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Natur erleben und bewahren

Pferdesportverband Schleswig-Holstein Natur erleben und bewahren

Pferdesport und Naturschutz Hand in Hand – nur ein Traum? Fast 50 Pferde- und Naturfreunde trafen sich am vergangenen Mittwoch zur „Pferd und Umwelt“-Tagung in Nortorf um sich der Frage zu widmen, wie wir als Pferdehalter und Pferdesportler die Natur gleichermaßen genießen, nutzen und schützen können.

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Die Raupen des Blutbären sind natürliche Fressfeinde des Jakobskreuzkrauts.


Quelle: Domenic Blair

Nortorf. Wenn es um das Naturerlebnis mit Pferden geht, dann beschäftigt uns in Schleswig-Holstein vor allem stets eine Frage: Wo finden wir geeignete Wege und wie bekommen wir mehr davon? Das Best-Practice Beispiel aus der Gemeinde Handewitt ließ da die Herzen der Pferdefreunde höher schlagen und so manch einer erwog die Option eines Umzuges – oder auch einfach die Verlagerung der gesamten Gemeinde, als Gerhard Beirer, Vorsitzender des Finanz- und Wirtschaftsausschusses, von den Maßnahmen vor Ort berichtete. In enger Abstimmung mit den Vereinen und Pferdebetrieben wurde dort ein Wegekonzept erarbeitet und umgesetzt, das sowohl in der Ausführung als auch hinsichtlich der Einstellung der Verwaltung unbedingt zur Nachahmung einlädt. Vier Meter (!) breite Wegestreifen wurden langfristig von der Gemeinde gepachtet und als Wege für Reiter, Fußgänger und Fahrer hergerichtet, Verbindungswege geschaffen, Gefahrenstellen ausgewiesen, Aufstiegshilfen installiert - quasi das Rund-um-Sorglos-Paket für Pferdefreunde. Aber was bewegt eine Gemeinde dazu? Herr Beirer selbst erklärte freimütig, er habe noch nie auf einem Pferd gesessen und werde das wohl auch nicht tun, doch die regionale Wertschöpfung durch den Faktor Pferd sei so immens, dass die Investitionen in jeglicher Hinsicht der Gemeinde zu Gute kämen. Bei 11.000 Einwohnern seien rund 700 Pferde in etwa 40 Ställen in Handewitt ansässig und durch den sukzessiven Ausbau des Wegenetzes solle der Standort nicht nur für diese attraktiv bleiben, sondern auch den Tourismus in der Region fördern. So etwas wie eine Pferdesteuer sei deshalb in Handewitt auch kein Thema, die Unterhaltungskosten für die Wege seien leicht nach dem Vorbild anderer Initiativen durch eine kleine Gebühr für eine Jahresvignette zur Nutzung des Wegenetzes zu tragen. Sprachloses Staunen herrschte nach den Ausführungen im Plenum und Dr. Christiane Müller, die Reitwegebeauftragte des Pferdesportverbandes,erklärte, wer sich so eindrucksvoll und engagiert für den Pferdesport einsetze, dem solle auch ein ganz besonderer Dank zu Teil werden und überreichte Herrn Beirer dafür den PSH-Ehrenteller.
Dass Pferde in Naturschutzgebieten nicht gern gesehen sind, scheint ein weit verbreiteter Irrglaube zu sein, zumindest zeichneten die Ausführungen von Henrike Hoffmann von der Stiftung Naturschutz ein ganz anderes Bild. Tatsächlich setze man auf Stiftungsflächen Pferde sogar als „Landschaftspfleger“ ein. So würden Konik- und Exmoor-Herden die Flächen ökologisch beweiden. In anderen Gebieten werden Pferde gezielt zum Rücken und Schleppen auf den Flächen eingesetzt.

Was das Reiten und Fahren auf den Stiftungsflächen betrifft, könne man keine einheitliche Aussage machen, da sich die Möglichkeiten von Gebiet zu Gebiet unterschiedlich darstellen und mit den Interessengruppen vor Ort spezifisch erarbeitet werden. Wo immer es mit den Erhaltungszielen vereinbar ist, soll Mensch und Tier aber die Möglichkeit gegeben werden, die Natur zu erleben. So gibt es beispielsweise für die Wentorfer Lohe oder das Naturschutzgebiet Höltigbaum zahlreiche ausgewiesene Wege und entsprechende Karten, denen zu entnehmen ist, wo und wie das Gebiet z.B. beritten werden darf.

Doch nicht nur im Sattel oder auf dem Kutschbock profitieren Pferdefreunde vom Naturschutz, auch artenreiches Grünland sei ein großer Vorteil für die Pferdehaltung, erläuterten Christoph Gasse vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) und Tierarzt Dr. Ralf Stolper. Während Rinder besonders energiereiche Gräser mit einem hohen Fruktangehalt benötigten, sei dieser „McDonalds-Faktor“ für Pferde hingegen sogar schädlich, denn Fruktan gilt nach heutigem Forschungsstand als Hauptursache für fütterungsbedingte Hufrehe. Von den rund 340.000 ha Grünland in Schleswig-Holstein seien nur kaum mehr als 10.000 ha als artenreiches Grünland anzusehen, obwohl sich aus diesem bei später Mahd ab Anfang Juli schnell trocknendes Heu mit einem besonders hohen Rohfaseranteil und sehr geringem Fruktangehalt – also eigentlich ideales Pferdefutter – gewinnen ließe. Um die ca. 100.000 Pferde in Schleswig-Holstein mit solchem Heu zu versorgen, würde in etwa die 3,5-fache Menge benötigt werden. Der DVL, die Stiftung Naturschutz und die Artenagentur Schleswig-Holstein setzen sich gemeinsam dafür ein, dass wieder mehr artenreiches Grünland angelegt und bewirtschaftet wird und stehen Pferdehaltern und Heuproduzenten hier gern beratend zur Seite.

Aber nicht alle Pflanzen sind auf Pferdeweiden gern gesehen und in den vergangenen Jahren hat sich insbesondere das Jakobskreuzkraut zum Schreckgespenst für viele Pferdehalter entwickelt. Schon beim Anblick einer einzelnen Pflanze zeichnet sich in den Gedanken der Pferdefreunde bereits der gefürchtete irreversible Leberschaden durch eine schleichende Vergiftung ab. Müdigkeit oder Lethargie, Appetitverlust oder erhöhte Lichtempfindlichkeit können erste Warnsignale sein, erklärt Tierarzt Dr. Jürgen Martens von der Pferdeklinik Bockhorn, in der Regel werde die Vergiftung aber erst bei einer fortgeschrittenen Schädigung der Leber erkannt. Eine Heilung sei nicht möglich, man könne dann nur noch die Symptome behandeln. Ca. 24 – 28 kg der frischen Pflanze würden ausreichen, um ein Pferd tödlich zu vergiften. Zwar erscheint das auf den ersten Blick recht viel, jedoch wird der einmal aufgenommene Giftstoff vom Organismus nicht ausgeschieden, sondern sammelt sich im Körper an, so dass auch sehr geringe Mengen über einen langen Zeitraum zur Vergiftung führen können. In frischem Zustand werde das Gewächs aufgrund seiner Bitterstoffe zwar nur selten gefressen, jedoch fehlten diese bei noch jungen Pflanzen und auch im Heu bestehe das Risiko der Aufnahme. Dr. Aiko Huckauf von der Stiftung Naturschutz mahnt jedoch zum besonnenen Umgang mit dem Kraut. Aus ökologischer Sicht handele es sich um eine wertvolle Futter- und Habitatpflanze für zahlreiche Insekten, aber auch in der Stiftung sei man sich der Problematik für die Tierhaltung bewusst, weshalb dort eigens ein „Kompetenzzentrum Jakobskreuzkraut“ eingerichtet wurde, wo sich Nutzer und Anlieger betroffener Flächen über das sogenannte „Imkertelefon“ unter der Rufnummer 0431-21090799 beraten lassen können. Er plädiert für eine naturschutzgerechte Regulierung des Wachstums und hofft auf eine weitere Ausbreitung der natürlichen Fressfeinde, den Flohkäfer und den Blutbären. Wer seine Flächen frei vom Jakobskreuzkraut halten wolle, müsse aber unbedingt schon beim ersten Auftreten handeln, denn sei die Wiese erst mal leuchtend gelb, habe man „ein echtes Problem“. Ob man einem Befall mechanisch oder mit Pestiziden zu Leibe rücken wolle, müsse jeder für sich und seine Flächen selbst entscheiden, betont Jürgen Lamp von der Landwirtschaftskammer, das beste Mittel gegen den Befall sei jedoch von vorneherein eine dichte Grasnarbe bei guter Weidepflege und entsprechendem Beweidungsmanagement, so dass sich das Kraut gar nicht erst ausbreiten könne.

- Maritres Hötger, Pferdesportverband Schleswig-Holstein e.V. -

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