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In Nordfriesland grassiert Herpes

Pferde erkrankt In Nordfriesland grassiert Herpes

Pferdebesitzer sind verunsichert. Im Reiterbund Nordfriesland sind Ende Januar einige schwere Herpes-Fälle aufgetreten. Ein Stall in Mildstedt, in dem Pferde eingeschläfert werden mussten, steht bis Ende des Monats unter Quarantäne. Anfang der Woche ist das Virus in einem weiteren Stall in Nordfriesland diagnostiziert worden.

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Gesund und vergnügt auf der Weide: Doch 75 Prozent aller Pferde sind latente Virenträger für Herpes. Übertragen wird die Krankheit bei Ausbruch als Tröpfcheninfektion über Speichel.

Quelle: Silke Müller-Uloth

Mildstedt. Um die Tröpfchen-Infektion nicht zu einer Seuche werden zu lassen, gilt: Hygiene, Hygiene, Hygiene. Das rät der Leiter des Veterinäramts im Kreis Nordfriesland, Dr. Dieter Schulze. Er ist insofern ratlos, als dass nicht klar sei, wie das Virus erst in den einen, dann in einen anderen Stall fand und ob beides zusammenhängt oder nicht. Er lobt jedoch: „Das Krisenmanagement ist vorbildlich. Der Reit- und Fahrverein Mildstedt hat sofort angemessen reagiert, die Tierärzte sind vernetzt.“

Übertragen werden Herpesviren – ähnlich der Grippe – als Tröpfcheninfektion. Die Weitergabe erfolgt meist direkt durch Schnauben, Husten und anderen Speichelkontakt, sowie seltener indirekt, wenn sich ein aktiver Virusträger beispielsweise an einer Jacke schubbert und ein anderes Pferd anschließend an derselben Jacke. Impfungen – die nur im gesunden Zustand erfolgen dürfen – mildern laut Veterinäramtsleiter Schulze den Verlauf, schützen aber nicht generell vor der Erkrankung. Entscheidend für den „Schutzfaktor“ sei die Einhaltung des Impfintervalls von sechs Monaten. Läge die Impfung länger zurück, sei das „wie nicht geimpft“. Misslich: Akut ist in Deutschland kein Herpes-Impfstoff mehr erhältlich. „Es gibt aber die Möglichkeit, ihn aus Tschechien zu beziehen“, so Schulze. Tierärzte müssen sich für den Import eine Genehmigung des Landwirtschaftsministeriums einholen.

Infektion zuletzt in Niedersachsen

Generell ist Herpes nichts Außergewöhnliches, selbst in dieser Dramatik kommt die Infektion sporadisch vor, zuletzt in Niedersachsen. Dann verschwindet sie wieder. Rund 75 Prozent aller Pferde tragen das Virus latent ein Leben lang in sich. Es „schlummert“ in Nerven- oder Lymphgewebe, wird vom eigenen Immunsystem nicht erkannt. Stress und Immunschwäche bedingen Aufflammen und Ausscheiden des Virus über die Schleimhäute. Insgesamt gibt es vier bekannte Herpes-Typen, insbesondere „EHV-1“ und „EHV-4“ können für Pferde gefährlich werden:

EHV kann Abort bei tragenden Stuten auslösen, Atemwegs- und Erkrankungen des Nervensystems hervorrufen. Im günstigsten Fall leidet das Pferd nach einer Inkubationszeit von 24 bis 48 Stunden nur an Nasenausfluss mit leichtem Fieberanstieg. In schwereren Fällen folgen hohes Fieber und Mattigkeit bis hin zu Bewegungsstörungen. Beim ,,Virusabort“ dauert die Inkubation 14 bis 21 Tage und führt bei Stuten im letzten Trächtigkeitsdrittel zum Verlust des Fötus. Bei der schweren neurologischen Form, wie in Mildstedt, kommt es zur Lähmung von Blase, Darm, Schweif, bis hin zur Ataxie oder zum Festliegen.

"Ämter können nur begleiten"

Das Veterinäramt empfiehlt den Tierhaltern, untersuchen zu lassen, ob sich das Virus verändert hat, was die Schwere des Verlaufs erklären könnte. Dr. Schulze: „Die Ämter können nur begleiten, Tierärzte die Symptome kurieren.“ Die Verantwortung liegt bei den Pferdebesitzern. Denn Herpes ist keine meldepflichtige Seuche. Ställe, in denen die Infektion auftritt, müssen dieses nicht öffentlich machen. Allerdings kann ein Schweigen, das zur Verbreitung führt, haftungsrelevant werden.

Abgesehen von großer Hygiene und der Isolation erkrankter Tiere sei ein „sachlicher Umgang“ mit der Situation wichtig. „In den sozialen Medien werden Erkrankungen teilweise durcheinander geworfen und die Verbreitung wird aufgebauscht, das ist nicht hilfreich“, warnt der Geschäftsführer des Pferdesportverbandes, Matthias Karstens.

Auf den Internetseiten des Pferdesportverbandes und des Reiterbundes Nordfriesland sind Verhaltensmaßregeln und aktuelle Entwicklungen zu verfolgen. „Einige Veranstalter, wie Süderlügum, haben ihre Turniere vorsorglich abgesagt. Wenn sich jeder an die Einhaltung der Maßnahmen hält, ist die Situation in den Griff zu bekommen“, ist der Vorsitzende des Reiterbundes Nordfriesland, Jürgen Sönnichsen, überzeugt.

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