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Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

Die Reit- und Fahrwegetagung 2015 Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

Pferdeleute sind es gewohnt mit anderen Waldbesuchern Kompromisse einzugehen, um mit dem Pferd die Natur genießen zu können. Eine besondere „Nutzergruppe“, mit der sie es dabei seit Kurzem zu tun bekommen könnten sorgt jedoch für einige Unsicherheit, denn sie hat nicht nur vier Beine und Fell, sondern auch scharfe Zähne.

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Der Wolf ist zurück in Schleswig-Holstein.

Quelle: U. Tichelmann/FfW

Neumünster. Mehr als 80 Teilnehmer fanden sich am 3. Juni in Neumünster zur Reit- und Fahrwegetagung des Pferdesportverbandes ein. Wie jedes Jahr kam man zusammen, um über die aktuellen Projekte und Entwicklung zu sprechen, doch neben dem allgegenwärtigen  Wunsch nach mehr huffreundlichen Wegen wurde schnell deutlich, dass dieses Jahr vor allem auch die Frage nach dem Umgang mit den langsam wiederkehrenden Wölfen im Fokus der Pferdefreunde stand.

Nicht weniger aktuell und für Naturliebhaber sehr erfreulich, standen aber zunächst Kooperationsmöglichkeiten mit den schleswig-holsteinischen Naturparks auf dem Plan. Unter dem Motto „Naturparkschätze heben“ berichteten Britta Herbst und Petra Dau am Beispiel Aukrugs und des Nationalparks Wattenmeer von den einzigartigen Möglichkeiten des Naturerlebnisses in den besonders geschützten Gebieten. Dank des Landessportverbandes wird der Pferdesport hier bei den Planungen besonders berücksichtigt und aktuell wurden bzw. werden gerade im Naturpark Aukrug, im Gebiet der Holmer Sandberge und am Sachsenwald offizielle Infotafeln speziell für Reiter und Fahrer errichtet. Dennoch ist es unerlässlich, stellten die beiden Rittführerinnen klar, dass man zum einen den guten Kontakt zu den zuständigen Stiftungen und Behörden pflegen muss,  zum anderen selbstverständlich eine besondere Rücksicht in den Schutzgebieten walten lässt und sich letztlich wo nötig auch nur mit fachkundiger Begleitung auf den Weg macht.

Von ebenfalls positiven Entwicklungen konnte Reitwegeberaterin Dr. Deike Timmermann berichten, denn Anfang Mai konnte in der Aktivregion „Mitte des Nordens“ das 384 km umfassende Reit- und Fahrwegenetz des Amtes Schafflund eingeweiht werden. Ganze 10 Jahre hatten sich Birgit Behnemann (die leider nicht selbst anwesend sein konnte) und ihre Mitstreiter dafür eingesetzt und dürfen sich nun endlich über das Ergebnis ihres Durchhaltevermögens freuen.  Um solche Erfolge zu erreichen sei es aber von größter Wichtigkeit, dass sich alle Pferdefreunde vor Ort, vom Verein über den Pensionsbetrieb bis zum privaten Pferdehalter, zusammenschließen und gemeinsam in den Dialog mit den zuständigen Landeignern und Behörden gehen, stellte Dr. Timmermann heraus, denn der Einzelne hätte hier nahezu keine Chance etwas zu bewegen.

Einzeln, aber sehr wohl in der Lage etwas zu bewegen,  sah sich anschließend Wolfsbetreuer Jens Matzen dem vollen,  erwartungsvoll schauenden Saal gegenüber, um über die aktuelle Situation des Wolfes in Schleswig-Holstein zu berichten. Natürlich könne man ein Risiko niemals hundertprozentig ausschließen, gab er zu, erläuterte aber auch zugleich dass die Gefahr für Mensch und Pferd durch den Wolf als sehr gering einzuschätzen sei. In den letzten acht Jahren gab es lediglich 22 belegte Wolfssichtungen in Schleswig-Holstein. Zudem lassen die Beobachtungen darauf schließen, dass die meisten Tiere auf der Durchreise in Richtung Dänemark sind. Bei einem Großteil der Sichtungen und auch der vermuteten Risse handelte es sich um Hunde, nicht um Wölfe. Bisher ist nur der Kreis-Herzogtum Lauenburg als „Wolfsgebiet“ ausgewiesen, was bedeutet, dass sich mindestens ein Tier länger als 6 Monate dort aufhielt, so Matzen. Weitere Sichtungen wurden gemeldet, konnten aber bisher nicht bestätigt werden.

Dennoch, die Angst vor dem Wolf ist dem Menschen zu eigen und auch wenn wilde Wölfe instinktiv eine Scheu vor dem Menschen haben, bleibt die Sorge um die Herden auf der Weide. Das Land bietet daher in ausgewiesenen Wolfsgebieten Unterstützung durch Informationen und auch Mittel zum Herdenschutz. So können z.B. sogenannte „Herdenschutzpakete“ ausgeliehen werden und der Bau eines Schutzzauns kann mit bis zu 80% der Kosten bezuschusst werden. Sollte es trotz allem zum Riss durch einen Wolf kommen, entschädigt das Land den Tierhalter. Hierfür ist es allerdings notwendig, dass ein gerissenes Tier nicht bewegt und ein Wolfsbetreuer verständigt wird, damit mittels DNA-Test festgestellt werden kann, ob es sich wirklich um einen Riss durch einen Wolf handelt. Grundsätzlich, so zeigt eine in Sachsen durchgeführte Studie, fressen Wölfe vornehmlich Wild, Nutz- oder Haustiere kommen nur höchst selten zu Schaden.

„Aber wenn er kommt, dann laufen wir?“ Nein, wer trotz der geringen Wahrscheinlichkeit doch einmal einem Wolf begegnet, der sollte nicht weglaufen (damit würde der Jagdtrieb geweckt), sondern entweder ruhig weiter reiten bzw. fahren oder wenn nötig den Wolf laut und aggressiv angehen um ihn zu verschrecken. In jedem Fall muss aber davon Abstand genommen werden, den Wolf aus Faszination anlocken oder anfüttern zu wollen, weil er sonst auf Futtersuche weiter in bewohnte Gebiete vordringen würde.

Aber ganz gleich ob man seinetwegen fasziniert oder besorgt ist,  der Wolf ist hier und steht nach momentaner Gesetzeslage unter Artenschutz. Es ist also an uns umsichtig zu handeln und gemeinsam mit Landes- und Naturschutzvertretern entsprechende Maßnahmen für ein möglichst sicheres Miteinander zu erarbeiten. Das MELUR ist gegenwärtig bereits bemüht das Wolfsmanagement in Schleswig-Holstein neu aufzustellen. Umfassende Informationen und Beratung rund um das Thema Wolf in Schleswig-Holstein sind auf der Website www.wolfsbetreuer.de zu finden.

Maritres Hötger, Pferdesportverband Schleswig-Holstein e.V.

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