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Proteststurm gegen Pferdesteuer

Groß Rönnau Proteststurm gegen Pferdesteuer

Der Vorschlag von Bürgermeisterin Gesche Gilenski, in Groß Rönnau als erste Gemeinde in Schleswig-Holstein eine Pferdesteuer einzuführen, stößt im Land auf massive Kritik – nicht nur von Reitern.

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Auch der Pferdehof Tiedemann in Groß Rönnau und seine Reiter wären von der Pferdesteuer betroffen: Pia Affeldt (14, v.li.), Anja Tiedemann (43), Leonie Dubielzig (12), Maxi-Sophie Tiedemann (11) und Bea Sita Bruhn (21) hoffen, dass die Gemeinde die Abgabe nicht einführt.

Quelle: Frank Peter

Kiel/Gross Rönnau. Rainer Kersten vom Bund der Steuerzahler Schleswig-Holstein sagt: „Wir lehnen eine Pferdesteuer ab.“ Aus seiner Sicht ist es für eine Gemeinde nicht schlau, die Steuer einzuführen: „Es gibt ja eine ganz einfache Art, sich zu entziehen, indem ich mit meinem Pferd einfach in den Reitstall im Nebenort umziehe, wo es keine Steuer gibt.“ So schade die Gemeinde nur den eigenen Reitställen, die wirtschaftliche Probleme bekämen. „Das kann für manchen Betrieb der Todesstoß sein. Das kann nicht im Interesse einer Gemeinde sein.“ Zudem würde nach einem Abwandern der Reiter auch nicht mehr viel Steuergeld eingenommen. „Es lohnt sich also nicht“, sagt Kersten.

 Volker Göttsche, Vorsitzender des Reiterbundes Segeberg-Neumünster, findet eine Pferdesteuer „nicht gerechtfertigt“ – schon gar nicht, wenn das Hauptargument der Gemeinde dafür Pferdeäpfel im Ort seien. „Dafür lässt sich sicher eine andere Lösung finden.“ Sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus Vereinssicht sei eine Pferdesteuer gefährlich, weil Reitsportler der Gemeinde dann womöglich den Rücken kehrten. „Die Pensionsbetriebe verlieren dann eingestellte Pferde und haben erhebliche Nachteile“, sagt Göttsche. „Gerade der Reiterhof Tiedemann in Groß Rönnau macht sich sehr um die Jugendarbeit verdient. Die Politik täte gut daran, so etwas zu unterstützen, statt es zu besteuern.“

 Die Pferdesteuer ist eine kommunale Aufwandsteuer. Das bedeutet, dass aus dem finanziellen Aufwand, den die Pferdehaltung mit sich bringt, auf eine besondere finanzielle Leistungsfähigkeit der Besitzer geschlossen wird, die eine zusätzliche steuerliche Belastung dieser Personen rechtfertigt. Deswegen wird sie auch häufig als „Luxussteuer“ bezeichnet.

 Die Einschätzung, dass Pferdeleute automatisch viel Geld hätten, kritisiert Burkhard Rogge, der Vorsitzende des Reiterbundes Kiel: „Natürlich kostet ein Pferd viel Geld. Das knapsen sich viele Besitzer mit Müh und Not von ihrem monatlichen Salär ab. Wenn jetzt noch eine Steuer obendrauf kommt, können sich das viele nicht mehr leisten.“ Rogge hält die Idee, im Pferdeland Schleswig-Holstein so eine Steuer einzuführen, für eine Katastrophe. „Sollten sich andere Gemeinden daran orientieren, dann wird der Pferdebestand im Land erheblich schwinden“, sagt er. Das treffe dann auch die Züchter, die Tierärzte, die Hufschmiede und den Reitsporthandel.

 Im Netz debattieren Leser der Kieler Nachrichten heftig über die Sondersteuer für Pferdebesitzer – vor allem im Vergleich zur Hundesteuer. „Wenn man für einen Pinscher bezahlen muss, dann für ein Pferd erst recht“, schreibt Gerd Krey bei Facebook. „Hunde werden schon ewig besteuert und für die wird gar nichts getan“, findet auch Facebook-Nutzer Edgar Drohm. Er schlägt zudem eine Katzensteuer vor. Andere fordern dagegen, die Tierbesitzer müssten sich zusammentun und sich für eine Abschaffung der Hundesteuer einsetzen.

 „Würde die Pferdesteuer auch für die Reiter und Pferde aufgewendet (Reitwegenetz etc.), wäre es vielleicht akzeptabel. Aber nicht, wenn man als Reiter nichts davon hat“, schreibt Christina Schröder. Wie sie argumentieren einige Leser, die Gemeinden würden mit den Mehreinnahmen ohnehin nicht dafür sorgen, dass die Pferdeäpfel von den Wegen verschwinden.

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Kontra-Kommentar

Um die Gemeindefinanzen ist es schlecht bestellt, und guter Rat ist wieder teuer. Möglicherweise demnächst für Pferdebesitzer, denen, zur Aufbesserung leerer Kassen, die Pferdesteuer droht. Hundebesitzer können davon ein trauriges Lied singen, wenngleich auch nicht so laut, da eine Lenkungssteuer zur Hundehaltung zumindest in Städten halbwegs nachvollziehbar scheint.

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