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Die Sache mit dem Happy End

Weihnachtskolumne Die Sache mit dem Happy End

Sicher hat es das auch in meiner Fantasie irgendwann mal gegeben, diese Sache mit dem Prinzen und dem Schimmel und dem „Sie-lebten-glücklich-bis-an-ihr-Ende. “ Damals dachte ich garantiert, mit dem „Happy End“ ist der Kerl gemeint. Dass es dabei in echt und Ehrlichkeit ums Pferd ging, kapierte ich, kaum, dass ich aus dem Kindergarten raus war.

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Oldenburger Stute Careful´s Calyssa (links), Holsteiner Stute Cupcake und Reitseiten-Autorin Jessica Bunjes sind ein ziemlich gutes Trio.

Quelle: Josefine von Hollen

Kiel. Seither hat sich das Wissen um die Beständigkeit der Liebe Jahr für Jahr gefestigt. Die zum Pferd.

 Ich muss gestehen, dass ich nicht monogam gelebt habe. Ich hatte auch früher schon mal ein Pferd und dann noch eins und noch eins. Aktuell habe ich zwei. Und ich liebe sie beide. Je nachdem, wer grade auf meinem Fuß steht oder beim Unterricht andere Ideen als ich vom Pferdespaß entwickelt, mal den einen mehr als den anderen. Sowieso: Ich habe von den Pferden ziemlich viel über die Liebe im Allgemeinen und Beziehungen im Besonderen gelernt.

 Mein erstes Pferd war ein ziemlich störrisches Vieh, ein Feld-Wald-Wiesen-Pony namens Lissy. Das war so, wie es sich für ein erstes Pony gehört: Es tat genau das, was einer von uns beiden wollte. Oft genug war das nicht ich. Lissy zeigte mir auch, dass ein kleines Hufentier durchaus in der Lage ist, mir mit den Hinterfüßen in den Allerwertesten zu treten, wenn ich an seinen Vorderfüßen fummele. Ich glaube, ich habe, kaum eingeschult, eine intensivere Beziehung zum Boden gepflegt als zum Sattel. Und allemal als zur Schule. Und Lissy war es auch, die mir einen meiner ersten und damit schönsten Siege plus eine Menge Selbstvertrauen schenkte.

 Einige Jahre später – mein Vater vertröstete mich mit dem Wunsch nach einem eigenen „richtigen Pferd“ von Weihnachten zu Weihnachten – hatte ich gefühlt zehn Millionen Zeitungen ausgetragen, um mir meinen Traum selbst zu erfüllen. Schon da erkannte ich übrigens, dass die Verbindung von Zeitung und Pferd eine verlässliche ist. Gut, mein Vater ist seinen Pferde-Verpflichtungen dann noch nachgekommen, denn wie wir wissen, bleibt es ja nicht beim Pferd. Meist nicht bei einem und schon gar nicht nur beim Pferd. Und ein Pferd, das den Gegenwert von ein paar verteilten Zeitungen hat, nun ja, besitzt so gewisse Eigenheiten. Ich kann dazu sagen, dass meine Leidensfähigkeit in Sachen Beziehungen früh auf die Probe gestellt wurde. Mit neun wusste ich mehr über die Bedeutung von „nicht aufgeben“ als mancher Paartherapeut. Ich kannte alle Tricks, Ohrspiele und Muskelzuckungen von Pferdchen, die sich zu Kugeln ohne Ohren zusammenrollen, und ich wusste aus persönlicher Erfahrung, dass Wattboden nicht gleich Weichboden ist. Mit zehn war ich Experte im Boxenausmisten, Lederfetten und Improvisieren von selbstgebasteltem Reitzeugs aus ausrangierten Riemen und Riemchen. Mit 13 machte mir niemand mehr was vor, wenn es ums Zäuneflicken ging, und ich schätze, bei „Wetten, dass“ hätte ich mit meinen Giftpflanzenkenntnissen die Hauswette gewonnen. Und während meine Klassenkameradinnen mit 14 über Nagellack sprachen, überlegte ich – allerdings nur sehr gelegentlich –, wie ich meine Nägel wieder in ihren Ursprungs- zustand bekommen könnte.

 Mit 16 hatte ich eine wichtige Lektion gründlich gelernt: Bei Pferden gibt es kein Vertun, was die Konsequenzen von Handlungen angeht. Ehrliche Ansage – ehrliche Antwort: Überzogene Erwartungen werden sofort mit Verweigerung quittiert. Schlechte Laune hat mit ziemlicher Sicherheit eine ziemlich schlechte Reitstunde zur Folge. Das Ergebnis, mit Ungeduld vorwärts reiten zu wollen, ist die Garantie, den Rückwärtsgang zu entdecken. Und wer glaubt, 650 Kilo Pferd nach Lust und Laune beherrschen zu können, sollte sich schon einmal warm anziehen für den Moment, wo das Pferd klar stellt, dass nichts, aber auch gar nichts geht, wenn der Vierbeiner nicht will.

 Also habe ich mir im Laufe der Jahre immer wieder die Frage gestellt: Wie kommen wir beide dahin, wo ich hin will? Und ich habe vor allem eines verstanden: Egal, wie lange es dauert, mit einem Pferd komme ich immer ans Ziel. Manchmal nicht an das Ziel, das ich ursprünglich im Auge hatte. Am Ende aber war es alle Mühe wert. Und ist es noch.

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