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Doch kein Tag zum Vergessen

Kieler Woche / Segeln Doch kein Tag zum Vergessen

Die Kieler 29er-Segler Gwendal Lamay und Luke Willim holen sich trotz eines ganz schlechten Abschlusses den Kieler-Woche-Sieg. Auch im Folkeboot triumphiert ein Kieler, der mit 13 Jahren jüngste Gesamtsieger segelt im Hobie 16.

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Schnappten sich trotz eines Tages zum Vergessen den Kieler-Woche-Sieg. Die Kieler 29er-Segler Gwendal Lamay (re.) und Luke Willim.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Drei Tage lang stark gesegelt, konstant gute Platzierungen eingefahren, in Führung vor den Abschlussrennen – und dann das: Erst ein mittelprächtiger siebter Rang, dann nicht ins Ziel gekommen, ein nicht mal mehr mittelprächtiger elfter Platz und eine Disqualifikation. „Als wir an Land kamen, waren wir richtig angepisst, haben schnell abgebaut und wollten mit niemandem mehr reden“, erklärte Luke Willim, dem dieses Horroszenario ordentlich die Laune verhagelte. Doch der Blick auf die Ergebnisliste überraschte: Gemeinsam mit seinem Steuermann Gwendal Lamay hat der Lokalmatador die Kieler Woche gewonnen.

 „Das war eigentlich ein Tag zum Vergessen“, fasste Lamay das Geschehen auf dem Wasser zusammen. „In der ersten Wettfahrt hat sich eine Wolke über das Regattafeld gelegt und für instabile Bedingungen gesorgt.“ Die Kieler fielen nach Führung auf der Startkreuz auf Rang 20 zurück, retteten sich am Ende auf Platz sieben. „In der zweiten Wettfahrt ist uns das Großfall gerissen, das haben wir erst kurz vor dem dritten Rennen wieder festbekommen“, sagte Lamay. „In der dritten Wettfahrt wollten wir dann wieder angreifen, aber wir hatten den Kopf nicht frei.“ Im vierten Rennen kam auch noch eine Disqualifikation am Start dazu. „Bei der WM müssen wir echt besser aufpassen“, blickte Lamay schon auf die letzte Regatta im 29er voraus, ehe der Umstieg in den größeren 49er erfolgt.

Schlechte Ergebnisse der Konkurrenz

 Dass es am Ende trotz allem zum Kieler-Woche-Titel gereicht hat, lag auch an den schlechten Ergebnissen der direkten Konkurrenz. Die lange führenden Niederländer Pieter van Leijen/Daniel Bramervaer fielen auf Gesamtrang acht zurück, auch die Dänen Marcus Kirketerp/Sebastian Olsen konnten die Ausrutscher der Mitfavoriten nicht nutzen. Überragend aus Kieler Sicht: Vier Crews stehen am Ende unter den ersten fünf, Alica Stuhlemmer/Tom Heinrich sicherten sich noch vor den Dänen Platz zwei.

Hier sehen Sie Bilder von der Kieler Woche 2016 - 21.06.2016

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 Genau andersherum gestaltete sich die Kieler Woche 2016 für die Flying-Dutchman-Crew Kilian König/Johannes Brack: Die beiden Hannoveraner starteten mit zwei Streichern, konnten die ersten Wettfahrten nicht fahren. „Schon vor dem Start hat es bei uns im Schwertkasten geblubbert, kurz danach ist unser neues Schwert in der Mitte auseinandergebrochen“, erklärte König, wie es zu diesem Fehlstart kam. „Wir haben uns noch gerade so in den Hafen gerettet, waren zur zweiten Wettfahrt aber fünf Minuten zu spät.“ Doch die WM-Dritten von 2015 glaubten weiter an den Erfolg, fuhren anschließend bis zur letzten Wettfahrt nur noch erste und zweite Plätze. „Am letzten Tag haben wir dann auf den Zweiten geguckt und sind immer an ihm drangeblieben“, sagte Vorschoter Brack über das Duell mit den Vorjahressiegern Shmuel Markhoff und Michael Happig aus Frankfurt. Das Fazit: „Wir sind momentan gut drauf, es macht Spaß.“

 Spaß, aber vor allem harte Arbeit war die Kieler Woche für die Brüder Helge und Christian Sach im Formula18. „Das war echt hart“, sagte Christian Sach über die Starkwindbedingungen auf der Förde. „Wir müssen einfach mehr tun. Früher haben wir uns über eine vierte Wettfahrt am Tag gefreut, jetzt waren wir nach dreien echt kaputt“, ergänzte sein Bruder Helge. Über die gesamte Dauer des Wettkampfs lieferten sich die Zarnekauer ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Flensburgern Finn Heeg und Merle Baars. „Die segeln echt super“, sprach Christian Sach den ehemaligen Nacra-Seglern ein Kompliment aus. Das glückliche Ende hatten die Ostholsteiner für sich, mit zwei Punkten Vorsprung konnten sie ihren Titel verteidigen.

Vierter Kieler-Woche-Sieg für Ingo Delius

 Etwas langsamer, aber nicht weniger sportlich ging es auf derselben Bahn im Hobie16 zur Sache. Der Bielefelder Ingo Delius heimste seinen vierten Kieler-Woche-Sieg ein, diesmal mit dem 13-jährigen Kai Tittjung an der Vorschot, der damit der jüngste Sieger dieses Jahres ist. „Ich habe schon gedacht, dass wir vorne mit dabei sein werden, aber in diesem starken Feld nicht gedacht, dass wir gewinnen“, sagte der junge Katamaransegler, der kaum Eingewöhnungszeit auf dem ungewohnten Revier brauchte: „Bei uns im Süden ist ja selten mal Windstärke sechs, auch die Welle bin ich noch nicht gewöhnt“, sagte der Badener, der am Goldkanal in Rastatt zu Hause ist. Im dortigen Baggersee wurde in den 1930er und 40er Jahren nach Flussgold geschürft – nun bringt Kai Tittjung Kieler-Woche-Gold mit nach Hause.

 Bei den 505ern musste sich Wolfgang Hunger wie schon 2015 mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Die Briten Andy Smith und Tim Needham konnten sogar auf den Start in der letzten Wettfahrt verzichten, lagen am Ende vier Punkte vor dem Strander Kieler-Woche-Rekordsieger. Im Folkeboot brachter der Kieler Ulf Kipcke den Sieg nach Hause und verteidigte damit seinen Titel. Der Sieg im Musto Performance Skiff war für Frithjof Schwerdt (Kiel) schon vor dem letzten Regattatag nur noch Formsache.

 Im der offen ausgeschriebenen Laser-Radial-Konkurrenz konnten Leonhard Hanisch und Nico Steenbuck ihre guten Ergebnisse vom Auftaktwochenende nicht ganz halten, die Schüler des Sportinternats in Schilksee wurden am Ende 13. und Neunter. Beste Deutsche wurde die Wunstorferin Pia Kuhlmann auf Platz vier, der Finne Aleksi Tapper durfte sich über den Titel freuen. Bei den kleineren Laser 4.7 fiel die Berlinerin Julia Büsselberg mit einer Disqualifikation im letzten Rennen noch auf Platz vier zurück, es gewann der Schweizer Gauthier Verhulst. Bei den Contendern machten die dänischen Starter den Sieg unter sich aus, am Ende hieß es Andreasen vor Nielsen und Kristensen. In der fuhren die vom Starkwind bevorteilten Lars Brodtkorb (Norwegen), Valérian Lebrun (Frankreich) und Fabian Kirchhof (Herford) aufs Podium. In der OK-Jolle trat der Schweriner André Budzien am letzten Tag nicht mehr an, fiel so auf Rang drei hinter Thomas Hansson-Mild (Schweden) und Jim Hunt (Großbritannien) zurück.

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Ein Artikel von
Niklas Schomburg
Sportredaktion

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