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Königssee und Amazin Prince sichern sich Siegerschärpen

"Busch"-Champions Königssee und Amazin Prince sichern sich Siegerschärpen

Freude bei den Trakehner-Fans: Bei den DKB-Bundeschampionaten in Warendorf ertönte auf dem Vielseitigkeitsplatz gleich zwei Mal die Siegerfanfare für einen Champion mit dem Elchschaufel-Brand.

Warendorf. Bei den fünfjährigen Vielseitigkeitspferden siegte der dunkelbraune Wallach Amazing Prince mit Stephanie Böhe im Sattel, bei den Sechsjährigen hatte der gekörte Hengst Königssee, vorgestellt von Ingrid Klimke, die Nase vorn. Der Titel bei den fünf- und sechsjährigen Vielseitigkeitsponys ging an das westfälisch gezogene Pony Nibelungenstern B.

„Es geht nur mit Trakehnern“, scherzte Ingrid Klimkes Mann Andreas Busacker nach deren Geländeritt. Mit dem gekörten Hengst Königssee, einem Sohn des Interconti und der Trakehner Prämien- und Elitestute Königsfee v. Tambour aus der Zucht des Dr. Elke Söchtig (Gestüt Elmarshausen, Wolfhagen) und im Besitz der Lorenzen & Schreiber GbR (Nuthetal) stellte die Olympiareiterin ihren dritten Bundeschampion nach Windfall (1998) und Seecookie (2004) vor, beides ebenfalls Trakehner. Königssee, der im vergangenen Jahr noch von Klimkes ehemaliger Auszubildender Pia Gerullis (geb. Rumpel) in Warendorf vorgestellt worden war, erzielte in allen drei Teilprüfungen des Finales Topnoten. In der Dressur vergaben die Richter für „die sichere Vorstellung, die sehr ansprechenden Grundgangarten und die gute Anlehnung“ die Wertnote 8,4. Für das fehlerfreie Springen, bei dem sie sich lediglich "etwas mehr Bascule" gewünscht hätten, die 8,6. Ebenfalls eine 8,6 gab es zum Abschluss für den Geländeritt, die doppelt in das Endergebnis von 34,2 Punkten einfloss. Auch hier attestierte die Jury dem Hengst eine hohe Rittigkeit. „Er ist immer sicher auf der Spur“, sagte Bundestrainer Hans Melzer, der die Richterurteile kommentierte.

Gleich zwei Pferde kamen auf ein Endergebnis von 33,4 Punkten. Dank der besseren Geländenote (8,7) darf sich der Westfale Black Rock H zum zweiten Mal mit den Titel des Vizechampions schmücken. „Ein Pferd, das man sich gut im großen Sport vorstellen kann“, sagte Melzer über den gekörten und leistungsgeprüften Hengst aus der Zucht von Hans Hoffrogge (Dorsten), der auch in diesem Jahr von Jens Hoffrogge vorgestellt wurde. Black Rock H, ein Sohn des Black Jack und Jens Hoffrogges ehemaliger Erfolgsstute Laroxa v. Larome, lieferte wie im vergangenen Jahr in der Dressur (7,5), aber vor allem auch im Parcours eine gute Vorstellung ab (8,5).

Zwei Zehntel „schlechter“ als Black Rock H, mit einer 8,5, schnitt die Hannoveraner Stute Classic Royetta auf der finalen Geländestrecke ab und erhielt dafür die die Bronzemedaille. „Ein modernes, sportliches Pferd, das alles für den Vielseitigkeitssport mitbringt“, so das Richterurteil. Die schwarzbraune Stute, eine von zwei Royal Classic-Nachkommen des Finales aus einer Florestan I-Mutter, stammt aus der Zucht von Gerhard de Vries (Zetel) und ist im Besitz von Alessandro Vanni (Italien). In der Dressur erzielte sie mit einer 8,3 die drittbeste Note, im Springen zeigte sie „viel Qualität und Vermögen am Sprung“, allerdings gab es ein Zehntel Abzug für Zeitüberschreitung (8,1).

Das beste Geländeergebnis im Finale, eine 8,8, erzielte der zweite Royal Classic-Nachkomme: die Hannoveraner Stute Ramona aus der Zucht von Jürgen Mindermann, vorgestellt von Andreas Dibowski (Döhle). „Ein Pferd, das den Anforderungen des Sports in Zukunft entspricht: bergauf, mit dem ‚Motor‘ hinten, immer sicher abfußend, vermögend und mit viel Selbstvertrauen“, so der Kommentar. Zusammen mit den Ergebnissen aus der Dressur (6,8) und Springen (8,3) ergab dies ein Ergebnis von 32,7 Punkten, Platz sechs.

„Selten haben wir bei den Sechsjährigen ein so gutes Feld gesehen. Man kann man sich gut vorstellten, dass es viele von ihnen in den großen Sport schaffen. Sonst war es meist bei den Fünfjährigen so“, zog Hans Melzer sein Fazit. „Fast alle sind mit dem anspruchsvollen Kurs gut zurechtgekommen, es war toll zu sehen, wie sie galoppieren konnten.“ Es waren die ersten DKB-Bundeschampionate, bei denen der umgestaltete Vielseitigkeitsplatz mit dem neuen großen Teich und eine deutlich veränderte Linienführung zum Einsatz kam.

Fünfjährige Vielseitigkeitspferde: Auftaktsieg für Amazing Prince
Bei den Fünfjährigen siegte der Trakehner Wallach Amazing Prince aus der Zucht und im Besitz der Philipp GbR, Klaus Dieter, Karen und Gerd Philipp, aus dem badischen-württembergischen Neuenhausen. Vorgestellt wurde der Sohn des Prince Patmos aus einer Heraldik xx-Mutter von Stephanie Böhe, die bereits im vergangenen Jahr mit dem Hannoveraner Michel den Sieger bei den fünfjährigen Vielseitigkeitspferden gestellt hatte und in diesem Jahr insgesamt fünf Pferde an den Start brachte. „Leichtfüßig, mutig, mit guter Vorderbeintechnik“, so beschrieb Hans Melzer den Dunkelbraunen, der gleich als erster Starter für einen Auftakt nach Maß sorgte und mit seinen Noten in Dressur (7,3), Springen (7,8), Geländeritt (8,8) und dem daraus resultierenden Gesamtergebnis von 32,7 am Ende auch den Sieg davontrug.

Ein Grund dafür war allerdings auch das Pech des als Favoriten gehandelten Quadro Jape, einem Oldenburger von Quadros – Jape xx. Der Fuchswallach, der mit Weltmeisterin Sandra Auffarth (Ganderkesee) im Sattel überlegen die Finalqualifikation gewonnen hatte, startete von Platz eins nach Dressur (8,5) und Springen (8,7) in den finalen Geländeritt, wo er überraschenderweise zwei Mal an einem Eckensprung vorbeilief. Bem dritten Versuch klappte es zwar, kostete aber viel Zeit. Damit schien der Weg frei für den Holsteiner Wallach Costbar (v. Clarimo – Contender), der Quadro Jape nach Dressur (8,8) und Springen (8,0) auf dem Fuß folgte. „Ein kostbares, qualitätvolles Vielseitigkeitspferd, sehr rittig und mit viel Vermögen ausgestattet“, so das Richterurteil für Braunen aus der Zucht von Hanno Köhncke (Badendorf) und im Besitz von Dörthe Loheit (Radbruch). Lediglich etwas flüssiger hätten sich die Richter die Vorstellung gewünscht, für die es einen Abzug von 0,3 Punkten für Zeitüberschreitung gab (7,7). Ohne diese hätte es auch zum Titel gereicht, so wurde es für Costbar und seine Reiterin Marina Köhncke mit 32,2 Punkten die Bronzemedaille.

Silber sicherte sich daher die Hannover Stute Quirly (v. Quintender – Gloster) aus der Zucht von Andreas Schnackenberg (Vorwerg-Buchholz) und im Besitz von Kirsten Kistermann (Hamburg). Mit Anna Siemer (Salzhausen) im Sattel erhielt sie eine 7,0 in der Dressur, eine 8,2 im Springen sowie eine 8,6 im Gelände. „Ein sehr qualitätvolles Pferd mit schöner Selbsthaltung, räumendem Galopp und viel Kraft am Sprung“, so das Urteil der Richter, die der Stute das Potenzial für ein künftiges Vielseitigkeitspferd bescheinigten.

Vielseitigkeitsponys: Nur zwei Medaillengewinner
Während die Starterfelder bei den Vielseitigkeitspferden mit 56 Fünfjährigen und 37 Sechsjährigen die übliche Größe hatten, war die Anzahl der Vielseitigkeitsponys sehr überschaubar. Es seien weniger Qualifzierte als sonst gewesen und einige von ihnen hätten nach dem vor einigen Jahren eingeführten Trainingstag beschlossen, besser noch nicht in Warendorf an den Start zu gehen, so die Begründung von Fritz Lutter, Bundestrainer der Ponyvielseitigkeitsreiter. Am Ende waren es sechs Kandidaten, die sich um den Titel bewarben, von denen allerdings nur zwei den finalen Geländekurs bewältigten.

Wie bei den fünfjährigen Pferden war es gleich der erste Starter, der am Ende den Sieg davontrug: der knapp 1,43 Meter westfälisch gezogene Nibelungenstern B (v. Nibelungenheld) aus der Zucht und im Besitz von Angela Bottermann (Voerde). „Wir haben einen tollen Auftakt gesehen, ein Pony, das sehr gleichmäßig und sicher an den Hilfen steht, immer mit entsprechendem Grundgalopp und sicherer Vorderbeintechnik, mutig an allen typischen Geländehindernissen“, gab Hans Melzer das Urteil der Richter weiter. Mit einer glatten 9,0 knüpfte Nibelungenstern B an seine Leistungen aus dem Parcours an, den er mit einer Nullrunde und der Bestnote 8,5 verlassen hatte. Lediglich in der Dressur sahen die Richter noch Verbesserungspotenzial hinsichtlich der Losgelassenheit (6,3), was sicher auch der Championatsatmophäre geschuldet war. „Man merkt schon, dass sich das ganze Tamtam einer so großen Prüfung auf Pony und Reiter überträgt“, sagte die Züchterin, die mit Dorette B bereits 2012 die Drittplatzierte bei den Vielseitigkeitsponys stellte. Auch diese stammt aus der Welsh-B-Staatsprämienstute Atleen v. Amigo Valeur, dem ehemaligen Lehrpony ihrer Tochter Helena Bottermann, die Nibelungenstern B in Warendorf präsentierte. Der Erfolg kam nicht von ungefähr, denn beide konnten in diesem Jahr bereits eine Abteilung der Goldene Schärpe gewinnen, waren Dritte bei den bei Rheinischen Meisterschaften in Hünxe und Dritte mit dem rheinischen Team beim Bundesnachwuchschampionat in Warendorf.

Auf dem zweiten Platz landete der Falbe Volano CR. Der ebenfalls sechsjährige, im Rheinland gezogene Falbe war neben dem Sieger der einzige, der das 1.450 Meter lange Gelände mit seinen 14 Hindernissen beenden konnte. Zwar wünschten ihm die Richter gelegentlich etwa mehr „Zug zum Sprung“, bescheinigten ihm allerdings eine gute Sprungtechnik. Abzüge gab es jedoch für eine Verweigerung und daraus resultierende Zeitfehler, woraus sich der Abstand der Endergebnisse von Nibelungenstern B (32,8) und Volano CR (23,2) erklärt. Volano stammt aus der Zucht und dem Besitz von Christian Richter (Düsseldorf) und ist ein Sohn von dessen Hengst Voyager, der selbst vor genau zehn Jahren nicht nur das Bundeschampionat des deutschen Vielseitigkeitsponys sondern parallel auch des deutschen Dressurponys gewinnen konnte. Vorgestellt wurde Volano CR von Jana Lehmkuhl (Voerde).

Die übrigen vier Paare schieden nach Verweigerungen aus. Besonders hart traf es die nach Dressur und Springen führende Anja Schöniger (Lengenfeld) und ihre in Sachsen-Thüringen gezogene Schoensgreens Haifa (v. Black Horse – Saami xx). Beide kamen bis zum letzten Hindernis, dort stoppte die Schimmelstute so abrupt, dass die Reiterin auf dem Hals landete. Sie konnte sich zwar wieder zurück in den Sattel retten, allerdings hatte sich bei dem unfreiwilligen „Stunt“ die Airbagweste ausgelöst, womit die Reise an dieser Stelle endete. „Das war wirklich schade. Ich glaube, wir müssen das Qualifikations- und Vorbereitungskonzept fürs kommende Jahr noch einmal überdenken“, kündigte Fritz Lutter.

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