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Ein chilliger Tag in der Gewitter-Warteschleife

Kieler Woche in Schilksee Ein chilliger Tag in der Gewitter-Warteschleife

Gegensätze in Schilksee: Während die meisten Segler am Freitagvormittag in der Sonne dösten, herrschte in den Büros der Verantwortlichen für Wetter und Wettfahrten hektische Betriebsamkeit. Schwer berechenbare Gewitterluft stellte Meteorologe Meeno Schrader und Regatta-Chef Dirk Ramhorst vor eine Herausforderung.

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Großer Andrang bei der Audi-Bühne. Die meisten Segler warteten in den Sonnenstühlen entspannt auf Ansagen zum weiteren Verlauf des Regatta-Tages.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Etliche Starts mussten sie verschieben. „Wegen eines drohenden Gewitters konnte erst nur auf den Bahnen in der Strander Bucht gesegelt werden“, erklärt Ramhorst. „Wir haben die Verantwortung für die Segler und müssen sie rechtzeitig wieder in den Hafen holen können.“ Deshalb ist er in ständigem Austausch mit Meeno Schrader. „Gewitter sind besonders schwer einzuschätzen“, sagt der Meteorologe. Ihre gemeinsamen Entscheidungen kommunizieren sie im Tagesverlauf über den offiziellen Flaggenmast. Weht über der Flagge mit dem Namen der Bootsklasse eine rot-weiß gestreifte, befinden sich die betroffenen Segler in der Warteschleife – auf unbestimmte Zeit.

 Auf dem Hafenvorplatz warten die Segler auf das Läuten der Glocke, das erfolgt, wenn sich die Beflaggung am Mast geändert hat. Zuvor muss am Freitag jedoch die erste Gewitterfront vorbeiziehen. Was also tun als Segler in der Warteschleife?

Hier finden Sie Fotos der Segelwettbewerbe am 24. Juni.

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 Die Österreicher Lukas Haberl und Luca Lippert hatten ihr Kartenspiel eigentlich für die lange Autofahrt in die Landeshauptstadt mitgenommen. Nun nutzen sie es gemeinsam mit ihrem argentinischen Trainer Marcos Lamas, um sich die Zeit bis zum Start der 420er zu vertreiben. Andere flanieren über die Promenade, entspannen im Kaffee-Zelt oder machen ein Nickerchen auf dem Boot. „Ein Kartenspiel hat eigentlich jeder in der Takelkiste“, sagt Sophie Waldow. Die Berlinerin ist das Warten gewohnt. „Am Wannsee kommt das häufiger vor.“ In Kiel sei es nicht so schlimm. „Hier ist viel los, und vor allem sind viele internationale Segler dabei, mit denen man sich unterhalten kann.“ Einzig die Ungewissheit sei anstrengend. „Uns ist es lieber, wenn wir gleich morgens die Ansage bekommen, dass der Start um zwei Stunden verschoben wird.“ So aber müssen sie ausharren, können nicht ins Haus, damit sie das Startsignal nicht verpassen, wenn es denn noch kommt. „Wenn es dann doch losgeht, ist es manchmal schon schwer, sich zu motivieren, nachdem man zwei Stunden oder mehr herumgelegen hat“, ergänzt Clara Schwirkmann.

 Ein „Dämmerzustand“ hat sich auch bei der Besatzung der „Slim Lady“ eingestellt. Sie fungiert auf der Regattabahn „Echo“ vor Schwedeneck als Startschiff. Solange ungewiss ist, ob dort gesegelt wird, tritt sie die 45-minütige Fahrt zum Auslegen der Bahn gar nicht erst an. Die Crew aus Essen hat extra zehn Tage Urlaub genommen und hilft ehrenamtlich aus. „Es macht Spaß, ein komplexes Geschehen ordentlich über die Bühne zu bringen. Aber eigentlich muss man einmal dabei gewesen sein, um den Reiz an der Sache zu verstehen“, sagt Wolfgang Jentsch. Die Wartezeit vertreibt sich die Crew an Deck. „Wenn wir erst einmal mit drei Schlauchbooten, DLRG und allen Seglern draußen sind, würde es eineinhalb Stunden dauern, bis alle wieder im Hafen sind“, sagt Andreas Nüsse. Ein Risiko, das die Organisatoren am Freitag nicht eingehen, auch wenn schließlich beide Gewitter an Schilksee vorbeiziehen. Dafür dreht nach dem ersten der Wind, die Bahnen müssen neu ausgerichtet werden. „Heute spielen wir Bahnen-Roulette“, sagt Ramhorst. Heißt: Gesegelt wird nur auf den Innenbahnen. Wer ursprünglich weiter draußen segeln sollte, muss warten, bis sie frei sind und das Kartenspiel aus der Takelkiste holen.

Alle Ergebnisse aus Schilksee finden Sie hier.

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