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Es kann nur einen (Chef) geben

Stefan Lentfer Es kann nur einen (Chef) geben

Spätestens, wenn Stefan Lentfer mit seiner ruhigen Stimme sachlich sagt, „ein Pferd wird niemals dein bester Freund sein“, wird es für manche(n) hart. Aber ehrlich. Denn Pferde haben eigene Regeln, eine eigene Kommunikation. Und ihre eigene Auffassung von „Freundschaft“.

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Stefan Lentfer und das junge Paint Horse: Zwei, die sich langsam annähern. Der Ausbilder aus Henstedt-Ulzburg schenkt (jungen) Pferden Zeit und seine volle Aufmerksamkeit.

Quelle: Jessica Bunjes

Henstedt-Ulzburg. Die Menschen, die diese Regeln verstehen und anwenden, kommen mit Pferden etwas nahe, was über Freundschaft hinausgeht.

 Auge in Auge stehen sich die beiden gegenüber. Der Mann mit den starken Oberarmen, der den Führstrick nur lose in Händen zu halten scheint, und der nahezu rohe Jährling mit der zerzausten Mähne und dem starken Willen, der misstrauisch auf das schaut, was Stefan Lentfer in einer Hand hält: eine beliebige Gerte mit einem angetütelten Stück Silo-Folie als improvisierte Fahne. „Ein gutes Mittel, um mit wenig Druck viel zu erreichen – zum Beispiel das Pferd auf Abstand zu halten, es zum Weichen zur Seite oder nach hinten zu bewegen.“

 Die Methode ist einfach: Der 40-Jährige tickt das Pferd dort – beispielsweise an der rechten Schulter – an, wo er es verschieben will. In diesem Fall mit der Vorhand nach links. „Das Wichtigste ist, das Pferd treiben zu können. Das darf nur der Chef. Und es ist wichtig, der Chef zu sein.“ Die Stars der Freiheitsdressuren machen sich dieses Wissen zunutze. Und auch Lentfer, der jetzt seine „Fahne“ anhebt. Das junge Pferd weicht, schnaubend und stampfend – aber es weicht. „Sobald das Pferd reagiert, gebe ich nach. Lasse es kurz in Ruhe. Ruhe ist Belohnung. Der Herdenchef verteilt in der Natur auch kein Leckerli.“

 Bis vor wenigen Wochen tobte das halbstarke Paint Horse unkontrolliert über die Koppel. „Am einfachsten ist es, wenn Pferde früh an den Menschen gewöhnt werden. In der Herde müssen sie auch von Anfang an Regeln lernen.“ Während der Mann unaufgeregt spricht, beschnuppert die groß gewachsene Stute neugierig sein Stöckchen. Er hebt es, sie weicht einen Schritt, inzwischen deutlich ruhiger. „Irgendwann wird es reichen, wenn ich die Seite ansehe, die weichen soll.“ Das wird noch dauern. „Kleinste Ergebnisse und kurze Übungseinheiten von einer Viertelstunde dreimal die Woche sind anfangs genug. Mit älteren Pferden übe ich dann täglich.“

 Ursprünglich arbeitete der gelernte Hufbeschlagschmied als Dreher. Kam erst vor 17 Jahren durch seine ehemalige Lebenspartnerin zum Pferd. Begann vor zwölf Jahren die ersten Pferdehufe auszuschneiden, besuchte die Beschlag- schule in Hannover, „um eine Alternative zum normalen Job zu haben.“ Vor drei Jahren hat er sich selbstständig gemacht. Heute hat der 40-Jährige zwei eigene Vierbeiner, einen Quarter Horse Hengst und eine Appaloosa Stute. Arbeitet mit Ausbildungspferden.

 Sein Credo: „Ich mache vom Sattel aus nichts, was ich nicht vom Boden beherrsche.“ Die Altkalifornische Reitweise hat er gelernt, die auf Horsemenship-Kriterien und Respekt basiert, hat sich intensiv mit Bodenarbeit nach Pat Parelli beschäftigt. „Das hat mich fasziniert, weil ich gesehen habe, dass Pferde, die so behandelt werden, viel gelassener sind. Man kann eskalierenden Situationen aus dem Weg gehen, das hilft in meinem Job, unfallfrei zu bleiben.“

 Inzwischen lässt die Stute sich ansatzweise von links nach rechts wenden und kleine Schritte rückwärts richten. Als Lentfer vorwärts geht, folgt sie zögerlich. „Ich muss keine hundertprozentige Kontrolle haben. Dann würde das Pferd kein Individuum mehr sein. Mir reichen 51 Prozent.“ Die Stute wird nervös, beginnt wild herum zu kreiseln. Er dreht sich langsam mit. Drückt sie am Hals von sich weg, wenn sie zu nah kommt. Irgendwann wird sie langsamer. „Es dauert seine Zeit. Schema ,F’ funktioniert nicht. Man muss jedes Training an jedes Pferd anpassen. Wichtig ist, dass das Pferd dich einschätzen kann. Du musst die Muster immer gleich bedienen. Du kannst sie zum Linksabbiegen auch immer am rechten Ohr streicheln. Sie werden das hinbekommen.“ Am Ende müssen Pferde mit dem Herdenchef nicht beste Freunde sein. Aber wenn Gefahr besteht oder er es verlangt, werden sie ihm folgen – weil sie ihm vertrauen.

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