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Pferde gehören hier zur Familie

Ponyland in Norddeich Pferde gehören hier zur Familie

30 Jahre, 90 Ponys, 30000 Kinder: Im „Ponyland“ in Norddeich, auf dem alten Resthof des Schriftstellers und „Gruppe 47“-Gründers Hans Werner Richter, hat Familie Wieczorek ein kleines Kinder-Ferienparadies aufgebaut, wo das Ponyland-Versprechen gilt: „Bei uns sind Tiere Familie.“

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Strandritte im Watt sind im ,,Ponyland Norddeich“ ein Höhepunkt für Ferienkinder.

Quelle: Gert Wagner

Norddeich. Der seit 1991 als „Bioland“ anerkannte Betrieb feiert am 4. Juni seinen 30. Geburtstag. Auf dem Ponyland gibt es kein „Chichi“, keinen Zimmerservice, weder ungesundes Essen noch ungesunde Reiniger. Hier wird das Heu selbst angebaut, die Milch kommt von eigenen Kühen, und Stallmisten hat im Ponyland auch noch keinem geschadet. „Wer ein Pferd reiten will, muss wissen, was dazugehört“, ist das Motto der Hausherrin Gudrun Wieczorek. Bei ihr gibt es auch nicht „irgendwelche“ Ponys, sondern selektierte Kinderponys, viele selbst gezogen, alle selbst ausgebildet.

 Vor allem Welsh Ponys leben im Ponyland, insbesondere Welsh A, das sind die ganz kleinen, aber auch Welsh C, das sind die großen. „In die Rasse haben wir uns vor 16 Jahren verliebt, weil sie charakterlich großartige Kinderponys hervorbringt, schick und mit schönen Gängen“, erzählt die Diplom-Agraringenieurin, Pferdewirtschaftsmeisterin und Trainerin B, die einst als Sechsjährige „auf dem Arbeitspferd vom Onkel Max“ das Reiten lernte, wie sie verrät.

 2001 haben sie und ihr Mann, Diplom-Betriebswirt Hans-Jürgen Wieczorek, ihr erstes Welsh A-Gespann gekauft, Mona Lisa und Fernando. „Die sind heute noch bei uns“, sagt die Züchterin, die gern Kutsche fährt, Islandhunde liebt und den kompletten Welsh-Bestand von Familie Leve aus Welmbüttel übernommen hat, als die ihre Zucht aufgaben. Mittlerweile stammen zwei selbst gezogene gekörte Hengste, eine Siegerin der Leistungsprüfung Fahren und eine Elitestutenschau-Beste aus eigener Anpaarung. Größter Zuchterfolg: Die Welsh Cob Stute Ponylands Springflower wurde Jugendchampion auf der Bundesschau der IG Welsh. „Das ist nicht zu toppen“, findet Gudrun Wieczorek, deren Tochter Pia (29) in Reitbetrieb und Zucht mit eingestiegen ist.

 Zur Hofübernahme im Jahr 1986 lebten bereits 17 Ponys auf dem heutigen Ponyland, „von denen ließen sich sechs partout nicht einfangen – als Kinderponys völlig ungeeignet“, erinnert sich Gudrun Wieczorek, die jedem Hofkind für die Zeit seines Aufenthaltes ein eigenes, geländesicheres, artiges und von der Größe her passendes Pony an die Hand gibt. Sie ist überzeugt: „Vertrauen und der richtige Umgang sind das Wichtigste.“

Traum vom Ponyhof

 Wie die gebürtige Süddeutsche, die mit 17 ihr erstes eigenes Pferd „heimlich“ kaufte, in den Norden fand, erklärt sie so: „1985 stand in einem Freizeit-Reitermagazin eine Anzeige, dass ein Ponyhof an der Nordsee zu verkaufen sei. Damals war ich junge Mutter, habe studiert, schrieb meine Diplomarbeit, und mein späterer Mann Wico träumte vom Leben auf dem eigenen Ponyhof: Er legt seine Segeljacht in Kiel ins Wasser und samstags geht er in Hamburg zum Fußball …“ Den Ponyhof hat er für seine Familie gekauft, das Schiff dafür später verkauft, und zum Fußball in Hamburg ist er nicht einmal gewesen. „Dafür haben wir uns das eigene kleine Paradies geschaffen“, sagt Hans-Jürgen Wieczorek.

 Mit vier Haflingern, Bearded Collie Dascha, Hühnern, Enten und dem gesamten Hausrat kamen die Wieczoreks an die Nordsee, wo sie ins kalte Wasser sprangen – kaputte Heizungsanlage im strengen Winter, verforene Leitungen im Stall, löchriges Dach. Nach drei Jahren stand die Familie, zu der noch die Söhne (32) und Götz (25) gehören, vor der Frage: verkaufen oder ausbauen? Gudrun Wieczorek: „Mit einer winzigen Reithalle, maroden Ställen und den kleinen Schlafplätzen für kaum 30 Kinder konnten wir jedenfalls nicht überleben.“

 Sie entschieden sich für die Komplett-Lösung mit einer Menge Eigenarbeit: Abriss der alten Halle und der „Lohdiele“, Reithallenneubau 1991 (20 mal 40 Meter), 1992 Integration eines Neubaus ins Bauernhaus mit Platz für 60 Gäste, Bau eines Außenreitplatzes und eines Offenstalls mit eigens konzipierter automatischer Fütterungsanlage. „Wir haben fast jedes Brett im Offenstall selbst angenagelt.“ Ein selbst konstruierter Aufbau für einen Lkw ermöglicht Fahrten mit Kindern und Ponys an den Strand von St. Peter-Ording. Seit 1996 ist das Ponyland staatlich anerkannter Ferienbetrieb, wurde 2002 von der nordelbischen Kirche ausgezeichnet und 2008 von der Landwirtschaftskammer SH sowie von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung für Zucht, Haltung und Ferienbetrieb geprüft, wurde Partner des Nationalparks Wattenmeer. Rückblick nach 30 Jahren? Gudrun Wieczorek: „Es war viel Arbeit, aber ein großes Abenteuer. Wir würden kein anderes Leben leben wollen.“

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