2 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Es fehlt die Kirsche auf der Sahne

Kieler Woche 2016 Es fehlt die Kirsche auf der Sahne

Gutes Wetter, mehr als 4000 Segler, spannende Entscheidungen nicht nur am Schlusstag: Die Segelwettbewerbe der Kieler Woche konnten sich sehen lassen. Auch wenn an einigen Stellschrauben gedreht werden muss, waren Athleten und Organisatoren zufrieden Veranstaltung.

Voriger Artikel
Nach der Kieler Woche kommt die WM
Nächster Artikel
Seglerduo Plößel/Heil kritisiert fehlende Beratung

Matti Cipra war mit seinem Steuermann Malte Winkel einer von 80 Teilnehmern bei der 470er-Junioren-WM. Solche Meisterschaften sind wichtig für die Kieler Woche, können aber auch negative Folgen für andere Felder haben.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. „Wir können ein durchweg positives Fazit ziehen“, sagte Regatta-Organisationsleiter Dirk Ramhorst. „Ich habe auch von Seglern und Wettfahrtleitern nur positives Feedback bekommen.“ In der Tat war die Stimmung im Olympiahafen durchweg gut, die Organisation verlief weitgehend reibungslos. Und auch die äußeren Bedingungen spielten mit: Das gefürchtete Kieler-Woche-Wetter blieb aus, nur der Start in das Finalwochenende war durch Gewitterfronten und Regen etwas getrübt. Jeder Tag segelbar, vielfältige Verhältnisse – die Sportler konnten das tun, wofür sie gekommen waren: segeln.

 Strukturell präsentierte sich die Kieler Woche auf hohem Niveau, mit dem Obersten Wettfahrtleiter Nino Shmueli aus Israel war der Mann am Ruder, der auch bei den olympischen Segelwettbewerben in Rio dieses Amt bekleiden wird. Shmueli zeigte sich bei seiner zweiten Kieler Woche begeistert von den Regatten und attestierte dem Segelstandort Kiel absolute Weltcup-Tauglichkeit.

 Der verlorene Status bleibt ein großes Thema. Denn die Anziehungskraft für Topstars ist gering: Mit Peter Burling und Blair Tuke aus Neuseeland traten zwar die Topfavoriten auf Olympiagold im 49er an und brachten America’s-Cup-Flair – Burling ist Steuermann des Teams New Zealand – nach Kiel, doch die zweite angekündigte Top-Crew, Mathew Belcher/Will Ryan (Australien), trat kurzfristig doch nicht an. Die 470er-Asse zogen es vor, auf der Förde zu trainieren, statt die Chance auf 3000 Euro Preisgeld wahrzunehmen.

 Das zeigt: Die Kieler Woche ist in der Breite sehr gut besetzt, doch an der Spitze wird es dünn. „Der Kern dieses Events ist die große Anzahl an Seglern, nun muss es gelingen, die Top-Segler zurückzuholen“, sagte der 470er-Klassenpräsident Stanislav Kassarov. „Das wäre dann die Kirsche auf der Sahne.“ Der Bulgare hatte ansonsten nur Lob übrig für die Gesamtveranstaltung wie die integrierte Junioren-WM. „Das war ein großartiges Event, ich bin rundum zufrieden. Die Medienberichterstattung und Segelübertragung sind hier so gut wie nirgends sonst auf der Welt.“

 Die Austragung der WM, die wie die Europameisterschaft der J/70 Kiels Ansehen in der Segelwelt noch weiter gesteigert haben dürfte, zeigte aber auch den organisatorischen Spagat: Vor allem ohne Weltcup sind Meisterschaften wichtig, doch es besteht die Gefahr, sich ins eigene Fleisch zu schneiden – das 470er-Senioren-Feld bestand aus neun Booten. Auch die Nacra-Flotte (sechs) war mehr als überschaubar. „Wenn das keine deutsche Meisterschaft gewesen wäre, hätte die Konkurrenz nicht stattgefunden. Die Mindestteilnehmerzahl wurde deutlich verfehlt“, erklärte Ramhorst.

 Insgesamt jedoch konnten die Organisatoren einen Teilnehmerrekord für ein Olympiajahr verkünden – trotz gesunkener Meldezahlen im Vergleich zu 2015. Stichwort „Olympiadelle“: In einem olympischen Jahr gehen die Zahlen herunter, weil die Teilnehmer den Fokus auf die Spiele legen. „Wir hoffen daher, dass es im nächsten Jahr besser wird“, sagte Ramhorst. Wie das genau aussieht, ist noch nicht ganz klar, nach den Spielen in Rio blickt der Weltverband World Sailing sofort nach Tokio, fasst das Klassen-Portfolio nochmals an. „Da werden sich Änderungen ergeben“, ist sich Ramhorst sicher. Denn World Sailing steht unter Druck, muss attraktiver werden, um nicht um den Olympia-Status bangen zu müssen.

 Der neue CEO des Weltverbandes, Andy Hunt, stattete Kiel am vergangenen Mittwoch einen Besuch ab, verschaffte sich einen Überblick. In den nächsten Monaten wird das Weltcup-Konzept überdacht, Kiel ist weiter im Kreis der Bewerber. Versprechen wollte Hunt naturgemäß nichts, ließ aber Begeisterung durchblicken: „Kiel ist so gut aufgestellt, dass wir hier aus dem Stehgreif olympische Segelwettbewerbe ausrichten könnten. Hier wird Segeltradition gelebt.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Niklas Schomburg
Sportredaktion

Bei SmartBets findest du alle Wettquoten und Buchmacher der 1. Bundesliga.
Mehr aus Segelsport-News 2/3