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Schweiß, Blut und Jubel

Auftakt der 505er-WM vor Kiel Schweiß, Blut und Jubel

Der erste Tag der Weltmeisterschaft der 505er-Segler vor Kiel hatte mehr zu bieten, als so manche Crew verkraften konnte. Bei Winden zwischen fünf und sechs Beauforts sowie einer steilen und unangenehmen Welle schickte Wettfahrtleiter Peter Ramcke vom Kieler Yacht-Club am Sonnabend die 162 Crews zu zwei langen und harten Rennen auf den Kurs.

Furioser Auftakt der Weltmeisterschaft mit zwei anspruchsvollen Rennen auf Stollergrund: Hier jagt Steuerfrau Meike Schomäker mit Holger Jess durch die aufgewühlte See. Im zweiten Rennen zog sich der Vorschoter eine stark blutende Platzwunde zu, fuhr dennoch mit seiner Skipperin als elfter über die Ziellinie - gute Besserung!

Quelle: Paesler

Kiel. Es gab zahlreiche Kenterungen, eine klaffende Platzwunde und etliche Crews, die den Bedingungen Tribut zollen mussten und vorzeitig in den Hafen fuhren. Ganz vorn regieren mit einem Sieg und einem zweiten Platz Morten Bogacki und Lars Dehne (Kiel) vor den Briten Andy Smith/Tim Needham und den US-Amerikanern Mike Holt/Rob Woelfel.
Knallharter erster Tag für die 162 Teams bei der SAP 505er Weltmeisterschaft vor Kiel. In zwei langen Rennen kämpften die Crews mit Winden zwischen fünf und sechs Beaufort, einer steilen Welle auf dem Stollergrund und der eigenen Kondition. Zahlreiche Teams mussten den Belastungen Tribut zollen, es gab Kenterungen en masse, und etliche Crews kehrten vorzeitig in den Hafen zurück. Die Spitzenteams aber demonstrierten Segelsport der Extraklasse, fuhren im Highspeed-Modus über den Kurs und setzten erste Ausrufezeichen zum Start in die WM. Ganz vorn regieren mit einem Sieg und einem zweiten Platz Morten Bogacki und Lars Dehne (Düsseldorf/Zwischenahn) vor den Briten Andy Smith/Tim Needham und den US-Amerikanern Mike Holt/Rob Woelfel.
Nachdem auf dem Weg zum Start schon einige Crews nach Kenterungen und erheblichen Problemen die Segel streichen mussten, zeigten im ersten Rennen zunächst die Kieler Jens Findel/Johannes Tellen, die WM-Dritten von 2006, ihre Vorliebe für den starken Wind. Über weite Strecken führten sie das Feld an, ließen sich aber auf dem letzten Schenkel noch von Morten Bogacki/Lars Dehne abfangen. Bogacki/Dehne waren über das gesamte Rennen mit gutem Speed und nahezu perfekten Manövern unterwegs und kämpften sich von Rang vier an der ersten Bahnmarke bis zum Tagessieg vor. Damit legten die WM-Vierten von 2012 den Grundstein für einen starken Auftakttag, dem sie gleich auch noch einen zweiten Platz im zweiten Rennen folgen ließen. „Das war bombastisch. Besser kann ein erster Tag kaum laufen. Bei solch einem Riesenfeld und diesem Wind kann schnell was passieren und dann verliert man 20 bis 30 Plätze. Man musste schon die ganze Zeit konzentriert arbeiten“, berichtete Bogacki, der mit dem Speed seines neuen „Jess Evolution“-505ers sehr zufrieden war. „Aber dieser Wind liegt uns auch. Wir hatten nur ein, zwei kritische Situationen. Trotzdem darf man jetzt nicht zu hoch drehen. Denn am ersten Tag kann man eine WM zwar verlieren, aber niemals gewinnen.“
Die Vorsicht scheint angebracht, denn die Briten Smith/Needham ließen sich mit den Plätzen vier und drei niemals abschütteln und scheinen zu dieser WM die perfekte Abstimmung gefunden zu haben. „Unsere beste WM-Platzierung bisher war ein 17. Platz vor vier Jahren in Dänemark. Heute lief es für uns sehr gut. Aber es war auch ein aufregender erster Tag mit schwierigen Wellenbedingungen. Der Wind war für die guten Crews okay“, sagte Smith.
Sehr überzeugend agierte zum Auftakt Mike Holt, der von vielen Konkurrenten zum Top-Favoriten auf den Titel erklärt worden ist. Nach dem siebten Platz im ersten Rennen drehte er im zweiten richtig auf, raste an den zunächst führenden Briten vorbei und baute seine Führung auf die Verfolger auf über einhundert Meter aus. „Das hat wirklich Spaß gemacht. Ein toller Tag mit viel Wind, in dem wir schnell unterwegs waren, und auch in den Manövern hat alles geklappt“, so Holt. „Unser Ziel jetzt? Na, wir sind doch alle wegen des Titels hier!“
In den Top-Ten des ersten Tages rangieren weitere vier deutsche Crews. Stefan Böhm/Gerald Roos (Köln) haben nach dem Vize-WM-Titel des Vorjahres wieder gut in die Spur gefunden und rangieren vor Stefan Köchlin/Andreas Achterberg (Schluchsee) auf Platz vier. Sechster ist derzeit Rekord-Weltmeister Wolfgang Hunger mit Julien Kleiner (Strande/München). Und auf Platz neun folgt als beste Steuerfrau Meike Schomäker (Kiel), die allerdings mit einem blutüberströmten Vorschoter Holger Jess in den Hafen kam. „Es ist in der vorletzten Wende vor dem Ziel passiert. Der Schwertkopf war härter als die Stirn. Aber wir haben es noch ins Ziel und bis in den Hafen gebracht“, erklärte Holger Jess, bevor er sich mit einer Platzwunde über dem linken Auge ins Krankenhaus fahren ließ, später aber mit einem dicken Pflaster wieder zurückkehrte – am Ende eines harten und aufregenden ersten Regattatages bei der 505er Weltmeisterschaft.

Ein Artikel von
Ralf Abratis
Sportredaktion

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