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Perfekte Runde für Evi Penzlin

Itzehoe Perfekte Runde für Evi Penzlin

Aus Eva wurde Evi: Die 38-jährige Evi Penzlin aus Itzehoe entthronte bei der DM der Springreiterinnen in Balve Vorjahres-Titelträgerin Eva Bitter (Bad Essen/bei Osnabrück).

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Evi Penzlin sprang mit La Pasion de Caballo Ulika auf den Deutschen Meisterschaften in Balve im Stechen auf Rang eins und holte erstmals Gold bei den Damen.

Quelle: dpa

Itzehoe. „Ich wollte eigentlich nur lebend ins Ziel kommen, mit einem Sieg hätte ich niemals gerechnet“, scherzt die neue Meisterin, die sich mit ihrer elfjährigen Stute La Pasion de Caballo Ulika im Stechen gegen Simone Blum (Zolling bei München) mit Fyling Boy und Tina Deuerer (Bretten bei Karlsruhe) mit Chanoc behauptete.

„Gold“ hatte wohl auch Evis Lebensgefährte, der schwedische Weltklasse-Reiter Rolf-Göran Bengtsson, nicht im Blick. Der Vater ihrer neun Monate alten Tochter Pamina, der seine Pferde in Breitenburg trainiert, drehte im französischen Cannes unbesorgt seine Parcours-Runden und erfuhr als einer der letzten vom Meisterschafts-Sieg seiner Freundin: „Ich hetzte von einem Interview zum nächsten, hatte kein Handy dabei, konnte ihn nicht kontaktieren.“ Als eine der ersten gratulierte dafür Vorjahressiegerin Eva Bitter, Anerkennung zollte Bundestrainer Otto Becker: „Das war großer Sport, Kompliment.“ Gecoacht wurde die gelernte Versicherungskauffrau von einem alten Hasen, der zu seiner aktiven Zeit „der Teufelsreiter vom Friedrichskoog“ genannt wurde, Tjark Nagel. Er ging mit Penzlin den DM-Parcours ab, gab Tipps. „Rolf ist ja nur selten zu Hause und wenn, muss einer auf das Baby aufpassen, daher hat er nur selten mal eine halbe Stunde Zeit, mit mir zu trainieren“, flachst Penzlin, die vor 30 Jahren zum Reiten fand. Einmal in der Woche ging es damals zum Unterricht, mit 13 Jahren bekam sie das erste Pony. Gitano war es, der die spätere Springreiterin zunächst zum Dressurreiten verdonnerte, „da er nicht springbegeistert war“, wie die Amazone erzählt. Wider Erwarten führte beider Weg im Viereck bis zu Platzierungen in der schweren Klasse.

„Aber in Holstein kommt man ums Springen nicht herum. Springen ist für mich die Krönung der Dressur“, so Evi Penzlin, die schon mit 17 Jahren manch junges Springpferd anritt und auf Turnieren vorstellte. „Die Dressurarbeit mit Gitano hat mir dabei natürlich nicht geschadet“, erinnert sich die vielseitige Reiterin, die den Dressursattel 2010 zum letzten Mal auflegte. Einen großen sportlichen Erfolg erlebte Penzlin vor vier Jahren bei den Weltmeisterschaften der jungen Pferde in Lanaken, wo sie mit der damals siebenjährigen Ulika den neunten Platz belegte. Mit ihr beendete Penzlin ihre erste Deutsche Meisterschaft auf Rang 15, bevor sie jetzt 14 Plätze wettmachte. Ihre übliche Strategie, „kurz bevor ich aufs Pferd steige, versuche ich, mir eine perfekte Runde vorzustellen“, verfolgte die 38-Jährige auf der DM allerdings nicht. Sie ulkt: „Ich hatte nur mit gutem Wetter gerechnet, mit mehr nicht.“ Denn für Ulika war Balve in dieser Saison erst das dritte Außenturnier. Penzlin, ernster: „Ich hatte eigentlich nur die Hoffnung, ordentliche Runden zu reiten und die für mich persönlich die bestmögliche Leistung zu bringen. Dass es im Verhältnis zur Konkurrenz so gut sein würde, hätte ich nie gedacht. Ich bin sehr stolz auf meine Stute, sie passt gut auf mich auf.“

Wie es weiter gehen soll? Darüber muss die Sportlerin nach der Meisterfeier Anfang dieser Woche erst einmal nachdenken, Pläne habe sie bisher nicht: „Der Erfolg kam zu überraschend. Aber ich bin dadurch ja kein anderer Mensch geworden.“ Insofern bleibt vorerst alles beim Alten, denn die 50 Pferde in ihrem Ausbildungs-, Beritt- und Pensionsstall wollen versorgt werden. „Bestimmte Turniere, bei denen ich schon immer mal reiten wollte, habe ich nicht. Ich hoffe einfach, dass Ulika noch lange zur Familie gehört und gesund bleibt und dass ich die Chance bekomme, auf einigen größeren Turnieren zu starten.“ Ob Penzlins Motto, „eine gewisse Leichtigkeit nicht zu verlieren“, in Zukunft womöglich etwas bitterer schmeckt, und aus Evi wieder Eva wird, wird sich zeigen.

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