicht niederschmettern.“

Als es endlich losgehen und Sandra Bartels realisieren konnte, was sie „über Jahre im Kopf aus 100 Anlagen zu einer bezahlbaren Traumanlage“ zusammengestellt hatte, folgten eine Reihe unliebsamer Überraschungen: „Ich war drei Jahre über Messen gelaufen, hatte mich über Sicherheit für Pferd und Mensch, über Böden und Anlagenbau informiert, wusste genau, was ich wollte und brauchte. Dann fanden wir beim Paddockbau das erste Sumpfloch, stellten fest, dass der Unterbau der Reithalle kein Wasser durchließ, alles moorig war. Mussten Tonnen von Erde verschieben, den kompletten Reithallenboden neu aufbauen.“

"Was machen wir jetzt?"

Außerdem wurde der Wall auf dem Springplatz zu groß, die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Plön fürchtete, dass eine Eiche Schaden nehmen könnte. „Wir bauten also um.“ Hinter vermeintlich stabilen Wänden im Stallgebäude verbargen sich Hohlräume und Mäuse-Kolonien. „Es war unfassbar, kostete Zeit, Nerven und Geld. Meine Reiterei hat gelitten, ich war Monate kaum im Sattel.“ Containerweise musste Schutt, Müll, Gestrüpp und Boden entsorgt werden. „Was ich in der Zeit am meisten gehört habe, war die Frage: Was machen wir jetzt?“

Nach sechs Monaten Bauzeit wurden just die letzten Paddocks an den Außenboxen fertig, die Winterpaddocks sind neu angelegt, in der Halle und auf zwei arrondierten Außenreitplätzen, die internationalem Turniermaß entsprechen, liegt Quarzsand und Quarz mit Flies. „Die Böden bleiben bei jedem Wetter bereitbar und elastisch, schonen die Pferdebeine. Sicherheit und gute Trainingsbedingungen sind mir am wichtigsten“, betont die Ausbilderin. „Bei Sonnenschein ist alles schön, aber du musst den Betrieb bei allen Witterungen 365 Tage im Jahr am Laufen halten.“ Inzwischen stehen 25 Einstellerpferde auf der Anlage sowie die Handvoll Schulponys und ein Schulpferd des Heikendorfer Reitvereins. Der ist nämlich geblieben, hat mit Peter Lindenberg einen neuen Vorsitzenden. „Jetzt wollen wir uns auf Turnieren stärker präsentieren“, erzählt Sandra Bartels, bei der in der Mitte des Lebens alles auf Anfang steht, indem sie ihren Traum lebt.

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