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Sanfte Riesen vom Aussterben bedroht

Kaltblüter Sanfte Riesen vom Aussterben bedroht

Kaltblüter gelten als gutmütige Kolosse und gut und gern eine Tonne auf die Waage. Eine geringere Körpertemperatur haben Kaltblüter natürlich nicht. Sie sind von Natur aus eher „cool“. Das Schleswiger Kaltblut, früher auf fast jedem Bauernhof im Land zwischen den Meeren zu Hause, feiert 2016 seinen 125. Geburtstag.

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Das Schleswiger Kaltblut ist für den Einsatz als Arbeits- und Zugpferd gezüchtet worden.

Quelle: Andreas Thomsen

Kiel. Die XXL-Pferde waren ursprünglich für die Arbeit, besonders für den schweren Zug, gezüchtet worden – daher die Bezeichnung „Zugpferde“. Im Mittelalter trugen die frühreifen und robusten Rösser oft unermüdlich Ritter in schweren Rüstungen. Heute sieht man sie meist nur noch zu Werbezwecken vor historischen Brauerei- oder Milchwagen, gelegentlich auch in Traditionsanspannung oder beim traditionellen Holzrücken. Für den Einsatz im Tourismus (Planwagenfahrten), in Baumschulen, in der Biotoppflege und in der Forstwirtschaft ist der Kaltblüter geradezu prädestiniert. Das inzwischen anerkannte „Kulturgut“ ist außerdem Freizeitpartner und Therapiepferd. Die größte deutsche Kaltblutpopulation hat das Süddeutsche, die kleinste das Schleswiger Kaltblut.

 Ihre Blüte erlebten die schweren Pferde im 18./19 und Anfang des 20. Jahrhunderts, als sie sich in der Land- und Forstwirtschaft, als Transportmittel oder beim Bäumerücken bewährten. Durch die Motorisierung Mitte des 20. Jahrhunderts verloren die Muskelprotze ihren Job, wurden von Maschinen ersetzt. In Schleswig-Holstein kamen Zigtausende in Schlachthöfe: Während der Bestand in den 50er-Jahren rund 25000 eingetragene Stuten und 450 Hengste zählte, schrumpfte die Population binnen zweier Jahrzehnte auf 35 Stuten und einen Hengst. In anderen Ländern, zum Beispiel in Frankreich, in der Schweiz, in Dänemark und Österreich, werden die kalibrigen Pferde auch für die Schlachtung gezüchtet. Das sichert, so paradox es klingt, ihren Bestand, während viele der reinen Zug- und Arbeitsrassen, wie das Schleswiger Kaltblut, von der Europäischen Union als „gefährdet“ eingestuft werden.

 Das Schleswiger Kaltblut ist mit einem Stockmaß zwischen 1,54 und 1,62 Metern relativ klein und kompakt, kommt fast ausschließlich in seinem Heimatland zwischen den Meeren und in Niedersachsen vor, und das meist fuchsfarben. Nur vereinzelt fallen Rappen, Schimmel und Braune. Seine Eigenschaften beschreibt das Zuchtziel im Ideal als „umgänglich, wendig, ausdauernd, genügsam“. Seit 1888 lautet die Kennzeichnung (vormals Schenkelbrand) „VSP“ für „Verband der Schleswiger Pferdezuchtvereine“, der 1891 gegründet wurde.

 Hervorgegangen ist das solide, fleißige Arbeitspferd Ende des 19. Jahrhunderts unter Einfluss des Jütländers. Begründer der Rasse ist Hengst Oppenheim, ein Shire oder Suffolk. Der Hengst war 1862 nach Dänemark importiert und bis 1869 in der Zucht eingesetzt worden. Seit 1930 sind nahezu alle Schleswiger auf seinen Nachkommen Munkedal zurückzuführen. Mit dem Negativrekord 1976 löste sich der Zuchtverband auf. Seither wird die Rasse vom Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg (PSB) betreut. 1991 gründete sich der „Verein Schleswiger Pferdezüchter“.

 Eine Schlüsselrolle bei der Erhaltung des Schleswiger Kaltbluts übernahm Jürgen Isenberg vom Gut Kamp bei Bad Segeberg, der das Aussterben dieser Kaltblutrasse verhinderte: Der Züchter importierte 1977 einen Jütländer Hengst, Odin, der (mit Ausnahme von Hufmängeln) sehr gute Nachkommen bescherte. Der aktuelle Schleswiger-Bestand liegt deutschlandweit bei 168 eingetragenen Stuten und 25 Hengsten, kaum ein Prozent des Bestandes von 1955. Der Erhalt der Rasse ist aufgrund der kleinen Population in Reinzucht schwierig, weswegen bevorzugt Süddeutsches Kaltblut eingekreuzt wird.

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