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Er ist der Chef im Stangenwald

Kiel Er ist der Chef im Stangenwald

Für kurze Wege sind sie zuständig, aber mit Kurznachrichten hat das Kürzel „SMS“ nichts zu tun, das nur hinter vier der 82 Namen in der dreiseitigen Liste des Pferdesportverbandes SH steht: „SMS“ bedeutet die Zulassung zum Bauen von E- bis S-Parcours - also von „einfach“ bis „schwer“.

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Wenn Hindernisse so massiv sind wie der Oxer, den Jörg Naeve (Ehlersdorf) hier mit Cashflow auf der Baltic Horse Show in Kiel überwindet, müssen nicht nur Ross und Reiter, sondern auch der Parcourschef Maß-Arbeit leisten.

Quelle: Andreas Thomsen

Kiel. Einer aus dem Quartett ist Henry Utech, 51, ex Berufsreiter, seit 15 Jahren Hobby-Parcourschef. Aus dem Pferdeland zwischen den Meeren ist der Mann mit dem Käppi nicht wegzudenken.

 Just hat Utech in Henstedt-Ulzburg aufgebaut, davor in Raisdorf mit Hindernissen hantiert und Ende des Monats vermisst er in Kisdorf und Blekendorf Distanzen und Linien. „Als Profi konnte ich im Landgestüt Neustadt-Dosse gesundheitsbedingt nicht mehr reiten, wollte dem Reitsport aber treu bleiben“, erzählt der Kerl, dessen charmantes Grinsen so breit ist wie die Stangen zwischen den Ständern, die er Wochenende für Wochenende in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen herumträgt.

 Beruflich ist der Hamburger woanders unterwegs, verkauft EC-Karten-Geräte. Zwei Jahre lang ist er früher als Assistent „mitgelaufen“, bevor er seine Prüfung über die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), beim internationalen Parcourschef Hans Sattler (Hatten/Niedersachsen) ablegte. Weiter qualifiziert für Parcours bis zur Klasse S hat Utech sich bei einem der seiner Meinung nach „weltbesten Architekten“ für Hindernis-Folgen: Frank Rothenberger (Bünde/Nordrhein-Westfalen).

 „Ich habe zwar kein richtiges Vorbild, weil jeder seine eigene Handschrift haben sollte, aber Rothenberger macht das wirklich extrem gut“, so Utech, der von sich selbst behauptet, „keine Lieblingskniffe“ zu haben: „Was mir aber wichtig ist, ist Abwechslung. Wie auch im Training sollte sich während eines Turniers immer alles verändern. Daher variiere ich mit den Sprüngen, damit sich immer wieder ein neues Bild ergibt.“ Etwa 20 Parcours baut er im Laufe einer Veranstaltung auf, und das mit Leidenschaft: „Das Schöne an diesem Job ist der Kontakt mit den Menschen und mit dem Pferdesport. Ich sehe viele tolle Ritte, und es ist immer wieder schön, wenn die Parcours funktionieren und Fehler genau da passieren, wo ich sie haben will.“

 Angepasst wird der Stangenwald nicht nur an die Leistungsprüfungsordnung (LPO) für die jeweiligen Schwierigkeitsgrade, sondern auch an die ausgeschriebenen Leistungsklassen sowie an die Teilnehmerfelder. „Die meisten Reiter kenne ich, sehe sie jede Woche in Prüfungen. Wenn ich die Starterliste bekomme, weiß ich, ob ich das Reglement bis an die Obergrenze ausreizen kann oder lieber im unteren Level bleibe.“ Überfordert werden soll schließlich niemand. In Zeitspringen baut Utech Alternativen zum Abkürzen ein, bei Stilspringen achtet er auf klare Linien, damit sich die Reiter „wieder sammeln“ können.

 Die Ausschreibung ist vier Wochen vor dem Turnier verfügbar. Baut Utech irgendwo zum ersten Mal auf, fährt er hin und misst den kompletten Platz aus. Die Maße trägt er in ein Computerprogramm ein, das automatisch Distanzen und Zeiten berechnet. „Das ist praktisch. Früher, als wir das per Hand gemacht haben, war das viel aufwendiger.“ Beim Aufbau berücksichtigt er zudem, ob auf Gras, wie fast überall, ober in seltenen Fällen auf Sand geritten wird: „Bei normalem Sand dringen die Pferde tiefer ein, kommen schwerer wieder raus.“ Hier baut er niedriger. Ausnahme sind moderne Plätze, wie der in Bad Segeberg: „Diese Böden sind extra fürs Springen entwickelt. Da baue ich schwerer, weil der Untergrund federt und die Pferdebeine schont.“

 Kombinationen baut er an den Anfang, wenn ein Springen aus zwei Prüfungen – mit Einlauf und Umlauf – besteht. Im Umlauf wandert die Kombi ans Ende: „Wenn die Pferde schon 400 bis 500 Meter galoppiert sind, ist es schwerer, eine Distanz exakt zu reiten, weil die Galoppsprünge weiter werden.“ Problematisch seien vor allem Wassergräben und in den niedrigeren Klassen Unterbauten sowie breite Planken. „Da gucken viele Pferde, allerdings ist das meist eine Kopfsache der Reiter.“ Verändert habe sich einiges, wie die Qualität der Vierbeiner. „Sie ist heute besser, die Pferde sind sprunggewaltiger, denken regelrecht mit.“ Als Folge sind die Parcours schwerer, weil technischer, geworden.

 Die Reiter? „Bei manchen wäre eine Investition in qualifizierten Springunterricht besser als ins teure Reitjackett.“ Unschöne Bilder seien dennoch selten: „Das Bewusstsein hat sich verändert und die Richter greifen strenger durch.“ Sein Tipp? „In den unteren Klassen sieht man immer wieder, dass einige Reiter die Distanzen nicht abschreiten. Aber das ist wichtig. Denn nur so kann exakt berechnet werden, wie viele Galoppsprünge das Pferd zwischen den Sprüngen machen sollte.“ Den kurzen Weg sollten nämlich nur die ohne Abschreiten nehmen, die im Parcours rein theoretisch eine SMS schreiben könnten…

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