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Gute Ausrüstung verhinderte Schlimmes

Reitunfall Gute Ausrüstung verhinderte Schlimmes

Keine Mutter und kein Vater sollte jemals daran zweifeln, dass nur der höchste Sicherheitsstandard der richtige für ihr Kind ist. Erst recht beim Reiten. Ein Plädoyer für ein funktionierendes Sicherheitssystem und einen guten Reithelm.

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Pony und Kind: Kann eine Traum-Kombi sein – aber in den Sattel sollte es nur mit Reithelm gehen.

Quelle: Jessica Bunjes

Kiel. Nicht nur diese Reitseite hat der winterkalte Sonn(en)tag des vergangenen Wochenendes beeinflusst. Vielmehr hätte dieser Moment in einem goldgelben Blätterwald Ostholsteins ein ganzes Leben auf eine Weise verändern können, auf die ich besser keinen näheren Gedanken verwende. Nicht zu verdrängen ist, dass drei Faktoren einen unglücklichen Zufall so glücklich beeinflusst haben, dass er nur eine Erinnerung bleiben, aber keine Zukunft werden wird: ein funktionierendes Sicherheitssystem, ein guter Reithelm und ein besonderes Pony.

 Wenn ich des einen oder anderen Tages ein Höllengeld für Reitausrüstung hinlegte, habe ich mir vom einen oder anderen schon mal angehört, dass frau ihre Kohle im Allgemeinen besser zum Fenster rauswerfen und im Besonderen günstigere Utensilien für ein Hobby erwerben könnte. Das mag auf viele meiner Käufe für andere Gelegenheiten und aus einer anderen Perspektive als meiner zutreffen. Und sicher hätte ich einst ein billigeres Pony erwerben und weniger Geld in Sicherheits-Zeugs für mein Kind stecken können.

 Am vergangenen Sonntag habe ich gelernt, dass all das Geld über all die Jahre genau an der richtigen Stelle, in genau die richtigen Dinge investiert war, wenn ich genau dieses Hobby – Reiten – betreiben will. Denn in diesem Winterwald ereignete sich, was ich keinem Profi-Regisseur oder Hobby-Erzähler jemals glauben würde, wenn ich nicht dabei gewesen wäre und selbst jetzt in jeder Sekunde das Gefühl hätte, immer noch dabei zu sein.

 Beim Ausritt mit meiner Tochter und ihrem Welsh-Wallach verhakte sich ein aus dem Waldboden herausragender Ast – durch welch’ absurden Zufall auch immer – in ihrem Steigbügel, als die beiden mir in einigem Abstand in gemächlichem Trab hinterher trödelten. Das derbe Holz stieß das Pony durch den Bügel heftig in die Seite, das erschrak, bockte, losstürmte, während das zuvor träumende Kind den Halt verlor und erst auf den Hals, dann auf die Kruppe des Ponys krachte.

 Das trieb das Tier weiter zur Flucht an, zumal der zwischen Steigbügel und Reitstiefel verkeilte Ast immer wieder grob in seinen Körper drang. Das Kind wurde vom Rücken des Ponys geschüttelt, aber der Fuß kam nicht aus dem Bügel frei, weil das tote Holz ihn hielt.

 Als es vor Schreck und Schmerz schreiend auf dem Boden aufschlug, der Ast dem stolpernden Pony zwischen die Beine geriet und dabei zwar brach, den Fuß aber immer noch einklemmte, passierten drei Dinge nahezu zeitgleich: Ich rief dem kleinen Wallach – der, meine Tochter hinter sich über den halbgefrorenen hubbeligen Waldboden her schleifend, auf mich zu galoppierte – mit aller mir möglichen Ruhe zu „Hoooo! Brrrrrr! Steeehhh“. Zeitgleich bog sich der Sicherheitsbügel um, und der Schnapp-Mechanismus am Sattelhaken des Riemens öffnete sich, während das Pony stoppte.

 Mein Herz kurzzeitig auch. Der Wallach blieb zitternd stehen, das Kind kreischend liegen, Steigbügel und Riemen waren zwischen Laub, Sand und Steinen verstreut, der Reithelm jedoch weit mehr verkratzt als das Gesicht darunter. Und der Moment, der alles hätte verändern können, war vorbei.

 Ich stieg von meiner Stute ab – die zum Glück die Nerven behalten hatte und deutlich sicherer auf ihren Beinen stand als ich auf meinen – hob das weinende, lädierte, aber auf den ersten und zweiten und dritten Check halbwegs heile Kind auf das wieder ruhige Pony und führte alle drei aus dem Wald zurück zum Stall. Jetzt, wo alle verarztet und keine bleibenden Schäden an keinem zu erwarten sind, ist mir übel. Eines werde ich ganz sicher nie wieder jemanden in meinem Umfeld überlegen lassen: ob hochwertige Ausrüstung eine gerechtfertigte Ausgabe ist.

 Keine Mutter und kein Vater sollte jemals daran zweifeln, dass nur der höchste Sicherheitsstandard der richtige für ihr Kind ist. Sie können sicher sein, dass ein Fahrradhelm auch für die kleinste Runde auf dem Fluchttier Pferd nicht ausreicht. Und sie sollten sich nicht fragen, ob es unbedingt hochwertige Sicherheitssteigbügel und teure Sattelmechanismen sein müssen oder ob ein Reithelm wirklich getragen werden muss. Die Antwort lautet dreimal ja. Wer dieses Geld nicht ausgeben will, sollte nicht aufs Pferd steigen. Er könnte es teuer bezahlen.

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