27 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Das Zupacken liegt ihm im Blut

Raimon Joesten Das Zupacken liegt ihm im Blut

Raimon Joesten stammt aus Heide und hat der Kreisstadt nie den Rücken gekehrt. Dort, im Flecken Dithmarschen, wo manches erfolgreiche Holsteiner Pferd geboren wurde, fühlt sich der 54-Jährige so sehr zu Hause, dass es ihn nie woanders hingezogen hat.

Voriger Artikel
Meteor-Preis geht an ein starkes Doppel
Nächster Artikel
Bronze für Amazone Kendra Brinkop

Raimon Joesten aus Heide – hier mit Ponyzuchtstute Stratiatella – ist neuer Vorsitzender der Pferdestammbuchs SH/HH.

Kiel/Heide. Zukünftig jedoch wird der Besitzer eines Resthofes seine Scholle regelmäßig im Zeichen des Pferdestammbuchs SH/HH verlassen. Der Unternehmer ist der neue Vorsitzende des in Kiel ansässigen Zuchtverbandes. Nach 21 Jahren „Präsidentschaft“ hat Hans-Heinrich Stien (St. Peter-Ording) das Amt an seinen Wunschkandidaten Joesten abgegeben – einstimmig. „Ein Ehrenamt will heutzutage kaum einer übernehmen, zumal ein so zeitaufwendiges. Aber Raimon Joesten ist der perfekte Mann dafür“, ist Stien überzeugt, der wiederum überzeugend sein kann. Mit Joesten hat er einen Zupacker für den Vorsitz gewonnen, der notwendigerweise anstehende Veränderungen nicht scheut. „Ich werde nicht leisten können, was Hans-Heinrich Stien geleistet hat“, schränkt der Mann ein, der erst Maschinenschlosser, dann Gebäudereiniger gelernt hat und seit 2006 zusammen mit seiner Frau Andrea eine eigene Reinigungsfirma mit mittlerweile 95 Mitarbeitern unterhält.

 Sein Plan: „Umdenken, umverteilen, umstrukturieren. Und sich zusammen mit anderen Pferdefreunden zum Wohle der Pferde engagieren.“ Schlaflose Nächte habe ihm die Kandidatur eingebracht, große Freude das „große“ Ergebnis: „Zuerst habe ich geschluckt. Aber jetzt bin ich voller Ideen und Elan.“ Lange hat sich der „Neue“ gefragt: „Ist die Talsohle der Ponyzucht erreicht?“ Ist nun aber sicher: „Es gibt einen vermehrten Bedarf an guten Ponys, sie müssen nur qualitätsvoll gezogen und ausgebildet sein und zu reellen Preisen verkauft werden.“ Eine Lösung „für alle Fälle“ habe er akut nicht: „Wie die Zukunft der Zuchtverbände aussehen wird, möglicherweise eine Zusammenlegung mit Partnern, wird man sehen. Fakt ist: Um Einschränkungen werden wir nicht herumkommen.“

 Wie sein Vorgänger stammt auch Joesten nicht aus einer Reiterfamilie. Nachdem er als Jugendlicher bei seinen ersten Reitversuchen zweimal vom Pony fiel, kehrte er dem Reitsport vorerst den Rücken, ging zunächst in die Lehre, dann zur Bundeswehr, die er nach zwölf Jahren als ausgebildeter Fahrlehrer verließ. Zum Pferd kam Joesten vor rund 30 Jahren durch seine beiden Töchter Sina-Christin (29) und Laura (25), die sich im Ponysport einen Namen machten: Laura ist siegreich bis zur Klasse M* geritten, war Teilnehmerin der DJM und Gewinnerin des Nachwuchs-Championats 2003. Sina war Bundeskadermitglied, dreimal in Folge Pony-Landesmeisterin in der Dressur und einmal mit dem Großpferd Deutsche Meisterin.

 Dem Pferdevirus verfallen, baute Familie Joesten einen kleinen, feinen Stall mit Zucht auf. „Inzwischen dreht sich bei uns alles ums Pferd, für Urlaub bleibt keine Zeit, den nehme ich vielleicht als Rentner“, sagt ein schmunzelnder Joesten, der im Reit- und Traberclub Ditmarsia Heide bereits im vierten Jahr den Vorsitz innehat und vier Reitturniere jährlich managt. In der eigenen neunköpfigen Herde, die auf dem Resthof der Familie lebt und zu der zwei Shetlandponys und ein 27-jähriger Trakehner gehören, findet sich als Zuchtstute nur noch Stratiatella, eine Tochter von Sina-Christins Erfolgspony Brooklands Moonwalker. Sie ist seit 1998 im Besitz der Familie „und wird auch bei uns bleiben.“ Zu Stratiatellas erfolgreichem Nachwuchs zählen zwei gekörte Söhne, darunter der Körsieger 2013, McFlurry Daim, sowie zwei Staatsprämienstuten. „Firma, Familie, Pferde und Ehrenamt unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach, aber ich habe einen funktionierenden Vorstand und eine funktionierende Geschäftsstelle an der Seite, mit denen ich seit vielen Jahren in gutem Kontakt stehe. Letztlich geht es immer ums Pferd, und das ist, was Spaß macht. Und ein Ehrenamt soll schließlich Spaß machen.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Anzeige

Alle Informationen über Vereinsgeschehen, Hausturniere, Lehrgänge, Abzeichenprüfungen und all das Lesenswerte, was in den Vereinen und Betrieben tagtäglich passiert. mehrKostenpflichtiger Inhalt

Bei SmartBets findest du alle Wettquoten und Buchmacher der 1. Bundesliga.
Mehr aus Nachrichten: Reitsport 2/3