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„Ich glaube an eine Medaille“

DSV-Cheftrainer David Howlett „Ich glaube an eine Medaille“

Zwei Medaillen, drei weitere Top-Ten-Platzierungen – ist das Ziel des Deutschen Segler-Verbandes (DSV) und der deutschen Segel-Nationalmannschaft (STG) zu ambitioniert? DSV-Cheftrainer David Howlett weiß, dass es schwierig wird, glaubt aber an eine Medaille.

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Die Segler testeten die Guanabara-Bucht vor Rio bereits (hier die 49er im vergangenen Jahr), im August geht es hier um die olympischen Medaillen.

Quelle: imago/Fotoarena

Kiel. Sieben deutsche Boote gehen an den Start, in drei Klassen – Finn, Laser Radial und RS:X der Frauen – scheiterten die STG-Segler in der Qualifikation. Die großen Olympia-Erfolge deutscher Segler sind länger her: Die letzte Medaille holten Jan und Hannes Peckolt 2008 (Bronze im 49er), der letzte Olympiasieg datiert aus dem Jahr 1996 (Thomas Flach, Bernd Jäkel und Jochen Schümann im Soling).

 „In Deutschland gibt es ein großes Problem: Die Segler hören zu früh auf, um sich ihrer ,richtigen’ Karriere zu widmen“, sagt der Brite Howlett. „Ihnen fehlt dadurch die Zeit, sich seglerisch zu entwickeln.“ Er führt das Beispiel Simon Grotelüschen an: Nachdem der Lübecker 2008 die Qualifikation für die Spiele in Peking knapp verpasst hatte, wurde er 2012 in Weymouth Sechster. „Dieses Jahr – im Alter von 29 Jahren und mit der Erfahrung einer olympischen Regatta – hätte er gute Chancen gehabt.“ Doch Grotelüschen widmete sich dem Medizinstudium, steht heute kurz vor der Approbation. „In einem anderen Land wäre er weitergesegelt“, ist sich Howlett sicher. „Vielleicht wird Segeln in Deutschland nicht als seriöse Karriere angesehen. Vielleicht sind die Deutschen auch einfach zu fleißig. Die Frage nach dem Warum ist hochphilosophisch.“

 Seit 1988 sind Profi-Segler bei Olympia zugelassen, laut Howlett ist die Szene seitdem „erwachsen geworden“ – nur eben hierzulande nicht. In eine ähnliche Richtung ging sein Landsmann Russell Coutts, fünffacher America’s-Cup-Gewinner, als er sagte, Deutschland wolle beim Hochseesegeln mit Amateuren in der Champions League mitspielen. „Ein deutsches America’s-Cup-Team würde den olympischen Seglern in Deutschland guttun“, sagt Howlett. Ein Seitenblick: Peter Burling, Olympia-Topfavorit im 49er, ist Steuermann des neuseeländischen America’s-Cup-Teams, der Australier Nathan Outteridge steuert das schwedische Artemis-Boot.

 Deutsche Segler haben zudem Probleme in Revieren mit starker Strömung. „Deutschland ist das einzige Land, in dem man Strömung in Metern pro Minute misst – bei uns sind das Knoten oder Meter pro Sekunde!“, sagt Howlett und lacht. Olympische Regatten finden meist in Strömungsrevieren statt, die deutschen Reviere von Ostsee bis Bodensee weisen keine oder kaum Strömung auf. „Die Deutschen müssen mehr in Cuxhafen und anderen Nordseerevieren trainieren“, fordert der Brite. „Sie müssen das lernen.“

 Die Probleme lassen sich nicht kurzfristig lösen. Trotzdem ist Howlett mit seinen Seglern zufrieden, traut ihnen einiges zu. „Ich glaube, dass wir eine Medaille gewinnen werden – vielleicht sogar eine, mit der man nicht rechnet.“

 LASER: „Die Spitze ist sehr breit, neun bis zwölf Boote haben eine Medaillenchance“, sagt Howlett. Der Sonthofener Philipp Buhl gehört dazu, die Konkurrenz ist namhaft: Europameister Jesper Stalheim (Schweden), der mit fünf Olympiamedaillen und neun Laser-WM-Titeln dekorierte Lokalmatador Robert Scheidt (Brasilien), Weltmeister Nick Thompson (Großbritannien).

 49er: „Erik Heil und Thomas Plößel gehören zu den sechs Medaillenkandidaten“, sagt Howlett. Doch eigentlich sind zwei Medaillen schon vergeben. „Ich denke, Peter Burling/Blair Tuke (Neuseeland) und Nathan Outteridge/Iain Jensen (Australien) werden unter die Top Drei kommen. Dann bleiben vier Boote für eine Medaille“, sagt Howlett, der Heil/Plößel auf einem Niveau mit den anderen Konkurrenten wie Nico Delle Karth/Niko Resch (Österreich) sieht.

 49erFX: „Vicky und Anika sind sehr ruhig bei schwierigen Bedingungen. Sie könnten eine Überraschung werden“, sagt Howlett über Victoria Jurczok und Anika Lorenz (Berlin). Zu den Top-Favoriten zählt er sie aber nicht – zu stark sei die Konkurrenz, darunter Annemiek Bekkering/Annette Duetz (Niederlande), Jena Mai Hansen/Katja Salskov-Iversen (Dänemark) und Giulia Conti/Francesca Clapcich (Italien). „Giulia ist sehr erfahren, sie war schon dreimal bei Olympia“, sagt Howlett. Die Italienerinnen wurden zudem 2015 Weltmeisterinnen.

 470er M: „Mathew Belcher und Will Ryan sind die klaren Favoriten“, sagt Howlett. Die deutschen Starter Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski (München/Kiel) wurden 2015 Europameister, mussten 2016 aber einige Rückschläge verkraften. „Ferdi arbeitet sehr hart, ist sehr ehrgeizig. Olli und er passen gut zusammen. Vielleicht haben sie eine kleine Chance“, erklärt Howlett. Weitere Medaillenanwärter: Šime Fantela/Igor Marenic (Kroatien), Luke Patience/Chris Grube (Großbritannien) und Panagiotis Mantis/Pavlos Kagialis (Griechenland).

 470er F: „Das Niveau ist insgesamt nicht so hoch, aber mit Lara Vadlau/Jolanta Ogar aus Österreich und den Britinnen Hannah Mills/Saskia Clark sind sehr erfahrene Teams am Start“, sagt Howlett. Auch die Brasilianerinnen Fernanda Oliveira/Ana Barbachan könnten in heimischen Gewässern ein Wörtchen mitreden. Annika Bochmann und Marlene Steinherr (Berlin) fliegen eher etwas unter dem Radar.

 NACRA17: Welche deutsche Crew nach Rio fährt, steht noch nicht fest. Die Kieler Paul Kohlhoff/Carolina Werner liegen vor Jan Hauke Erichsen/Lea Spitzmann (Flensburg). „Paul und Caro müssen ihr Potenzial abrufen, dann sind sie etwas stärker“, sagt Howlett. Das größte Problem: „Beide Crews sind sehr wenig in Rio gesegelt, müssen dort vor den Spielen noch intensiv trainieren.“ Aber der Coach ist optimistisch, dass die Deutschen in den Kampf um die ersten Medaillen der neuen Mixed-Katamaran-Klasse eingreifen können. Die Favoriten heißen Billy Besson/Marie Riou (Frankreich), Vittorio Bissaro/Silvia Sicouri (Italien) und Allan Nørregaard/Anette Viborg Andreasen (Dänemark).

 RS:X M: „Du musst ein echter Athlet sein, um erfolgreich zu sein“, sagt David Howlett. Das ist Toni Wilhelm, Deutschlands Einzelkämpfer auf dem RS:X-Board, sicher. „Er könnte eine Medaille gewinnen, er ist sehr erfahren.“ Die größten Konkurrenten sind Dorian van Rijsselberge (Niederlande), Nick Dempsey (Großbritannien), Pierre Le Coq (Frankreich) und Wang Aichen (China).

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