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Angst im Sattel lässt sich überwinden

Reitsport Angst im Sattel lässt sich überwinden

„Was in anderen Sportarten gang und gäbe ist, kommt im Reitsport immer noch zu kurz“, findet die gebürtige Kielerin Birgit Harenberg. Die 46-jährige Sport-Mental-Trainerin hilft Reitern, Ängste und Blockaden zu überwinden, um Partnerschaft und Harmonie mit dem Pferd (wieder) herzustellen.

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Birgit Harenberg will in ihrer Heimatstadt Kiel mit mentalem Reiter-Coaching Fuß fassen, das Angst- und Stress-Blockaden auflösen soll.

Quelle: Anke Jurrak

Kiel. Acht Jahre ist es her, da wurde der Höhenflug eines der weltbesten Reiter so spektakulär wie abrupt gebremst: Marcus Ehning (Borken) schrieb 2007 mit drei Verweigerungen seiner Stute Küchengirl auf der EM in Mannheim (unrühmliche) Springreiter-Geschichte. Der Borkener hatte mit dem Team Silber gewonnen, ohne eine Runde beenden zu können. „Damals war ich zu ehrgeizig“, gab Ehning im Februar vergangenen Jahres zu, als er sein Traum(a)-Pferd in den Ruhestand schickte. Allerdings Jahre, nachdem der Ex-Weltranglistenerste mit „Küche“ wieder auf die Beine gekommen war und sich 2009 als Führender an der Weltspitze behauptete.

Zur Verabschiedung der Stute wurde der 41-Jährige so zitiert: „Sie hat mir meine Grenzen gezeigt.“ Offiziell wird mentales Coaching nicht als Hilfe genannt, diese überwunden zu haben. Denn wie der damalige EM-Organisator und Vorsitzende des deutschen Springausschusses, Peter Hofmann, damals erklärt hatte, wurde „sportpsychologische Unterstützung von den Springreitern nicht angenommen“. Zumindest nicht öffentlich. Auch im Freizeitbereich ändert sich der Umgang mit Angst, Druck und Blockaden nur allmählich: „Angst ist Tabu-Thema in den Ställen. Die Reitlehrer werden meist nicht mit einbezogen oder sind mentalen Problemen gegenüber hilflos“, so Birgit Harenberg.

„Doch mentales Training ist gerade im Reitsport wichtig, weil Pferde sensibel auf die psychische Verfassung des Menschen reagieren“, betont die promovierte Biologin, die in Kiel aufgewachsen ist. Sie absolvierte eine Ausbildung zum „NLP-Coach-Basic“, bildete sich anschließend zum „Sport-Mental-Coach“ weiter, wurde im Frühjahr „Wingwave-Coach“ und spezialisierte sich auf gezieltes Leistungs- und Emotions-Kurzzeit-Coaching. Anwendung finde die Methode beispielsweise, um Traumata wie Stürze, Unfälle oder Verletzungen zu verarbeiten, negative Glaubenssätze aufzulösen und Leistungsdruck oder mangelndes Selbstvertrauen zu bewältigen.

„Wenn man mit den richtigen Gedanken aufs Pferd steigt, spiegelt das Pferd das wider. Denn jeder Gedanke ruft im Körper eine biochemische Reaktion hervor“, so Harenberg. Das bei Angst und Aufregung ausgeschüttete Adrenalin beeinflusse Atmung, Puls und Muskelspannung, worauf das Pferd reagiere: „Während viele Stürze keine Probleme hervorrufen, lösen andere, zuweilen sogar harmlose, ein regelrechtes ,Kopfkino’ aus.“ Die Wiedereinsteigerin, die einst im Kieler Rossgarten reiten lernte und derzeit auf einem eigenen Hof mit Mann und zwei Kindern in Seesen/Niedersachsen lebt, kennt das selbst: Ihre Stute Lotta war in einen Spiegel in der Reithalle gesprungen und danach ängstlicher als ihre Reiterin, für die mentales Training die Lösung bot: „Damit hatte ich schnell Erfolg und war begeistert. Das will ich an andere Reiter weitergeben.“

Das Konzept: „Damit die emotionale Blockade gelöst werden kann, muss der Klient die belastende Situation erneut ,im Kopf’ durchleben. Dabei soll das Unterbewusstsein darauf programmiert werden, das Problem erfolgreich zu meistern.“ Voraussetzung sei eine „Grundhaltung der Reflektion“. Harenberg: „Die Schuld dem Pferd, den Richtern oder Zuschauern, dem Platz oder dem Wetter in die Schuhe zu schieben, hilft nicht weiter. Die Klienten müssen sich selbst in Frage stellen.“ Mentale Stärke fürs Turnierreiten oder zur Angstbewältigung, und wie sich eingefahrene Muster unterbrechen lassen, soll über Einzelcoachings, Workshops oder Vorträge mit verschiedenen Schwerpunkten erreicht werden. Und dann klappt’s auch mit Pferden wie dem Küchengirl…

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