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Gelebte Pferdeliebe in Neukirchen

Vertrauen und Respekt Gelebte Pferdeliebe in Neukirchen

Vor zehn Jahren hat Melanie Stühmer sich in Neukirchen ihr kleines, familiäres Pferde-Paradies geschaffen. Hat aus vielen gängigen regionalen Ideen von Bewegungs- und Offenstall plus praktischen Tipps aus Übersee ihr eigenes, pferdegerechtes Konzept entwickelt.

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Melanie Stühmer, Hund Elton und Stute Joy sind ein ,,Dream-Team". Die Trainerin hat einen kleinen Stall in Neukirchen.

Neukirchen. Hier chillt eine Handvoll Vierbeiner, wandert herum, knabbert, schläft und lässt es sich rundherum gutgehen. Die 44-Jährige, die in Sieversdorf lebt, ist Trainerin für „Alt-Kalifornische, klassische Horsemanship“.

 Wer weiß hierzulande schon, was ein „Schlupf“ ist? „Ein Schlupf ist quasi ein versetzter Durchlass im Zaun, den die Pferde als Barriere wahrnehmen und der uns ohne lästiges Auf- und Zumachen des Tores unkompliziert auf die und von der Koppel gehen lässt“, erklärt Melanie Stühmer, die diese so einfache wie praktische Lösung aus Amerika mit nach Schleswig-Holstein gebracht hat. Überhaupt ist das typisch für sie: Sie macht, was für Mensch und Tier praktisch und sinnvoll ist. „Ich bin mit vier Jahren zu den Ponys gekommen, lebte mit der Familie in Bad Schwartau, und im Dorf hatte jemand Ponys. Die haben mich einfach angezogen. So ging das los. Dann habe ich einfach gemacht.“ Damals ihren Wellensittich dressiert zum Beispiel. Heute dreht sich Hund Elton auf Kommando im Kreis und beherrscht allerlei andere lustige Tricks.

 „Tiere haben mich immer schon fasziniert“, sagt die Reiterin, die zu Kinder- und Jugendzeiten keinen teuren Reitunterricht genoss, sich vielmehr auf ihr tiefes Gefühl für die Tiere verließ und mit Instinkt und feinen Hilfen zu einer harmonischen Kommunikation fand. Im Sattel hat sie mit „herkömmlichem“ Reiten angefangen, mittlerweile setzt sie auf die ursprüngliche Reitweise der Vaqueros, den Alt-Kalifornischen Reitstil. „Das ist faszinierend. Die traditionellen Rinderhirten kontrollieren ein Rind vom Pferd aus über Seitengänge. Sie bilden ihre Pferde reell, durchdacht und langsam aus, denn sie sind ihr Kapital, müssen lange halten.“

 Erst später fand die Trainerin zu den klassischen Ausbildern wie Bent Branderup und Anja Beran, übernahm auch aus der „klassischen“ Reitweise Elemente. Regelmäßig lässt sich die Besitzerin von drei eigenen Pferden außerdem von Dressurreiter Falk Stankus (Sibstin) schulen. „Wir lernen voneinander. Am Ende kommt es nicht auf die Reitweise an, sondern auf die Wahrnehmung zwischen Reiter und Pferd, auf Vertrauen und auf Respekt.“ Nach ihrer Auffassung beruhen „ganz viele Probleme auf mangelnder Kommunikation: „Pferde sind so fein, wir Menschen überziehen fast immer. Und wenn etwas nicht klappt, sind zu 100 Prozent wir Menschen schuld. Und der Mensch nimmt es persönlich. Das darf man nicht. Wenn das Pferd weiß, was ich will, ist es zu grandiosen Manövern fähig. Die wesentliche Frage ist nur: Wie rufe ich das ab?“

 Empathie sei ein wichtiges Stichwort, sich ins Pferd hineinzuversetzen, ein Schlüssel. „Jedes Pferd reagiert anders. Darauf muss man sich einlassen“, sagt die Pferdefreundin, deren Unterricht mit „Start und Stop“ beginnt, und zwar am Boden. „Das ist die Grundlage. Wenn ich mein Pferd gut starten kann, kann ich schöne Übergänge reiten. Bevor ich aufsteige, können meine Pferde Schulter herein, Travers, Kruppe herein und seitwärts treten.“ Danach kommt die Lenkung. „Ich arbeite gleich am äußeren Zügel, reite gerne große gebogene Linien, damit die Pferde in die Balance unter dem Reiter finden.“

 Mit ihrer 20-jährigen Paint Horse Stute Joy demonstriert Melanie Stühmer, was sie meint. Joy reagiert auf kleinste Signale – und Elton gleich mit. „Ich fange früh an, aber spielerisch. Lasse mir viel Zeit. Viele Pferde werden überfordert, verlieren dann das Vertrauen und die Lust. Ich setze mir Etappenziele, das können kleine sein. Die will ich erreichen.“ Gelände sei ihr in der Pferdeausbildung wichtig, daher gehe sie mit Jungpferden viel spazieren, nimmt auch mal ein Handpferd mit – wenn das Reitpferd einhändig kontrollierbar ist jedenfalls. „Das übe ich vorher in einem eingezäunten Bereich, bis es einwandfrei klappt.“ Als „verlängerten Arm“ hat sie immer eine Gerte dabei, veranlasst Joy mit kleinen Zeichen, Füße zu heben, auf Kommando zu steigen, seitwärts zu treten, eine Piaffe zu zeigen. „Pferdeausbildung ist ein Handwerk. Jeder kann es erlernen“, sagt Melanie Stühmer, deren Ziel es ist, ihre Hilfen im Sattel „unsichtbar“ zu machen. Das gelingt ihr gut. Denn, wie das mit jedem erlernbaren Handwerk ist: Ein besonderes Talent gehört unverzichtbar dazu.

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