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Was fehlt Kiel Sailing City?

Segelbundesliga Was fehlt Kiel Sailing City?

Enttäuschung und Ernüchterung auf ganzer Linie: Der Kieler Yacht-Club ist aus der Segelbundesliga abgestiegen. Neun Tage nach der Entscheidung am letzten Spieltag in Hamburg hat die Analyse begonnen.

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Bundesliga-Segeln auf der Förde: Ist Kiel auch in der kommenden Saison Austragungsort, wird der KYC nicht im Elite-Feld vor der Reventlouwiese zu sehen sein, sondern in der Flotte der Zweiligisten.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Warum konnte der Sturz in die Zweitklassigkeit nicht verhindert werden? Was bedeutet der Abstieg für den KYC – und für den Segelstandort Kiel? „Wir haben die Erste Liga nicht in Hamburg verloren, sondern schon vorher“, sagt Julian Ramm, der am letzten Spieltag an der Pinne des KYC-Bootes saß. „Die Probleme haben sich durch das ganze Jahr gezogen.“ Warum es schlussendlich nicht zum Klassenerhalt gereicht hat, lässt sich leicht erklären: Die Schlüsselfaktoren heißen Kader, Geld und Unterstützung.

 Punkt eins, der Bundesligakader. „Wir waren insgesamt einfach nicht gut genug aufgestellt“, erklärt Ramm. „Die Abgänge haben uns sehr getroffen.“ Arrivierte Segler wie Fritjof Richter, Felix Weidling, Marcus Baur, Sönke Boy und Ole von Studnitz, die die Bundesliga-Kampagne in Kiel mit aufgebaut haben, stehen aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung. Oliver Schwall, Gründer der Segelbundesliga, gehört zwar noch zum Aufgebot, kam aber in der abgelaufenen Saison ebenfalls nicht zum Einsatz. Im Gegensatz zu anderen Klubs wie dem Lübecker Yacht-Club (Simon Grotelüschen) oder dem Norddeutschen Regatta Verein (u.a. Tobias Schadewaldt) gelingt es dem KYC zudem nicht, Olympiasegler für sich zu gewinnen. Und: Ein regelmäßiger, strukturierter Trainingsbetrieb konnte in Kiel nicht garantiert werden.

Schlicht nicht gut genug

 Das schlechte Abschneiden auf die KYC-Crew um Julian Ramm, Oliver und Martin Lewin sowie Moritz Jäger-Roschko, die in Hamburg am Start war, zu schieben, wäre falsch – doch im Vergleich zu anderen Klubs der insgesamt immer stärker werdenden Bundesliga ist der Kader schlicht nicht gut genug. „Wir haben nicht so abgeliefert, wie wir mussten“, sagt Ramm selbstkritisch. „Wir hatten ein paar ,unforced errors’, wissen genau, wo wir etwas liegen gelassen haben.“ Im Laufe der Regatta auf der Hamburger Außenalster reagierte die Crew zwar auf einige Probleme, indem Oliver Lewin von der Taktikposition an die Schot wechselte – „damit fehlte er aber mit seiner Übersicht an anderer Stelle“, erklärt Ramm. Sie versuchten alles, um die Erste Liga zu retten, am Ende fehlten zwei Punkte zur Relegation. „Der Crew ist sicher kein Vorwurf zu machen, der Druck war immens“, sagt Martin Görge, Beisitzer für Kadersegler und Segelbundesliga im Vorstand des Kieler Yacht-Clubs.

 Aber warum schafft es der KYC nicht, ein schlagkräftiges Team zusammenzustellen? „Es geht bei der Kampagne im Wesentlichen um Geld, genauer gesagt darum, wie viele Kosten an den Seglern hängen bleiben“, erklärt Ramm. Die Kosten für eine Bundesligasaison belaufen sich auf rund 30000 Euro. Der größte Posten ist der Unterhalt der Boote, dazu kommen 2400 Euro Startgeld für die sechs Regatten und Reisekosten. „Im Vergleich zu anderen Klubs ist der Anteil, für den die Segler selbst aufkommen müssen, sehr groß“, sagt Ramm. Die Folge: Ambitionierte Segler aus den olympischen Klassen finden den Weg zum KYC-Bundesligateam nicht.

Klares Bekenntnis fehlt

 Punkt drei, die Unterstützung. Nicht nur in Sachen Geld (Ramm: „Der Verein muss mitpushen, um Sponsoren und Gönner zu gewinnen.“) fehlt offenbar ein klares Bekenntnis des Klubs zur Segelbundesliga. Immerhin: Nachdem die Unterstützung zu Beginn der Saison 2016 drastisch limitiert werden sollte, wuchs sie im Laufe der Spielzeit wieder. „Als es in Kiel und Hamburg um alles ging, war sie da“, sagt Ramm. Dennoch: „Ich finde es traurig, dass der KYC als repräsentativer Verein es nicht schafft, ein vernünftiges Team aufzustellen und zu etablieren“, meint Ramm. Kein Aushängeschild für Kiel, das sich „Sailing City“ nennt und wegen der Kieler Woche als Welthauptstadt des Segelsports gilt, wenn der große Kieler Yacht-Club kein Bundesliga-Team unterhält.

 Bei allem Frust: Nun muss in Liga Zwei ein Neuanfang her. „Wir werden jetzt unsere Situation ganz sachlich analysieren und dann gemeinsam im Verein entscheiden, wie es weitergehen soll“, sagt Martin Görge. Laut Skipper Julian Ramm müssen drei Fragen bis zur nächsten Saison geklärt werden, um im besten Fall eine schnelle Rückkehr ins Oberhaus zu erreichen: „Wie kann die Unterstützung besser werden? Wie können wir die Trainingsbedigungen verbessern? Und wie können wir einen besseren Kader zusammenstellen?“ Voraussichtlich Ende April gehen Erste und Zweite Bundesliga in die Saison 2017. Hoffnung auf Besserung besteht durchaus. „Ich habe mit einigen olympischen Nachwuchsseglern gesprochen. Vielleicht haben wir im nacholympischen Jahr größere Chancen, sie für uns zu gewinnen“, sagt Ramm, für den eines klar ist: „Wir machen weiter.“

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Ein Artikel von
Niklas Schomburg
Sportredaktion

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