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Kein Anlass zur Panik

Pferdeseuchen Kein Anlass zur Panik

Für Unruhe haben in den vergangenen zwei Jahren drei Pferdeseuchen gesorgt. Deshalb waren Herpes, Druse und Rotz Thema der jüngsten Tierschutztagung.

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Gesunde Pferde – auch dank ausreichendem Impfschutz. Vorsorge gegen Tetanus und Influenza ist unverzichtbar, gegen Herpes empfohlen.

Quelle: Silke Müller-Uloth

Bad Segeberg. Tierarzt Dr. Henning Achilles (Bad Segeberg), frisch gewählter zweiter Sprecher der Persönlichen Mitglieder der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (PMs), brachte es auf den Punkt: Vergleichsweise wenige Pferde kamen zu Schaden, gar zu Tode. Jedoch gibt es für Druse und Herpes keine verlässliche Erfassung.

 Tierschutz ist in der Pferdeszene immer ein Thema, und verantwortungsvolle Seuchen-Bekämpfung ist gelebter Tierschutz. Die Sorge, als 2015 und 2016 zunächst der Verdacht auf Rotz (nach Euthanasierung eines Sportpferdes für unbegründet erklärt), dann Druse und schließlich Herpes im Wechsel die Ställe im Land plagten, war groß. Manche User in sozialen Medien gerieten in und verbreiteten Panik. „Dafür gab und gibt es keinen Grund“, betont Tierarzt Achilles.

 Eine Seuche ist per Definition, vereinfacht ausgedrückt, eine hochansteckende (virulente) Infektionskrankheit. In Bezug auf Pferde wird die Unterteilung in anzeigepflichtig (Tierseuchen mit Zoonose, also auf den Menschen übertragbar, und mit erheblichem wirtschaftlichen Schaden verbunden), meldepflichtig (reine Tierseuchen) und seuchenartig (regional begrenzt) vorgenommen. „Die Anzeigepflicht, die schon beim Verdacht gilt, soll eine Weiterverbreitung verhindern“, erklärt Dr. Achilles. Das wird nach Probe und bestätigter Gegenprobe mit der Tötung der Tiere erreicht. „Eine Behandlung wäre in Einzelfällen möglicherweise sogar erfolgreich, ist jedoch verboten, weil das Risiko einer Infektion für andere Pferde und auch Menschen zu groß wäre.“

 Zu diesen anzeigepflichtigen Seuchen mit Euthanasie-Folge zählen Rotz (ähnlich Tuberkulose), infektiöse Anämie (mit Fieber behaftete Blutarmut, die 2009 in Rumänien bei über 11000 Pferden attestiert wurde) und Tollwut (seit zehn Jahren in Schleswig-Holstein nicht mehr vorgekommen). Wie Achilles erklärte, wurden zwischen 1914 und 1918 in Deutschland 31000 an Rotz erkrankte Pferde getötet, 117000 in Russland. 2015 gab es in Schleswig-Holstein einen Verdacht mit Tötung: „Das bedeutet, dass heutzutage manches als Seuche erscheint und in sozialen Medien enorm gepusht wird, aber wenn man guckt, wie viele Todesfälle es gibt, ist der Schaden gemessen am Gesamtbestand von rund 100000 Pferden im Land marginal.“

 Druse und Herpes, die 2016 Sorgen bereiteten, sind nicht meldepflichtig. Auch Influenza – gegen die jedes Pferd geimpft sein sollte und jedes Turnierpferd sein muss – unterliegt keiner Meldepflicht. Grund: Diese Krankheiten sind nicht auf Menschen übertragbar. „Ein Register wäre dennoch wünschenswert. Denn auch wir Tierärzte können nicht sagen, wie viele Pferde betroffen sind.“ Mancher Stall mit erkrankten Pferden versuche eine Bekanntmachung zu vermeiden, aus Sorge, stigmatisiert zu werden. Wie viele Pferde 2016 erkrankt, gar verendet seien? „Keine Ahnung“, sagt der Tierarzt mit Verweis auf die fehlenden Informationen. Er empfiehlt Herpes- und Influenza- sowie Tetanus-Impfungen für jedes Pferd. „Nur Tollwut muss hierzulande nicht sein.“

 Woran ist Druse zu erkennen? „Die hochinfektiöse Krankheit trifft vor allem junge Pferde bis fünf Jahre, zeigt sich mit hohem Fieber, Husten, eiternden Lymphknoten.“ Eine Impfung habe sich nicht bewährt, eine Behandlung erfolge über Penicillin. 2016 seien nach Schätzung von Dr. Achilles im Land rund ein Dutzend Ställe betroffen gewesen. Herpes zeige sich mit einer kurzen Fieberphase, teilweise Husten, Nasenauswurf. Virusabort ist bei trächtigen Stuten möglich. Eine Impfung mildere die Intensität, schütze jedoch nicht vor einem Ausbruch. Rotz führe zu eitrigen Entzündungen in der Lunge (Lungenrotz) oder auf der Haut (Hautform). Auch beim Menschen sei die Todesrate hoch.

 „Die Tierhalter sind gefordert, im Fall des Falles verantwortlich mit der Situation umzugehen. Schon im Verdachtsfall hilft nur Quarantäne. Der gesamte Bestand sollte getestet werden und es heißt: kein Raus und kein Rein! Dann fährt man in diesen Wochen eben mal nicht zum Turnier und zum Lehrgang und nimmt auch keine neuen Einsteller an. Alles andere ist unverantwortlich.“

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