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Barfuß durch den Winter?

Pferdebeschlag Barfuß durch den Winter?

Eine pauschale Antwort, ob sich der Pferdehuf im Winter von den (Beschlags-)Strapazen des Sommers erholen kann, gibt es genauso wenig wie eine grundlegende Antwort auf die Frage ,Beschlag, ja oder nein?’.

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Hufschmied Nikolai Wandruszka in Aktion. Der 58-Jährige bearbeitet seit 30 Jahren Pferdehufe.

Quelle: hfr

Kiel. ,Barhuf’ ist mehr als Ansichtssache oder Trend, nämlich bei manchen Pferden nicht oder nur eingeschränkt, jahreszeitlich, hormonell, sportlich, umgebungs- oder sonst wie bedingt möglich oder unmöglich.

Das Pferd ist ein hochspezialisiertes Lauftier, ein Zehenspitzengänger: die Pferdezehe endet im hochkomplexen Huf. Der besteht, vereinfacht gesagt, unter anderem aus einer Hornkapsel, mit dem darin liegenden Hufbein, dem Strahlbein darunter, der tiefen Beugesehne, dem Kronbein, der Strecksehne und natürlich aus den Huflederhäuten, aus denen das Horn letztendlich wächst – beim Fohlen schneller als beim ausgewachsenen Pferd, im Sommer schneller als im Winter und im Schnitt zwischen acht und zehn Millimetern im Monat.

Auf diesen sensiblen organischen Mechanismus wirken beim Pferd in der Bewegung zwei bis vier Tonnen Lebendgewicht ein. Woraus sich der Spruch speist, ,ohne Huf kein Pferd’. Anschaulich wird die Komplexität der Entscheidung ,mit oder ohne Beschlag’ angesichts der unterschiedlichen Veranlagung der Pferde, ihrer Verwendung, Fütterung, Futterverwertung und Beanspruchung: Während der eine Vierbeiner tagtäglich auf Stein und steinharten Flächen wandert, karges Futter frisst und kaltem Wetter standhält, springt der andere, energetisch und mineralisch hochgepäppelt, wöchentlich auf technisch präparierten Sandböden dieser Welt. Der Sportler galoppiert kräftezehrend auf rutschigen Rennbahnen, eine Stute tollt mit Fohlen oder Artgenossinnen über (inzwischen karge) Koppeln, und das Pony trägt gelegentlich, selbst übergewichtig vom viel zu reichhaltigen Futter, ab und an seinen Reiter gemächlich durch eine Reitbahn.

Ob der eine besser barfuß dran ist und der andere mit Rundum-Spezialbeschlag – und ob dieser auch im Winter besser dran bleiben sollte – hängt entsprechend vom Individuum ab. Und von der Kompetenz des Hufbearbeiters, denn dass ein falscher oder kein Beschlag beim falschen Pferd mehr schadet als nutzt, liegt im wahrsten Sinne des Wortes in der Natur der Sache. „Eine allgemeingültige Methode für alle gibt es nicht“, betont Hufschmied Nikolai Wandruszka. Der Fargauer ist seit 30 Jahren im Geschäft, praktisch und theoretisch, hält Vorträge, klärt auf. Der 58-Jährige gibt zu: „Frag fünf Kollegen, du bekommst wahrscheinlich fünf Antworten.“

Wer ihm zuhört, erfährt, dass die Hufbeschlag-Methoden, wie die Fesselstands- und die Zehenachsen-Theorie als Gebäudetheorien, vor allem aus der Zeit der Kavallerie stammen, während die „Sohlentheorien“ – in denen man nicht vom Gebäude (also vom Körperbau des Pferdes), sondern vom Huf Rückschlüsse auf dessen Behandlung macht – aktueller sind. Moderne Weiterentwicklungen sind Huforthopädie und Hufheilpraktik, denn Hufexperten von heute sind längst nicht mehr ausschließlich Beschlagschmiede mit Vollzeitausbildung und staatlicher Prüfung, sondern auch Hufpfleger.

Mit anderen Worten: Es gibt unzählige Hufbearbeitungsmethoden, die sich ernsthaft ab 1860 entwickelt haben, und unzählige Gründe dafür. Wandruszka: „Der Pferdehalter muss mit genügend Wissen selbst entscheiden, was für sein Pferd am besten ist.“ Nur er erlebt, wie stark sich der Huf ohne Eisen abreibt, denn die harten Sandböden der kalten Jahreszeit wirken wie Schmirgelpapier. Bei zu kurzen Hufen geht das Pferd womöglich barhuf ,fühlig’. Andererseits kann ein ungünstiger Beschlag die Bewegungsmechanik negativ beeinflussen. Auch sind glatte Eisen bei Eis und Schnee rutschig, der Schnee stollt darunter auf, während Hufhorn der perfekte Isolator ist und bare Hufe Schnee und Kälte sehr gut vertragen. Klar ist: Das Pferd muss sich an barhuf, an Beschlag oder an Hufschuhe erst gewöhnen. „Das eine wie das andere kann, wenn es nicht zum Pferd passt, einen Rattenschwanz an Problemen geben“, sagt Wandruszka, der nur von einem grundsätzlich abrät: dem ständigen Wechsel der Bearbeitungs- und Beschlagsmethoden. Die Antwort auf die Frage, was für welches Pferd das Richtige ist, lautet also: überlegt ausprobieren und genau beobachten.

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Ein Artikel von
Jessica Bunjes

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