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Das wollen die Richter sehen

Tipps von Dressurausbilderin Das wollen die Richter sehen

Mit dem Frühling kommt die Reitturniersaison. Höchste Zeit, letzten Schliff in die eigenen Reitfertigkeiten zu bringen, um die für dieses Jahr gesteckten Ziele zu erreichen. Reitausbilderin Sandra Bartels, Sichtungstrainerin für die Junioren-Championate, weiß, was Turnierrichter sehen wollen.

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Dressur-Ausbilderin Sandra Bartels weiß, was Richter sehen wollen: Die 46-Jährige ist Dressurrichterin und Sichtungstrainerin im Pferdesportverband Schleswig-Holstein für die Junioren-Championate.

Quelle: Jessica Bunjes

Kiel. Die 46-Jährige, die 15 Jahre lang eine Reitanlage gepachtet hatte, jetzt eine eigene plant und ihre drei Pferde derzeit in Heikendorf eingestellt hat, richtet seit 20 Jahren Dressurturniere bis zum M-Niveau in Schleswig-Holstein, hat Hunderte von Dressurprüfungen bewertet. Ihr Steckenpferd ist die Ausbildung und Förderung des reiterlichen Nachwuchses. Sie selbst holt sich Rat beim Dressur-Olympiasieger von 1984, Uwe Sauer (Seeth-Ekholt). „Ich bin ein Sitz-Fetischist“, gibt Bartels zu und ergänzt zur Erklärung: „Nur wer unabhängig vom Zügel sitzt und sein Pferd sicher an Gewichts- und treibenden Hilfen in der Balance hält, kann Lektionen reiten. Der korrekte Sitz ist das Fundament für korrektes Reiten.“

 Übersetzt heißt das: Wer vorne zieht und hinten reintritt, wird runter gepunktet. „Wer aber am Grund arbeitet, bekommt die Lektionen irgendwann quasi geschenkt, denn mit einem korrekt gearbeiteten Pferd kann man fast alles reiten.“ Die von den Richtern abgewandten Ecken im Prüfungs-Viereck, wo unentdeckt gezogen oder mit dem Sporen gepiekt werden könne, gebe es nicht: „Wir sind auch nicht blöd, wir wissen, was da gleich kommt, wenn es nicht rund läuft.“ Ergebnis: Für diesen Aufgabenteil gibt es kaum noch Punkte, maximal drei oder vier von zehn. Bartels hat im Laufe ihres Richterdaseins Vieles gesehen. Ein besonderes Gräuel seien ihr Reiter, die Pferd, Helfer und Eltern anbrüllen, wenn es in der Prüfung nicht klappt: „Oft fehlt Respekt. Was sich teilweise auf Abreiteplätzen abspielt, ist ungeheuerlich. Das merkt man sich.“

 Kardinalfehler in der Prüfung sei eine zu starke Handeinwirkung: „Das wird immer mehr geahndet.“ Denn Richter wollen über alle Klassen hinweg eine zwanglose Anlehnung sehen, die die Tragkraft aus der Hinterhand holt. „Wenn das nicht klappt, ist es nicht gut, denn in Folge hält das Pferd den Rücken fest, verliert den Takt und macht Spannungstritte, das bedeutet Punkteverlust.“ Ebenfalls ein dickes „Minus“ gibt es, wenn das Pferd hinter die Senkrechte kommt – sprich, den Kopf zu weit in Richtung Brust nimmt. „Das geht zu Lasten der Schrittqualität.“ Zwar komme diese Haltung teilweise sogar in schweren Prüfungen vor, wie im Februar im nationalen Dressur-Championat bei den VR Classics in Neumünster. „Aber so darf Reiten nicht sein“, betont die Richterin. Sie erklärt: „Der Rücken ist ein Bewegungsmuskel. Wenn das Pferd zu lange mit zu viel Hand und in Folge Spannung geritten wird, sind langfristige Schäden und ein Verlust der Gangqualität zu erwarten.“

 Richter wollen eine „Harmonie zwischen Reiter und Pferd“ erkennen, ein fleißiges, aber nicht eiliges Pferd erleben. „Die Lektionen müssen im Tempo und nicht gehetzt geritten werden.“ Sandra Bartels rät, gerade zum Anfang der Saison, den Trainer mit zum Turnier zu nehmen oder zumindest ein Video vom Ritt machen zu lassen. „So lassen sich Bewertungen besser nachvollziehen – oft deckt sich das eigene Gefühl nicht mit dem, was andere sehen.“ Rechtzeitiges Erscheinen auf dem Turnier, um genügend Zeit zum Abreiten zu haben, und auch ein Trainingsritt auf einem unbekannten Abreiteplatz seien gute Voraussetzungen für erste Starts. Und dann: „Bei X hinstellen, lächeln. Reiten soll schließlich Spaß machen.“

 Beim Weg zum korrekten Sitz und damit zur korrekten Dressur hilft Trainerin Sandra Bartels am Wochenende 30. und 31. Mai auf der Anlage der Familie von Hollen in Giekau. Zum zweitägigen Lehrgang gehören Zweier-Training, Videoanalyse und Sitzschulung, Grillabend und Frühstück. Gastboxen sind vorhanden. Kosten: 110 Euro pro Reiter inklusive Verpflegung. Anmeldung unter Tel. 0172/5602160 und 04381/414216.

 Der korrekte Sitz

 Beim korrekten Sitz bilden Schulter, Gesäß, Hüfte und Absatz eine Linie. Die Knie liegen eng an der Sattelpausche an, die Schenkel am Sattelgurt. Sie treiben ruhig und in die Tiefe federnd vorwärts. Das Gewicht ruht beidseitig auf beiden Gesäßknochen. Der Reiter knickt nicht in der Hüfte ein, hat einen locker fallenden Schultergürtel und eine in der Vorwärtsbewegung mitschwingende Mittelpositur, um sicher auf die Vorwärtsbewegung des Pferdes einzuwirken. Er sitzt unabhängig vom Zügel, um den Takt und die Anlehnung des Pferdes nicht zu stören. Die Hände müssen aufrecht und unabhängig vom Sitz getragen werden. Christoph Hess, Abteilungsleiter Ausbildung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung: „Auch der Sitz hat eine treibende Funktion. Das heißt jedoch nicht, dass der Reiter mit dem Oberkörper pumpen sollte. Das bringt das Pferd aus seinem natürlichen Rhythmus. Der treibende Sitz ist mehr passiv als aktiv und sollte Anfängern wie Fortgeschrittenen an der Longe beigebracht werden.“

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