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Familiensegeln in Slow Motion

Kieler Woche in Schilksee Familiensegeln in Slow Motion

Die Kieler Zwillinge Jule und Lotta Görge, sonst im 49erFX schnell unterwegs, segeln im ersten Teil der Kieler Woche mit Papa Martin und Bruder Rasmus auf dem Albin Express mit vergleichsweise gemäßigtem Tempo.

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Vier Görges und ein Australier (v.li.): Martin Görge, Lotta Görge, Jule Görge, Beau Outteridge und Rasmus Görge segeln gemeinsam im Albin Express.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Kielboot statt Skiff – „das ist ein bisschen wie Slow Motion“, sagt Steuerfrau Jule.

Zum Görge-Clan gesellt sich ein Australier: Beau Outteridge, Bruder des amtierenden 49er-Olympiasiegers und America’s-Cup-Steuermann Nathan, schießt während der Kieler Woche Fotos für den australischen Seglerverband und wohnt im Hause Görge. Klar, dass er gleich für das Familienboot verpflichtet wurde.

 Dass Outteridge nun zur Familie gehört, scheint noch nicht komplett in Fleisch und Blut übergegangen zu sein, am Montag zum Beispiel. Da trudeln die Görges gegen 9.30 Uhr im Olympiahafen ein und merken erst vor Ort: Da fehlt doch einer! „Ich habe gerade Zähne geputzt – als ich aus dem Bad kam, waren plötzlich alle weg“, erklärt der Australier, als er wenig später dazustößt. „Die Fahrräder und Skatboards waren alle weg, als ich auf die Uhr geguckt habe, wusste ich auch warum.“

 So schnell die Görge-Zwillinge das Haus verließen, so langsam fühlten sie sich anfangs auf dem Wasser. „Wir mussten uns wirklich erst dran gewöhnen, am Freitag sind wir noch FX gesegelt, am Sonnabend Albin“, sagt Jule. „Es ist alles deutlich langsamer. Wir waren am Start viel zu weit weg von der Linie, bei den Wenden viel zu hektisch.“ Da musste der Papa eingreifen, der nicht nur 2012 an der Vorschot des Dänen Jan Saugmann Weltmeister im 505er wurde, sondern auch seit Jahren im Albin vordere Kieler-Woche-Plätze erreicht. Martin Görge weiß genau, wie die 7,77 Meter zu bedienen sind. „Er macht die Taktik und bremst uns immer ein bisschen ein“, erklärt die Steuerfrau. „Man muss immer die Ruhe bewahren.“

Hier finden Sie Fotos von den Segelwettbewerben am 20. Juni.

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 Dieser Grundsatz passt auch zu den Olympia-Ambitionen der von der Stiftung Kieler Sporthilfe geförderten Zwillinge. Im internen Ausscheidungskampf für den Startplatz in Rio unterlagen sie den Berlinerinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz, mussten ihren Traum von Olympischen Spielen vorerst begraben. Eine Enttäuschung, klar – aber kein Weltuntergang. „Wir brauchten ein bisschen Abstand, aber jetzt nach sieben Wochen sind wir wieder heiß aufs Segeln“, erklärt Lotta. Ein kleiner „Trostpreis“: Die 23-Jährigen fahren als Sparringspartner mit nach Rio, trainieren vor den Spielen mit Jurczok/Lorenz. „Da freuen wir uns drauf, nehmen das als internationales Training nochmal mit“, sagt Jule, nicht ohne Bedenken wegen Kriminalität und miserabler Wasserqualität. „Das ist alles saumäßig da, aber wir Segler können wenig machen.“

 Die eigenen Olympiapläne sind dabei keineswegs ad acta gelegt. Nachdem im kommenden Wintersemester erst mal die Uni im Mittelpunkt steht, wollen die Zwillinge danach wieder angreifen und eine neue Kampagne in Richtung Tokio 2020 starten. Lotta beginnt in Innsbruck ein Studium im Bereich Sportmanagement, Jule bleibt in Kiel. „Wir werden mehrere Blocktrainings machen. Körperlich können wir ja individuell arbeiten, nur das Wassertraining wird etwas weniger“, erklären sie.

 Zwischen Rio und Tokio ist nun endlich mal wieder Zeit, mit der Familie zu segeln. „Das macht großen Spaß. Wir sehen unsere Eltern und Geschwister während der Kampagne ja selten“, sagt Jule. „Auch mit Beau ist es sehr lustig.“ Und erfolgreich noch dazu: Vor den abschließenden Rennen am Dienstag liegen viermal Görge und einmal Outteridge auf Rang vier. Der Flensburger Jan Brink auf eins und Andreas Pinnow (Kiel) auf dem zweiten Rang haben einen deutlichen Vorsprung – aber Platz drei ist noch in Reichweite, der Rückstand auf Titelverteidiger Arne Larssen (Schweden) beträgt drei Punkte.

 Und auch nach der Siegerehrung am Dienstag ist die Kieler Woche für Jule und Lotta Görge noch nicht beendet, im zweiten Teil geht es im FX dann wieder deutlich schneller zur Sache.

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