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Olympischer Glanz und Super Sunday

Kieler Woche Olympischer Glanz und Super Sunday

Rund 4000 Segler aus mehr als 50 Nationen, neun Tage Spitzensport, die Verabschiedung der deutschen Olympiamannschaft und ein „Super Sunday“: Die Kieler Woche 2016 steht in den Startlöchern, und Kieler-Woche-Organisationsleiter Dirk Ramhorst verspricht jede Menge Highlights.

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Zur Kieler Woche Pressekonferenz kamen für die Segelwettbewerbe in Schilksee unter anderem (von links) Philpp Buhl, Caronila Werner, Paul Kohlhoff, Birte Winkel, Theres Dahnke.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. „Wir werden einige Highlights bieten, die teilweise eine mehrjährige Vorbereitung erfordert haben“, sagte Ramhorst. Eines dieser Highlights ist das große Finale am Sonntag, 26. Juni, das auf der Pressekonferenz im Kieler Yacht-Club (KYC) am Dienstag zum „Super Sunday“ deklariert wurde. Denn hier fallen nicht nur in den Medal Races der sieben olympischen und zwei paralympischen Segelklassen die Entscheidungen über den Kieler-Woche-Sieg – auch die in die Kieler Woche integrierte Europameisterschaft der J/70 und die Junioren-Weltmeisterschaft der 470er finden ihren Höhepunkt. „Der Super Sunday ermöglicht uns eine professionelle Medialisierung des zweiten Teils“, erklärte Ramhorst. Spannung ist auch im ersten Teil geboten, wenn neben den internationalen Klassen die Offshore-Segler bei der Generalprobe für die Weltmeisterschaft in Kopenhagen ihren internationalen deutschen Meister (IDM) ausfahren.

Insgesamt zeigten sich die Organisatoren zufrieden mit den Meldezahlen zur Kieler Woche. „Wir haben exzellente Zahlen, vor allem für ein Olympiajahr“, sagte Ramhorst. In einigen Klassen besteht dennoch Nachholbedarf, etwa bei Sonar und 470er (außer Junioren-WM). Bei den olympischen Mixed-Katamaranen Nacra17 – gleichzeitig IDM – etwa haben lediglich sieben Crews gemeldet, darunter mit den Kielern Alica Stuhlemmer und Tom Heinrich gerade erst im Umstieg aus dem 29er begriffene Nachwuchssegler. Auch die amtierenden Kieler-Woche-Sieger Paul Kohlhoff und Carolina Werner (KYC) werden am Start sein, die jungen Kieler haben gerade beim Weltcup in Weymouth Silber geholt und sich so ihre Chance auf eine Olympia-Teilnahme bewahrt (wir berichteten). „Die Kieler Woche hat bei uns immer einen hohen Stellenwert, auch wenn der in diesem Jahr vielleicht eher ideell ist. Wir wollen unseren Titel verteidigen und Werbung für das Event machen“, sagte Steuermann Paul Kohlhoff. „Ich habe von vielen Seglern gehört, dass die Kieler Woche eine tolle Veranstaltung ist, in diesem Jahr wegen Olympia aber einfach nicht in den Terminkalender passt. Das wird im nächsten Jahr wieder anders sein“, ergänzte Vorschoterin Werner. Diese Hoffnung steht auf einem soliden Fundament: 2017 werden die Nacras im Zuge der Kieler Woche ihre Europameisterschaften austragen.

Kiel und dann Rio

Den Blick auf Olympia richtet auch Lasersegler Philipp Buhl. Der in Kiel lebende Sonthofener zählt zu den deutschen Medaillenhoffnungen vor Rio de Janeiro. Kiel und dann ganz viel Segeln vor Rio – das sei der Plan bis zu den Olympischen Spielen (5. bis 21. August), bei denen ab dem 8. August die Laser an den Start gehen. „Die Kieler Woche ist noch mal eine Wettkampf-Probe vor Olympia, danach werde ich noch einmal zehn Tage in Rio sein, um mir dann im Juli vor Kiel den letzten Schliff zu holen und die nötige Ruhe zu tanken“, sagte Buhl. Für eine große deutsche Olympia-Hoffnung baut sich der Druck von allein auf. „Eigentlich kann ich gut mit Druck umgehen. Den habe ich ja nicht allein. Alle Favoriten haben ihn in gleicher Weise. Mir ist es auf jeden Fall lieber, als ein Mitfavorit mit Druck anzureisen als als Nobody ohne Druck. Kurz gesagt: Nur wenn ich zu den Favoriten zähle, fühle ich mich richtig vorbereitet“, erklärte er. Die deutschen Olympia-Teilnehmer werden am Dienstag, 21. Juni, um 16 Uhr im Schilkseer Hafenvorfeld in Richtung Rio verabschiedet – sicher ein emotionaler Höhepunkt.

Während es im kleinen Senioren-Feld der olympischen 470er zum Duell der Olympiafavoriten Matthew Belcher/Will Ryan mit Deutschlands Startern Ferdinand Gerz/Oliver Szymanski kommt, segeln rund 85 Nachwuchs-470er um den Junioren-Weltmeistertitel. „Die Kieler Woche ist jedes Jahr eine Riesenveranstaltung. Für uns steht dieses Jahr aber die WM im Mittelpunkt, daher versuchen wir, die Kieler Woche als Event auszublenden“, sagte Neu-Kielerin Birte Winkel, die gemeinsam mit Theres Dahnke das große Ziel hat, unter die Top Ten zu segeln. Spektakulär wird sicher auch die EM der J/70: Rund 100 Boote haben gemeldet und verzichten auf ein Gruppensegeln, werden also alle gemeinsam an einer Linie starten. 

Mit derartigen Meisterschaften soll die Kieler Woche auch ohne Weltcup-Status weiter gestärkt werden. Carsten Krage, Vorsitzender des Kieler Yacht-Clubs, betonte, dass das Nein zu Olympia zwar wehgetan habe, Kiel aus der Bewerbung jedoch gestärkt hervorgegangen sei. Schleswig-Holsteins Staatssekretär im Ministerium für Inneres- und Bundesangelegenheiten Ralph Müller-Beck schlug in dieselbe Kerbe. „Wir haben nach der Bewerbung beschlossen, dass der Segelstandort in Kiel auch ohne Olympia gestärkt werden muss. Segeln und Kiel, Schleswig-Holstein und Wassersport - das gehört einfach zusammen. Sowohl bei den Wettbewerben auf dem Wasser als auch bei der Infrastruktur an Land haben wir investiert“, so Müller-Beck.

Und die Hoffnung, den Weltcup-Status wiederzuerlangen, ist keineswegs geschwunden. „Die Kieler Woche hat den Weltcup verdient. Das wollen wir dem neuen CEO Andy Hunt von World Sailing bei seinem Besuch hier zeigen“, sagte Ramhorst. Philipp Buhl sieht das ähnlich. „Es kann nicht sein, dass Kiel keinen Weltcup-Status hat, denn der ist essenziell“, sagte er. Der Aktivensprecher der Segel-Nationalmannschaft erklärte: „Das Revier in Kiel ist genauso Weltklasse wie das Programm mit Partnern wie Audi, die den Zuschauern an Land ein fantastisches Show-Programm bieten, wie es das sonst nirgendwo gibt.“

Segeln ist auch Funsport

Neben den sportlichen Spitzenwettbewerben ist auch die Audi Speed Challenge ein Highlight. „Am zweiten Sonnabend ab 18 Uhr treffen drei Foiling Kites, ein Nacra17, ein Nacra20, drei Flying Phantom und je ein A-Cat, 18-Footer sowie ein iFly15 aufeinander, um zu ermitteln, wer der Schnellste auf bzw. über dem Wasser ist“, erklärte Organisationsleiter Ramhorst. Am Start ist auch der Weltumsegler und Rekordjäger Boris Herrmann. „Ich glaube, dass ich da mit meinem Foil-Kite gewinnen kann“, so der gebürtige Oldenburger. „Am Wind halten nur die America’s-Cup-Yachten mit, und raumschots schafft der Foil-Kite bis zu 38 Knoten“, schwärmt der Geschwindigkeits-Liebhaber, der seinen weiteren Ausflug ins Extreme so beschreibt: „Es ist meine Segelneugier. Der nächste Schritt. Segeln ist doch Funsport.“

Auch an Land bietet die Kieler Woche einiges. Mit einer attraktiven Sailors Lounge, dem boot-Düsseldorf-Club, der Kieler Woche Lounge, einer zweistöckigen Audi Lounge sowie einer vielfältigen hochkarätigen Meile in Schilksee geht Kiel konsequent seinen Weg, der dank der Partner Audi, HSH Nordbank, der boot Düsseldorf sowie zahlreicher Förderer und der Unterstützung durch die Stadt Kiel und das Land Schleswig-Holstein möglich ist. An Land sind die Regatten live zu verfolgen. Kieler Woche TV überträgt täglich ab dem ersten Start bis 14.30 die Rennen von der TV-Regattabahn direkt ins Olympiazentrum.

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Ein Artikel von
Niklas Schomburg
Sportredaktion

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