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Eine Hobby-Reiterin gibt Vollgas

Galopp-Derby Eine Hobby-Reiterin gibt Vollgas

Fitnesstrainerin Katharina von Hetling startet beim Galopp-Derby in Hamburg-Horn im Junior-Cup - als Frau unter Männern.

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Gleich gut wegzukommen ist wichtig im Rennsport, den durchaus auch Amateure wagen. Nicht im Rennsattel, aber dennoch in vollem Tempo donnern die Reiter mit ihren blütigen Pferden hier übers Watt. Ab Sonnabend starten die Renntage in Hamburg-Horn.

Hasloh. Wer um die 1,60 Meter klein, etwa 55 Kilogramm schwer und idealerweise noch etwas leichter ist, vielleicht den Tod, aber nicht den Teufel und auch sonst wenig fürchtet, hat seine Bestimmung als Jockey fast gefunden. Dann noch Wagemut gepaart mit Zielstrebigkeit, ein guter Plan und vor allem ein schnelles Pferd führen ab kommendem Sonnabend direkt auf die Zielgerade der Galopprennbahn in Hamburg-Horn. Als Frau unter Männern: Fitnesstrainerin Katharina von Hetling (33) aus Hasloh.

 Die Hobby-Reiterin startet am Sonntag mit ihrer bereits zehnjährigen Stute Yemalinga – viel Vollblut angepaart mit Hannoveraner-Genen – allerdings nicht in einem der Profirennen, sondern im sogenannten Junior-Cup – ein 1400-Meter-Rennen für drei- bis 15-jährige Pferde, die von Nicht-Profis pilotiert werden. Gestartet wird aus Sicherheitsgründen für die ungeübten Pferde nicht aus Startboxen, sondern auf Flaggensignal. „Ich reite außerdem nicht im Rennsattel. In dem kann man sich zwar über dem Pferd stehend bei dem Tempo besser ausbalancieren, aber das ist brutal anstrengend“, erzählt Katharina von Hetling, die vor zwei Jahren in Bad Doberan ihr erstes Amateur-Rennen bestritt – damals mit Yermania –, danach beim Duhner Wattrennen bestand und sich in diesem Jahr auf einer der traditionsreichsten Rennbahnen Europas versuchen will.

 Initiatorin der, wie die 33-Jährige durchaus zugibt, „gewagten“ Aktion ist Pferdebesitzerin Birgit Warkentien. Die leidenschaftliche Hundezüchterin aus Quickborn hat nicht nur ein Herz für die athletischen Langhaar Whippets, sportliche Windhunde, sondern auch für pfeilschnelle Pferde. Und weil Katharina von Hetlings Großvater Evert (Freiherr) von Ungern-Sternberg war, der einst das Vollblut-Gestüt Union bei Bonn geleitet hat, ist die Sportwissenschaftlerin sozusagen rennmäßig erblich vorbelastet. „Rennen sind nicht nur Steckenpferd meiner Pferdebesitzerin, sondern auch immer mein Traum gewesen, als wir uns 2012 kennenlernten, passte das also perfekt.“

 Damals hatte Katharina zuvor just drei Jahre auf einem Andalusier-Gestüt in Chile gearbeitet, war den „Knochenjob auf dem Pferd“ also gewohnt. Allerdings zuvor nur im Dressur- oder Springsattel. „Rennreiten ist nicht ohne. Ich habe schon ein mulmiges Gefühl und frage mich jedes Mal, ob es das Risiko wert ist. Aber der Adrenalinschub nach dem Rennen hält eine Woche an – dafür lohnt es sich.“ Das Pferd lerne man ohnehin „nochmal ganz anders“ kennen. Katharina von Hetling: „Wenn einem schon fast die Puste ausgeht, gibt das Pferd immer noch alles. Das ist ein großartiges Gefühl.“

 Bis Sonntag hat die Frau aus Hasloh unter anderem Trainingseinheiten am Strand von St. Peter-Ording und im Reiterpark Max Habel in Süsel hinter sich. „In der Holsteinischen Schweiz lässt sich bestens Kondition aufbauen. Das ständige Auf und Ab im Gelände ist dafür perfekt.“ Wichtig sei insbesondere ein „sicheres Geläuf, auf dem man einfach mal fünf Kilometer Gas geben kann.“ Sie selbst trainiert an sich vor allem Rücken und Oberschenkel, denn diese Muskeln werden beim Rennen durch das Reiten im sogenannten „leichten Sitz“ besonders stark beansprucht. Eine gute Grundsubstanz hat die Fitnesstrainerin ohnehin.

 Für das Geläuf in Hamburg/Horn hat sie einige Tipps von der erfahrenen Amateur-Rennreiterin Birgit Warkentin bekommen, die 1987 ihr erstes (Duhner Watt-)Rennen bestritt und seither zig Siege und Platzierungen einsammelte. Von denen will sie keinen vor dem Renntag in der Hansestadt preisgeben. Grundsätzliches verrät sie allerdings: „Das Wichtigste ist, den Sattelgurt nachzuziehen. Klingt albern, wird in der Aufregung aber gern vergessen, und das kann lebensgefährlich werden.“ Ansonsten gilt die Devise, möglichst schnell nach dem Start auf die Innenbahn zu gelangen. „Dann hast du die Drängler nur noch von außen.“ Am gefährlichsten findet sie Fehlstarts. „Wenn jemand beim Versuch, das Pferd aus vollem Galopp abrupt zu bremsen, quer schießt, ist das übel.“ Ansonsten muss sie nur auf ihr Gewicht achten – nach oben: „Ich muss im Nicht-Profirennen etwas mehr Gewicht – nämlich mitsamt Ausrüstung 58 Kilo – auf die Waage bringen. Was nicht mit Körper, Kleidung und Sattel erreicht wird, müssen Bleiplatten als Handicap in der Schabracke ausgleichen und totes Gewicht ist immer schlechter als Lebendgewicht.“ Bedeutet: Bis zur Zielgeraden sind es zusätzlich zu Mut, Pferd und Training noch ein paar Eis.

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