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So werden Pferde richtig gefüttert

Koppelzeit So werden Pferde richtig gefüttert

Sommerzeit ist Koppelzeit. Viele Pferde grasen jetzt stundenlang auf grünen Weiden. Für die meisten ist damit der Erhaltungsbedarf bei leichter Arbeit fast schon gewährleistet. Auf Heu und Mineralstoffe sollten Pferdehalter jedoch nicht verzichten, wie der Futterexperte Horst Millahn erinnert.

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Pferde brauchen Mineralstoffe.

Quelle: Andreas Thomsen

Ahrensfelde. Die Anordnung der Verdauungsorgane des Pferdes ist ursprünglich nicht auf die dauerhafte Verwertung von Weidegras ausgerichtet: Evolutionsgeschichtlich war das Pferd zunächst Waldtier, hat sich in 60 Millionen Jahren zum Steppentier entwickelt. Es ist nicht in der Lage, seine Tagesration binnen kurzer Zeit aufzunehmen, sondern ein Dauerfresser mit relativ kleinem Magen (12 bis 15 Liter Fassungsvermögen). Im Dünndarm werden die leicht löslichen Nährstoffe (Fette, Eiweiße, Kohlenhydrate) enzymatisch verdaut – je länger, je besser. Daher sollte vor dem „Kraftfutter“ grundsätzlich erst Raufutter gegeben werden. Erklärung: Raufutter gelangt vom Dünn- in den Blinddarm erst nach bis zu sechs Stunden. In Folge wird das nach dem Raufutter verabreichte Kraftfutter länger im Dünndarm gehalten und seine Nährstoffe werden besser verwertet.

Horst Millahn rät: „Jede Ration sollte überwiegend aus Raufutter bestehen. Auch wenn die Pferde von den Koppeln kommen, ist es ratsam, erst einmal Heu oder Heulage zu füttern. Wenn viel Eiweiß im Gras ist, wie auf den meisten herkömmlichen Koppeln, wo zumeist Weidelgras wächst, kann bei empfindlichen Pferden das Eiweiß im Kraftfutter reduziert werden.“ Qualitativ hochwertiges Heu sollte generell auf drei Mahlzeiten am Tag verteilt werden, damit die Zeit ohne Futter nicht zu lang wird – das schadet Magen und Darm, sowie dem Stoffwechsel und der Leistungsbereitschaft. Wenn die Pferde tagsüber auf der Koppel sind, reicht jedoch die Gabe von zweimal Heu aus. Die optimale Raufutter-Menge liegt im Sommer etwas unter der generell empfohlenen Ration von 1,5 bis zwei Prozent in Relation zum Körpergewicht des Pferdes (bei 600 Kilogramm Körpergewicht bedeutet das im Schnitt neun bis zwölf Kilogramm Heu/Heulage am Tag). „Hier ist, wie grundsätzlich in der Pferdefütterung, Augenmaß und sensible Beobachtung das A und O. Denn der Bedarf variiert nach Rasse, Leistung, Verwendung und Anlage“, so Millahn.

Für ihn ist, bei gesicherter Grundversorgung, die Deckung des Mineralstoffbedarfs besonders wichtig. Das geht am einfachsten über gut dosierbare Mineral-Brickets, die es in verschiedenen Größen und sogar getreidefrei gibt. Für nicht empfehlenswert hält Millahn die große Mineral-Leckschale, die in Sommer für die gesamte Herde zugänglich auf die Koppel gestellt wird. „Auf diese Weise ist keine kontrollierte Fütterung gewährleistet – man hat dann keinen Überblick, wer was in welcher Menge bekommt.“ Beispielsweise Kalzium und Phosphor sind im richtigen Verhältnis lebensnotwendig, auch mit Spurenelementen wie Kupfer, Zink und Selen sind Pferde oftmals unterversorgt. Aber Achtung: Vitamine werden in der Vegetationsperiode oft überdosiert – ein Blick auf die Inhaltsstoffe der Futtermittel gibt zuweilen Aufschluss. Zu viel Vitamin A und auch zu viel des Spurenelements Selen sind beispielsweise schädlich. Millahn: „Keinesfalls wahllos etwas ins Futter kippen. Zuverlässig Aufschluss gibt nur ein Blutbild, das der Tierarzt machen kann.“ Durch falsche Ernährung können über die Jahre schwerwiegende Erkrankungen wie Hufrehe, Haut- und Atemwegsleiden, Leberschäden und Lethargie entstehen.

Millahn erinnert zudem daran, wie wichtig für Sportpferde die Ration Heu während des Turniertages, das Kraftfutter unterwegs, wenn es morgens zum Turnier und erst abends zurückgeht, und viel sauberes Wasser sind. „Viele unterschätzen einerseits, wie stark ein Anhänger aufheizt, andererseits müssen Pferde generell bei Wärme viel trinken.“ Wenn auf Turnier gefüttert wird, dann mit viel Ruhe und nicht unmittelbar vor der Prüfung. Bei Hitze können laut dem Futterexperten durch starkes Schwitzen verlorengegangene Elektrolyte über Pulver oder flüssig übers Trinkwasser wieder zugeführt werden. Mash, das je nach Hersteller im Sommer kalt angerührt werden kann, unterstütze, so Millahn, die Verdauung am Abend nach einem anstrengenden Turniertag.

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