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So gehen Reiter auf Nummer sicher

Tipps für den Umgang So gehen Reiter auf Nummer sicher

Pferde sind Fluchttiere – neben vielen anderen Ursachen kann allein dies Auslöser für Unfälle unterschiedlichster Art sein. Erst jüngst kam ein kleines Mädchen aus der Nähe von Eckernförde unter tragischen Umständen beim Führen eines Ponys zu Tode.

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Pferdewirtschaftsmeisterin Pia Wieczorek (30) zeigt, wie ein Führstrick (mit dem Halfter über einen „Panikhaken“ verbunden) richtig gehalten wird.

Quelle: Gudrun Wieczorek

Norddeich. In den seltensten Fällen enden Unfälle so schrecklich. Manche können vermieden werden. Wir geben einige Sicherheits-Tipps im Umgang mit dem Pferd.

Pferde und Ponys sind nicht generell wild, beißen vorn und schlagen hinten. Aber sie sind Fluchttiere und damit nicht immer berechenbar. Und sie sind Akrobaten. Sie können selbst mit dem Hinterbein bis fast nach vorne „an die Ohren“ treten, wenn sie denn wollen, sie können sogar auf den Hinterbeinen stehend „laufen“.

Manchmal sind sie gefräßiger als geschickter, was dazu führt, dass der menschliche Finger schnell mit angebissen ist, wenn die Hand den saftigen Apfel unglücklich hält, und der eigene schon mal unter den Pferdefuß gerät, wenn der Vierbeiner seine Beine dort abstellt, wo der Zweibeiner schon steht. Gefährlich wird es dann, wenn sich der Mensch mit Fingerringen, Armbändern, Halsketten oder ähnlichem im Pferd verhakt und das Tier aus Schreck vor einer umfallenden Schaufel, einem hustenden Stallbesucher, einem bellenden Hund oder einem aufheulenden Motor nach vorne springt.

Von den Folgen, wenn sich ein Panikhaken am Führstrick nicht löst, und der Strick am anderen Ende um eine Hand oder einige Finger gewickelt ist, ganz zu schweigen.

Pferdewirtschaftsmeisterin und Ausbilderin Pia Wieczorek, Dressur- und Vielseitigkeitsreiterin, arbeitet seit acht Jahren auf dem elterlichen Hof „Ponyland Norddeich“ in Dithmarschen. Dort, wo seit 30 Jahren jährlich Hunderte Kinder Reitferien machen und rund 50 Reitabzeichen abgenommen werden, wird sehr viel Wert auf Basisarbeit, den korrekten Umgang mit den Pferden und Ponys sowie Theorieunterricht gelegt. „Es kann bei diesem herrlichen Hobby einfach zu viel passieren, alle Kinder und alle Erwachsenen, die mit Pferden umgehen, sollten genau wissen wie“, sagt Senior-Chefin Gudrun Wieczorek, Pferdewirtschaftsmeisterin und Trainerin B.

Abgerissene Finger zählen zu den Hauptverletzungen, und dafür muss man nicht auf dem Pferd sitzen. Pia Wieczorek, die auf dem Hof für die Ausbildung der Ponys und Kleinpferde zuständig ist, rät generell: „Niemals den Strick um die Hand wickeln, auch nicht lose. Denn wenn das Pferd Panik bekommt und weg will, ist kein Loslassen möglich, da die Schlinge zuzieht.“ Beim Führen sollte der Mensch stets auf der Höhe von Hals bis Schulter gehen. „Der Strick wird in der rechten Hand gehalten und sollte nicht länger sein als Unterarmlänge.

Die rechte Hand wird selbstständig „getragen“, so dass das Pferd keinen Druck auf dem Kopf beziehungsweise auf dem Halfter hat, wenn es brav nebenher geht. Der Führer sollte aufrecht, energisch, sicher gehen und somit „Anführer“ sein. Junge oder schwierige Pferde sollten generell nur von erfahrenen Reitern geführt werden. Jüngere Pferde beispielsweise gehen gern hinter dem Menschen, weil sie es aus der Herde so gewohnt sind. Wenn sie sich erschrecken und losrennen wollen, muss der Führer schnell reagieren, damit er den Pferde-Teenager nicht im Kreuz hat.

Bei der Wahl des Führstricks sollte sich jeder Reiter die Frage stellen, welchen Mechanismus er bevorzugt – und regelmäßig kontrollieren, ob dieser eventuell durch Dreck oder Rost blockiert wird. Ein ausgeleierter Mechanismus, der das Pferd im falschen Moment freigibt, ist fast ebenso gefährlich wie ein Mechanismus, der nicht öffnet. Das wird beispielsweise dann unangenehm, wenn sich das angebundene Pferd im Strick verheddert. Ratsam ist es also, das Halteseil ausschließlich mit speziellen Knoten locker zu vertäuen.

Die sind mit einem Ruck am richtigen Ende sofort lösbar. „Das wird beispielsweise im Rahmen der Reitabzeichen gelehrt“, so Pia Wieczorek. Nicht falsch ist es, zusätzlich ein Messer griffbereit im Putzkasten zu haben. Denn schnell etwas auf- oder abschneiden muss man im Stall regelmäßig – und wenn es nur die Leckerlie-Tüte ist. Zu guter Letzt empfiehlt Pia Wieczorek „körpernahe Kleidung“, damit sich keine Jacke oder Hose irgendwo verhakt.

Wichtig ist auch die Ausrüstung: Handschuhe sind im Sattel für viele Reiter „Glaubenssache“ – manche mögen beim Reiten dagegen lieber den „direkten“ Kontakt zum Zügel. Im Umgang mit dem Pferd, erst recht bei Manövern, die nicht jedes Pferd souverän mitmacht – wie das Führen auf den Pferdeanhänger –, sollten Handschuhe Pflicht sein. Wer einmal einen Führstrick oder eine Longe ruckartig durch die Hand gezogen bekommen hat, weiß warum. Zudem packt die Handschuh-Hand besser, „griffiger“, zu. Pia Wieczorek rät außerdem dazu, „feste, geschlossene Schuhe – am besten mit Stahlkappe“ zu tragen. Niemals sollte man „mal eben“ mit Flipflops oder Hausschuhen irgendetwas am Pferd machen. Ein Fuß bricht nämlich schnell, wenn ein Pferd drauftritt, und Halt hat der Führende in Sandalen nicht, sollte das Pferd plötzlich zur Seite springen.

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