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Schaut dem Gaul besser doch ins Maul!

Pferdekauf Schaut dem Gaul besser doch ins Maul!

Pferdekauf: ein Thema, das Fachbücher füllt. Und Kolumnen mit Kuriositäten. Es beschäftigt sehnsüchtige Kinder mindestens so sehr wie ihre Eltern und manchmal auch deren Anwälte. Pferdehändler, Züchter, Tierärzte und jeder, der jemals ein Pferd gekauft oder verkauft hat, weiß: Einem gekauften Gaul schaut besser gleich der Profi ins Maul.

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Gut lachen hat, wer den richtigen vier- beziehungsweise zweibeinigen Partner an seiner Seite hat – wie Heike Kunde aus Rathjensdorf und Stute Hermine.

Quelle: Andreas Thomsen

Lübeck. Eine sichere Methode, aus einem großen Vermögen ein kleines zu machen, ist der Kauf eines Pferdes. Für den Pferdefachanwalt Dr. Sascha Brückner aus Lübeck ist die Materie tägliches Brot – und zwar ein gutes. Er kennt jede Menge Fälle, die sich keiner wünscht, von denen aber fast jeder schon in der einen oder anderen Variante gehört hat. Wie das Verlasspferd für den Späteinsteiger, das sich als Durchgänger entpuppt, oder der „hundert Prozent gesunde Weidekumpel“, der bei näherem Hinsehen Schwerst-Ekzemer ist, das „Dressurwunder“, das auf drei Beinen läuft, oder der „erfahrene Springreiter“, der selbst mit einem S-Pferd kein Cavaletti überwinden kann.

 „Rittigkeits- und charakterliche Mängel eines Pferdes sind nach Gesundheitsproblemen der zweithäufigste Grund für Klagen von Pferdekäufern“, warnt Brückner. Denn „superbrav und von jedermann zu reiten“ ist nach Rechtslage Auslegungssache. „Wer Ärger vermeiden will, muss klare vertragliche Vereinbarungen über die Eigenschaften eines Pferdes festhalten“, rät der Anwalt.

 Der Käufer ist in der Beweispflicht. Das Reitproblem des Pferdes muss beispielsweise, vereinfacht gesagt, grundsätzlicher Natur, schon vor dem Kauf vorhanden und während der Probereitphase nicht erkennbar gewesen sein. Brückners Rat an den Käufer: „Im Zweifel sollte er auf einen schriftlichen Vertrag verzichten, das hat den Vorteil, dass keine Haftungsausschlüsse vereinbart werden, und der Verkäufer haftet nach der vollen Strenge des Gesetzes.“

 Der Verkäufer hingegen sollte sich vor unberechtigten Forderungen des Käufers schützen. Der Anwalt rät hier zum Vertrag: „Sofern der Verkäufer schriftlich auf negative Eigenschaften des Pferdes in puncto Rittigkeit und Händelbarkeit hinweist, kann der Käufer keinerlei Sachmängelrechte geltend machen.“

 Pferdehändler Peter Schultes vom Gut Winning in Schaalby bei Schleswig verkauft seit Jahrzehnten Pferde und ist der einzige freie Pferde-Auktionator im Land. „Besonders gefragt sind artige, gut gerittene Kinderponys, Voltigier- und Schulpferde“, sagt er. Er rät grundsätzlich zur Ankaufsuntersuchung – je nach Wert des Pferdes zur kleinen klinischen oder zur großen inklusive Röntgenbildern: „Dann wissen beide Seiten, dass das Tier gesund ist – und der Verkäufer tritt die Verantwortung an den Tierarzt ab.“

 Sein Rezept für zufriedene Kunden: „Ehrlichkeit. Als Verkäufer muss man einem Käufer auch mal abraten.“ Eine realistische Einschätzung des Käufers bezüglich seines Könnens und Bedarfs sei Voraussetzung. „Anfänger oder Kinder wachsen nicht mit jungen, wilden Pferden zusammen.“ Und wer keine Piaffe reiten kann, reitet die Lektion aus dem piaffierenden Pferd schnell wieder raus.

 Überwiegend Reitpferde für den Hobbybereich, meist 20 Stück zwischen 3000 und 8000 Euro, versteigert Schultes auf Gut Winning auf drei, vier Auktionen im Jahr, das nächste Mal im September. 150 bis 200 Pferde verkauft er pro Jahr außerdem auf Kommission. „Einige Käufer kommen zehnmal, das bringt nichts. Das ist wie in der Liebe. Das muss passen. An einen, den du nicht magst, gewöhnst du dich auch nicht.“ Gehandelt wird bei ihm kaum. „Über 100 Euro kann man reden, aber nicht über 1000, das ist unseriös, dann stimmt was mit dem Startpreis nicht.“ Der ist ohnehin nur ein Vorgeschmack. Ein 3000-Euro-Pferd frisst seinen Kaufpreis locker binnen eines Jahres auf.

 Die Kosten für einen Rechtsstreit, die schnell den Pferdewert übersteigen, können sich Käufer und privater Verkäufer immerhin sparen: Erstens übernimmt die jede gewöhnliche Rechtsschutzversicherung. Die kostet etwa 100 Euro im Jahr – vergleichweise ein Schnäppchen. Zweitens wird eine Auseinandersetzung gar nicht nötig, wenn die Kaufentscheidung die richtige war.

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