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Gänsehaut pur beim CHIO Aachen

Im Gespräch mit Otto Becker Gänsehaut pur beim CHIO Aachen

Der Bundestrainer der deutschen Springreiter, Otto Becker, über die besonderen Momente beim CHIO Aachen, seine Vertragsverlängerung, die Zeit nach Ludger Beerbaum und seine Tochter, die beim Salut-Festival Aachen startet.

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Bundestrainer Otto Becker (Mitte) mit der siegreichen Equipe im Mercedes-Benz Nationenpreis beim CHIO Aachen 2016 (v.l.): Meredith Michaels-Beerbaum, Marcus Ehning, Christian Ahlmann und Ludger Beerbaum.

Quelle: CHIO Aachen

Aachen.  

Frage: Im achten Anlauf der Sieg im Mercedes-Benz Nationenpreis, Ihrem Heimspiel hier in Aachen. Waren Sie sehr erleichtert, dass es für Sie und Ihre Equipe endlich geklappt hat?

Otto Becker: Die ganze Atmosphäre beim CHIO Aachen mit diesen Zuschauern in diesem Stadion, das ist Gänsehaut pur. Beim Nationenpreis vor 40.000 Zuschauern unter Flutlicht im ausverkauften Stadion einzureiten, das ist für uns mit nichts zu vergleichen. Und dass es uns nun gelungen ist, hier zu gewinnen, das ist natürlich etwas ganz besonderes. Das ist ein Moment, den Du nie vergisst.

 

Frage: Aachen, haben Sie mal gesagt, sei für Sie wie nach Hause kommen…

Becker: Ja klar, das ist so und hat viele Gründe. Zunächst einmal ist da das fantastische Gelände, alles hier hat wirklich Stil. Alles ist vom Feinsten und perfekt hergerichtet. Und nach Hause kommen bedeutet ja auch: Man kennt viele Leute. Und das ist hier so, ich glaube manche Ordner stehen seit Jahrzehnten an derselben Stelle, das gibt es bei keinem anderen Turnier. Dazu noch dieses einmalige Publikum, hier passt es einfach zusammen.

 

Frage: Sie haben nicht nur in Aachen triumphiert, es folgte die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen und der Sieg im Nationenpreisfinale von Barcelona. Waren diese Erfolge auch ein Grund für Ihre Vertragsverlängerung um vier Jahre?

Becker: Es hing sicherlich nicht von einem oder zwei Ergebnissen ab, ob ich weitermache oder nicht, das ist klar. Aber natürlich ist es in einer erfolgreichen Phase erst einmal leichter „ja“ zu sagen. Ausschlaggebend war aber zunächst die Unterstützung meiner Familie. Und dann ist für mich die Einbindung der Jugend elementar. Auch da spüre ich überall volle Unterstützung. Ob das vom Verband ist, wo hervorragend gearbeitet wird, oder ob es die Veranstalter sind, wie jetzt hier der Aachen-Laurensberger Rennverein, der mit dem Salut-Festival, dem U25-Springen beim CHIO Aachen oder der Ausrichtung der Deutschen Jugendmeisterschaften im kommenden Jahr dem Nachwuchs ein tolles Umfeld bietet. Und letztlich darf man auch nicht vergessen, dass es ein Privileg ist, sein Hobby zum Beruf machen zu können.

 

Frage: Wie haben Sie Ihre bisherige Amtszeit erlebt?

Becker: Wir haben – auch weil wir die Unterstützung vom Verband und Springausschuss haben – wieder Ruhe reinbringen können. Sie dürfen nicht vergessen, dass wir nach den Olympischen Spielen 2008 ja in turbulenten Zeiten begonnen haben. Wir haben das, glaube ich, seitdem alle zusammen ganz gut gemacht. Ein Riesendankeschön auch an meine beiden Mitstreiter Heinrich Hermann Engemann und Jan-Hein Swagemakers. Es macht richtig Spaß, mit den beiden zusammenzuarbeiten.

 

Frage: Was haben Sie sich für die kommenden Monate und Jahre vorgenommen?

Becker: Auf jeden Fall werden wir die Jugendarbeit fortführen und intensivieren. Dass wir gerne an dieses außergewöhnlich erfolgreiche Jahr 2016 anknüpfen möchten, ist ja klar.

 

Frage: Wie sieht Ihre Arbeit mit den Sportlern aus, welche Möglichkeiten der Einflußnahme haben Sie?

Becker: Unsere Reiter sind extrem viel unterwegs, das ist ein großer Unterscheid auch zu den anderen Disziplinen. Dadurch findet für uns sehr viel Arbeit während der Turniere statt. Auch die Reiter untereinander helfen sich übrigens viel, der Teamgeist ist extrem gut. Wenn jenseits der Turniere Trainingseinheiten möglich sind, machen wir das natürlich, gegebenenfalls organisieren wir auch mal ein kleines Trainingslager. Aber in aller Regel fehlt dazu die Zeit, so dass es in erster Linie auch um Trainingspläne und Abstimmung über den Einsatz der Pferde geht.

 

Frage: Zukünftig wird es bei Championaten nur noch drei statt vier Reiter geben, das Streichergebnis fällt weg. Sie haben bereits vor der Entscheidung des Weltverbands deutlich gemacht, dass Sie von dieser Idee nicht so viel halten.

Becker: Weil ich immer auf den Sport schaue. Und mit vier Reitern bleibt es spannend bis zum Schluss. Es ist auch Tradition und ich finde es schön, den Charakter des Sports zu erhalten. Das Argument für die Änderung ist ja „mehr Flaggen“, also mehr teilnehmende Nationen. Gleichzeitig soll es auch mehr Qualität geben, das kann ja nicht funktionieren. Die Entscheidung für drei statt vier Reiter ist eine politische Entscheidung, keine sportliche.

 

Frage: Ludger Beerbaum hat angekündigt, nicht mehr für die deutsche Equipe starten zu wollen. Was bedeutet das Fehlen des „Leitwolfs“ für Sie?

Becker: Da geht eine Ära zu Ende, die ihresgleichen sucht. Ludger hat unseren Sport über Jahrzehnte geprägt. Seine Entscheidung jetzt kann ich gut verstehen, das war ein grandioser Abschluss. Wir haben große Erwartungen in ihn gesetzt, und er ist diesen voll gerecht geworden und hat in den ganz entscheidenden Momenten die Nerven behalten. Für uns ist es natürlich ein Verlust, aber gleichzeitig ja auch eine Chance für andere Reiter.

 

Frage: Mit welchen Erwartungen reisen Sie – dann ohne Ludger – im Sommer nach Aachen?

Becker: Natürlich wollen wir den Titel verteidigen, das ist doch klar. Wir haben in den letzten acht Jahren aber auch gesehen, wie schwer es ist, den Mercedes-Benz Nationenpreis in Aachen zu gewinnen. Schon bei meinem Amtsantritt vor acht Jahren habe ich gesagt: Wir wollen Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Das hat immer noch Gültigkeit, es geht um guten und fairen Sport.

 

Frage: Sie haben beim Salut-Festival Aachen an diesem Wochenende den deutschen Springreit-Nachwuchs intensiv verfolgt. Wie ist es denn um die CHIO Aachen-Starter von morgen bestellt?

Becker: Wir haben schon ausgezeichnete Nachwuchsreiter, keine Frage. Den jungen Leuten muss aber klar sein, dass gutes Reiten alleine nicht ausreicht. Es gehört mehr dazu, will man sich dauerhaft etablieren. Man muss sein Pferd gut kennen, muss sich mit Fütterung auseinandersetzen, es geht um die Fitness von Pferd und Reiter und viele weitere Themen, deren sich die jungen Leute bewusst sein müssen. Aber da gibt es einige wirklich richtig Gute, und es macht einen Riesenspaß, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Aber es ist auch schwer, denn die Etablierten hinterlassen riesige Fußstapfen.

 

Frage: Wann sind Sie denn nervöser? Beim Mercedes-Benz Nationenpreis beim CHIO Aachen, wenn Ihre Equipe vor 40.000 Zuschauern unter Flutlicht antritt, oder wenn gleich Ihre Tochter beim NetAachen-Preis beim Salut-Festival auf ihrem Pony startet?

Becker: Ganz ehrlich, beim Ponyspringen. Man sieht es mir vielleicht nicht an, aber dann bin ich sehr angespannt. Aber sie hat es super gemacht, es ist sicherlich nicht immer einfach für sie, weil automatisch immer ein bisschen mehr Aufmerksamkeit auf ihr liegt. Letztlich geht es aber bei allen Prüfungen um dasselbe: Wichtig ist, dass nichts passiert.

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