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Global Champions League spaltet Reitsport

Viel Geld, viel Ärger Global Champions League spaltet Reitsport

Die Global Champions League ist derzeit das Reizthema im Pferdesport. Der Weltreitverband FEI würde die Serie gern stoppen und zieht gegen Serien-Gründer Jan Tops vor Gericht. Beim Derby in Hamburg wird ein neuer Team-Wettbewerb erstmals gezeigt.

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Janne-Friederike Meyer ist in der GCL dabei.

Quelle: Stefan Lafrentz (Archiv)

Hamburg. Für den Weltreitverband FEI ist die Global Champions League ein Ärgernis, anderen gilt der neue Team-Wettbewerb als Innovation. Seit Monaten tobt zwischen FEI und dem Initiator Jan Tops ein erbitterter Rechtsstreit — derzeit mit Vorteilen für den niederländischen Ex-Profi und Geschäftsmann. Der Verband sieht in der mit sieben Millionen Euro dotierten Spring-Serie eine illegale Privatisierung und Kommerzialisierung des Pferdesports und erkennt sie nicht an. Nicht wenige befürchten schwerwiegende Folgen, sollte nicht bald eine Lösung gefunden werden.

„Beide Seiten müssen die Konsequenzen sehen“, sagte Volker Wulff, Chef des deutschen Derbys in Hamburg. Er wünscht sich eine schnelle Einigung. Sonst könnten „wie im Profiboxsport möglicherweise mehrere Verbände entstehen“. Auch die Deutsche Reiterliche Vereinigung FN hofft auf eine baldige Beilegung des Zwists. „Wir stehen an der Seite der FEI, sagen aber, dass sie sich bald einigen sollten“, meinte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach.

Veranstalter Wulff kann am Freitag (18 Uhr) im Rahmen des Derbys in Hamburg erstmals in Deutschland die Global Champions League (GCL) präsentieren: „Es soll eine positive Ergänzung, eine bunte Geschichte sein“, kommentierte er vorab.

Das mit 200.000 Euro ausgeschriebene Springen besteht aus zwei Umläufen. Für die zwölf multinationalen Teams starten zwei der maximal fünf Mitglieder. Die acht besten Mannschaften erreichen den zweiten Durchgang. Die Strafpunkte aus den vier Ritten werden addiert, bei Punktgleichheit entscheidet die Zeit aus der zweiten Runde. Hamburg ist die fünfte Station von weltweit 15 Etappen. Die GCL ist Teil der Global Champions Tour (GCT), die 2006 von Tops eingeführt — und von der FEI anerkannt ist.

Die Folgen des Streits bekommen auch die Derby-Organisatoren zu spüren. FEI-Funktionäre wie Richter, Parcoursbauer oder Tierärzte dürfen die Prüfung nicht betreuen. Ihnen drohen sonst Sperren. Daher bringt die GCL mit Sitz in Belgien ihre Offiziellen selbst mit. Vor drei Wochen machte die FEI ernst und sperrte zwei Funktionäre, weil diese beim Serien-Auftakt in Miami mitgearbeitet hatten.

Zweimal hat die FEI mittlerweile gegen Tops und die GCL vor Gericht verloren, zuletzt in der vergangenen Woche. Ein Berufungsgericht in Brüssel hatte den FEI-Einspruch gegen eine einstweilige Verfügung der belgischen Wettbewerbsbehörde zurückgewiesen, die die Ausschließlichkeitsklausel für unwirksam erklärt hatte. Die Klausel besagt, dass Pferd und Reiter nach der Teilnahme eines nicht vom Weltverband genehmigten Turniers sechs Monate lang nicht bei anderen FEI-Veranstaltungen starten dürfen. Eine endgültige Entscheidung des Verfahrens steht aber noch aus.

Von den deutschen Top-Reitern sind nur wenige in dem Wettbewerb engagiert. Angesichts der zahlreichen Turniere und Serien müssen sie genau abwägen, wo und wann die Pferde eingesetzt werden — zumal in einem Olympia-Jahr. „Für die Top-Pferde haben wir andere Pläne“, sagt die frühere Team-Weltmeisterin Meredith Michaels-Beerbaum.

Neben Janne-Friederike Meyer ist nur noch Marco Kutscher aus dem deutschen A-Kader in der GCL dabei. Meyer wird am Freitag für die Shanghai Swans starten, gemeinsam mit der Amerikanerin Jessica Springsteen. Michaels-Beerbaum wird sich das Ganze von außen anschauen. „Die Global Champions League ist interessant für die Zukunft unseres Sports“, sagt sie. Doch ob die Global Champions League eine Zukunft hat, werden wohl Gerichte entscheiden.

Die Global Champions League der Springreiter

Die Global Champions League ist ein neuer Team-Wettbewerb im Springreiten. Initiator ist der ehemalige niederländische Profi Jan Tops. Die Serie findet in diesem Jahr zum ersten Mal statt und wurde in die Global Champions Tour integriert. Die weltweit lukrativste Springsport-Serie hatte Tops bereits 2006 gegründet.

Anders als die Champions Tour ist die Champions League nicht vom Weltreitverband FEI genehmigt. Ein Rechtsstreit läuft. Pferdesport-Funktionären wie Tierärzten, Parcoursbauern oder Richtern drohen Sperren durch die FEI, wenn sie die Wettbewerbe begleiten.

Insgesamt gibt es auf den 15 Stationen der Global Champions League von Miami über Hamburg bis nach Doha drei Millionen Euro zu gewinnen. Das Springen am Freitag beim Derby-Turnier in der Hansestadt ist mit 200 000 Euro dotiert. Am Ende der Serie gibt es noch Bonus-Zahlungen von vier Millionen Euro für die besten Teams der Gesamtwertung.

Bei den einzelnen Wettbewerben reiten zwölf Mannschaften. Ihre fantasievollen Namen wie Miami Glory, Shanghai Swans, Cannes Stars oder Paris Jets nehmen Bezug zu Stationen der Serie. Die Teambesitzer sind laut Tops Franchise-Nehmer. Eine Mannschaft besteht aus fünf Mitgliedern. Auf den Etappen starten aber nur jeweils zwei pro Team. Anders als bei den offiziellen Nationen-Wettbewerben sind die Teams multinational. Die Reiter tragen Trikots und nicht die gewohnten Turnierjacken.

Ein Springen besteht aus zwei Umläufen. Die acht besten Teams erreichen den zweiten Durchgang. Die Strafpunkte aus den vier Ritten der jeweils zwei Reiter werden addiert, bei Punktgleichheit entscheidet die Zeit aus der zweiten Runde.

Von den zehn Mitgliedern des deutschen A-Kaders gehören nur zwei zu einem Team der Global Champions League: Marco Kutscher reitet für die Cannes Stars, Janne-Friederike Meyer für die Shanghai Swans. Meyer hat in diesem Jahr schon in Mexiko City mit der Australierin und Tops-Ehefrau Edwina Tops-Alexander gewonnen. Am vergangenen Sonntag in Shanghai siegten Andreas Kreuzer und David Will als Team Cascais Charms. Beide zählen zum deutschen B-Kader.

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