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Schluss mit dem Boxenknast

Reitanlagenbau Schluss mit dem Boxenknast

Paddock Paradise statt Albtraum Altgitterfalle? Wer heutzutage einen Reitstall betreiben will, muss sich Kunden anpassen. Die wollen für ihre Pferde nur das Beste und das zum möglichst kleinen Preis.

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Mehr Licht, mehr Platz, mehr Sozialkontakte: Das sind die Anforderungen für einen modernen Stall. Enge Gassen, vergitterte Boxen und schlecht belüftete Hallen sind nicht mehr bedarfsgerecht.

Quelle: Silke Müller-Uloth

Kiel. „Beides verständlich, aber schwer miteinander vereinbar“, weiß Jürgen Lamp, der von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein als Ratgeber empfohlen wird, wenn es um modernen Reitanlagenbau geht.

Pferdehalter sind zunehmend besser informiert über Pferdegesundheit im Allgemeinen und stärker sensibilisiert für die Bedürfnisse ihres Pferdes im Besonderen. Das führt zu veränderten Anforderungen an Pachtbetriebe und Stallbetreiber. 23 Stunden Boxen-Knast ist längst verpönt (und gegen das Tierschutzgesetz), Licht-Luft-Sozialkontakt-Ställe mit 4x4-Meter-Boxen und angrenzenden Einzelpaddocks oder Box mit Aussicht sind „in“.

 „Eine Reithalle ist genauso Grundvoraussetzung wie das Reiterklo, Duschen haben sich nicht durchgesetzt, ein Reiterstübchen mit Blick in die Halle wird inzwischen seltener gewünscht, der Sozialraum zum Aufwärmen reicht aus. Dafür sind Waschplatz mit warmem Wasser und ein Raum für Pferdedecken ein Muss, aber das Solarium ist keins mehr“, zählt der Experte die Kundenwünsche 2016 auf.

 Ansonsten? Außenreitplatz: „Zwingend, wenn keine Halle vorhanden ist.“ Roundpen: „Muss nicht sein, aber Longierplatz schon.“ Führanlage: Out. Ausreitgelände: In. Fütterung: Gern dreimal am Tag. Misten: Mindestens fünfmal die Woche, besser siebenmal. Ferner: Ausreichend Hallenzeiten für Privatreiter, abschließbare Sattelkammer. Lamp rechnet die Kosten für den Stallbetreiber einer solchen Anlage pro Pferd und Monat vor: „Acht Stunden Betreuungsaufwand für Misten und Füttern plus Rein- und Rausbringen. Dazu kommen 100 Euro Futter, die Umlage der Anlageninvestitionskosten etwa 120 Euro, plus Versicherungen, Strom, Wasser, Berufsgenossenschaft, Tierseuchenfonds von etwa 30 Euro.“

"Reich wird man nicht"

 Summa summarum: Wer eine Anlage hat bauen lassen oder umfangreich investiert hat, arbeitet im ländlichen Raum für zehn Euro die Stunde 356 Tage im Jahr – wenn er 300 Euro pro Box und Pferd im Monat nimmt. Das ist der Durchschnitts-Boxenpreis in Schleswig-Holstein. „Reich wird mit Pferdepensionshaltung keiner, leben kann man davon gerade so“, bilanziert der Fachmann, der als Voraussetzungen für das Betreiben eines Pensionsstalls nennt: „Fachliche und persönliche Eignung sowie familiären und finanziellen Hintergrund.“

 Zunächst jedoch stellt das Tierschutzgesetz Forderungen: Die Bundesregierung hat 2009 die Leitlinien von 1995 „zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten“ neu herausgegeben. Sie beinhalten genaue Anweisungen zu Haltung, Fütterung und Pflege sowie Maße zu Liegeflächen, Raumhöhen und Klimaanforderungen. Für gewerbsmäßige Tierhaltung wird zudem gefordert, dass in einem Betrieb mindestens ein Mitarbeiter einen „Sachkundenachweis“ besitzt. Den stellen die Veterinärbehörden der Kreisverwaltungen aus. Als Grundlage gelten Berufsabschlüsse zum Land- oder Pferdewirt oder die erfolgreiche Teilnahme an einem entsprechenden Lehrgang. „Außerdem muss die Familie dahinter stehen. Sonst ist das Projekt zum Scheitern verurteilt“, warnt Lamp.

 Zuletzt: das Finanzielle. Lamp: „Eine neue Anlage kostet rund 500000 bis 700000 Euro. Wer das Geld nicht ,über’ hat, sollte genau rechnen.“ Renovierungen von altem Bestand seien gewissermaßen ratsamer. Auch hier muss aber meist einiges investiert werden, denn die engen Gassen, vergitterten Boxen und schlecht belüfteten Hallen von einst sind nicht mehr bedarfsgerecht. „Die Halle muss hell sein, gern mit Lichtfirsten, Netzen oder Lochblechen für gute Belüftung an den Seiten. Der Boden muss gut sein, die Pflege stimmen.“ Das gilt auch für die Dienstleistung: Gern rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, denn irgendwas ist immer. „In Selbstversorgerställen sind Aufwand und Kosten niedriger“, erinnert Lamp. Aber das wollen die wenigsten Kunden. Denn Paddock Paradise ist „in.“ Wer das gewährleisten kann und will, der findet sein Paradies im Pferdepensionsbetrieb…

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