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Zwei Kieler-Woche-Sieger stehen fest

Tageszusammenfassung, 25. Juni Zwei Kieler-Woche-Sieger stehen fest

Schon vor dem abschließenden Medal Races am Sonntag stehen zwei Kieler-Woche-Sieger in den olympischen Klassen fest: Die Topfavoriten auf Olympiagold, Peter Burling und Blair Tuke aus Neuseeland, entschieden die 49er-Konkurrenz für sich, im Nacra 17 sind Paul Kohlhoff und Carolina Werner aus Kiel nicht mehr einzuholen.

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Justus Schmidt und Max Boehme erwischten zum Tagesauftakt die richtige Seite, hatten guten Speed und gingen als erste über die Linie.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Auch in den anderen Klassen zeichnen sich die Entscheidungen ab.

Es war ein erneut schwieriger Tag für Segler und Wettfahrtleiter. Die Regatten starteten gut, trotz eines kräftigen Regenschauers. Als am Nachmittag das Gewitter früher in Richtung Olympiahafen zog als erwartet, hatten alle Klassen bei stabilen Winden und anspruchsvoller, kurzer Welle ihr komplettes Programm absolviert und konnten den sicheren Hafen ansteuern. Einen Ausfall gab es jedoch zu beklagen: Wegen des Gewitters wurde die für 18 Uhr angesetzte Audi Speed Challenge abgesagt.

Hier finden Sie Fotos von den Segelwettbewerben am 25. Juni.

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Die olympischen Klassen aber segelten und kamen zu zwei vorzeitigen Entscheidungen. Dass Burling/Tuke am Ende der Kieler Woche ganz oben stehen würden, war dabei keine Überraschung. „Natürlich nutzen wir die Kieler Woche als Vorbereitung auf die Olympischen Spiele, aber wir wollten hier auch gewinnen. Deshalb sind wir froh, dass wir bei diesen Bedingungen die Dreher und Böen gut getroffen haben. Man musste schon sehr genau gucken, um gut rauszukommen“, sagte 49er-Vorschoter Tuke. Mit einem zweiten und drei ersten Plätzen am Sonnabend enteilten die Kiwis der Konkurrenz endgültig und sind trotz doppelter Punkte im letzten Rennen nicht mehr einzuholen. Den Sieg in der ersten Wettfahrt schnappten ihnen jedoch die Kieler Konkurrenten weg: Justus Schmidt und Max Boehme erwischten zum Tagesauftakt die richtige Seite, hatten guten Speed und gingen als erste über die Linie. Durch die folgenden Plätze zwei, vier, zwei stehen die Kieler nun auf Gesamtrang zwei, haben vier Punkte Vorsprung auf die Dänen Warrer/Lübeck und acht auf die Kroaten Kostov/Cupac. „Wir geben am Sonntag Vollgas für den zweiten Platz“, erklärte Boehme. Auch wenn es für ganz vorne in diesem Jahr nicht reicht, sind die Kieler-Woche-Sieger von 2015 nicht unglücklich. „Wir sind gut gesegelt und zufrieden mit unserer Leistung. Über eine Medaille wären wir überglücklich, und es ist keine Schande, gegen Peter und Blair zu verlieren – die Jungs sind einfach sehr stark“, sagte Boehme.

Stark präsentierten sich auch Paul Kohlhoff und Carolina Werner, die die kleine Nacra-Konkurrenz dominierten, nur eine Wettfahrt nicht gewannen – und das auch noch durch ein ärgerliches Missgeschick: „Das war ein ganz doofer Fehler von mir, ich bin nach der letzten Wendetonne ausgerutscht und komplett nach Lee durchgeschlittert. Da sind wir dann umgekippt“, erklärte Kohlhoff. Bezeichnend für die überschaubare Qualität des Feldes: Trotz des Unfalls und dem Zurückfallen auf Platz sechs – den letzten Platz – erreichten die Kieler das Ziel als zweite, nur wenige Meter hinter dem siegreichen russischen Boot. Dennoch: „Die Kieler Woche ist immer eine Herausforderung, auch wenn es in diesem Jahr nicht so intensiv war wie etwa ein Weltcup oder eine große Meisterschaft“, sagte der Skipper. Für Kohlhoff/Werner bedeutet der Kieler-Woche-Sieg gleichzeitig den deutschen Meistertitel.

Mordsgaudi an Bord

Bei den Frauen im 49erFX liegen weiter Tina Lutz und Susann Beucke (Chiemsee/Strande) vorn, haben nach einem kurzen Schockmoment 14 Punkte Vorsprung auf die Olympiateilnehmerinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz. „Wir hatten in der dritten Wettfahrt eine Frühstart-Disqualifikation, das war auch richtig. In der vierten sind wir dann extra vorsichtig gestartet, hatten deutlichen Abstand zur Linie“, erklärte Beucke, die nach der Rückkehr in den Hafen dann ihren Augen nicht traute. „Es war auch für dieses Rennen ein Fehlstart eingetragen, aber das war glücklicherweise ein Fehler.“ Lutz/Beucke hatten die Qualifikation für Rio nicht geschafft, kurzzeitig über einen Ausstieg nachgedacht. „Wir waren sehr enttäuscht, dass wir es das zweite Mal nicht geschafft haben, da denkt man schon mal übers Aufhören nach“, sagte Lutz. „Aber wir haben einfach eine Mordsgaudi an Bord, das macht zu viel Spaß – wir machen weiter.“

Für Philipp Buhl liegt der Fokus voll und ganz auf Rio, die Kieler Woche nutzt der Laser-Segler als perfektes Training. Vor dem Medal Race führt er mit 14 Punkten Vorsprung auf den überraschend starken Ungarn Jonatan Vadnai. „Es ist nicht so leicht, wie ich auch selbst gedacht habe“, gab Buhl zu. „Er ist vor allem bei Leichtwind sehr gut.“ Dass Buhl überhaupt vorn liegt, hat er einer Disqualifikation Vadnais zu verdanken. Deutschlands große Olympiahoffnung ist dennoch nicht unzufrieden, arbeitet weiter an der perfekten Performance für Rio. „Es gibt noch ein paar kleine Baustellen: Das Mentaltraining ist nie zu Ende. Zweifel sind das Schlimmste, was man mit nach Rio bringen kann, daher arbeite ich da immer weiter. Außerdem will ich mein Gewicht so hinbekommen, dass ich bei leichtem Wind nicht von vornherein zweifle, dass ich nach vorn fahren kann“, erklärte Buhl. „Meine Kleidung optimiere ich auch noch weiter. Und ich werde mir demnächst eine Kamera-Attrappe ans Boot bauen, um auch das zu trainieren.“

Japaner riechen Gold

Bei der Junioren-Weltmeisterschaft der 470er haben die Kieler Malte Winkel und Matti Cipra weiter die Chance auf eine Medaille – wenn auch die Goldene etwas außer Reichweite gekommen ist. Durch einen Frühstart in der ersten Tageswettfahrt fielen sie zunächst auf den vierten Gesamtrang zurück, kämpften sich anschließend aber wieder heran und liegen vor dem Medal Race auf Silberkurs. Der Vorsprung auf Platz drei beträgt jedoch nur zwei, auf Platz vier nur vier Punkte. In Führung riecht es für die Japaner Keiju Okada/Naoya Kimura bei zehn Punkten Vorsprung schon nach Gold.

In der Konkurrenz der Juniorinnen haben Frederike Loewe und Anna Markfort den Anschluss an das Podium verloren. Durch einen 18. Platz in der zweiten Wettfahrt des Tages haben sie nun acht Punkte Rückstand auf das Podium, neun auf den Silberrang. An der Spitze liegen die Spanierinnen Silvia Mas Depares/Marina Lefort, die eine Medaille sicher haben. Die Kielerinnen Theres Dahnke/Birte Winkel verbesserten sich weiter, liegen trotz eines 13. Platzes zum Abschluss auf Rang sieben und haben ebenso wie Fabienne Oster/Anastasia Krasko das Medal Race erreicht.

Keine Chance mehr auf eine Medaille hat Pauline Liebig (Kiel) im Laser Radial. Nach drei tollen Wettkampftagen war der Sonnabend zum Vergessen, nach den Plätzen 25 und 29 sowie einer Disqualifikation hat die Studentin auf Rang sechs keine Chance mehr auf eine Medaille. Aus deutscher Sicht sprang Ex-Europameisterin Svenja Weger in die Bresche, die sich auf Platz drei verbesserte. Im Finn musste Max Kohlhoff seine Führung an Trainingspartner Philipp Kasüske abgeben, auf Rang drei hat der Kieler aber immer noch Chancen auf den Gesamtsieg. Vier Punkte fehlen Kohlhoff zum Silberrang, auf dem momentan der Kroate Ivan Gaspic liegt, acht sind es bis zum führenden Kasüske.

Im paralympischen 2.4mR steuert Heiko Kröger auf seinen neunten Kieler-Woche-Sieg, auch die Sonar-Crew um Steuermann Lasse Klötzing liegt voll auf Kurs. Unaufhaltsam steuert auch Martin Menzner (Stein) mit seiner Crew auf Siegkurs. Seit 2010 zeigt er der J/80-Konkurrenz auf seinem Heimatrevier das Heck, und daran ändert sich auch in diesem Jahr bei fünf Siegen in sieben Wettfahrten nichts. Ein ganz enger Dreikampf zwischen zwei US-amerikanischen Teams und den Duisburgern Jan und Lea Borbet steht dagegen am Abschlusstag der Nachwuchsklasse 420er an. Das Geschwisterpaar liegt nach Punkten mit Wiley Rogers/Jack Parkin sowie Shawn Harvey/James Westerberg gleich auf.

J/70-Europameisterschaft

In einem wahren Fehlstart-Festival wirbelte sich das Feld der J/70-Europameisterschaft selbst kräftig durcheinander. 38 von 91 Booten wurden in der ersten Wettfahrt des Tages disqualifiziert, weitere Strafen folgten in den beiden anschließenden Rennen. „Wir haben uns nur an die Regeln gehalten. Die sagen: Wenn alle Frühstarter in einer Wettfahrt einwandfrei zu identifizieren sind, werden sie disqualifiziert – dann gibt es keinen Grund für einen allgemeinen Rückruf“, verteidigte der Oberste Wettfahrtleiter der Kieler Woche, Nino Shmueli, das Vorgehen. Dass die Jury die vielen Boote, die zu früh über der Linie waren, ausmachen konnte, lag vor allem an den großen Bugnummern, die neben den Segelnummern ein wichtiges Erkennungszeichen sind. Naturgemäß war die Gefühlslage bei den von den Disqualifikationen betroffenen Teams etwas anders. „Rechtlich war das einwandfrei, moralisch aber zumindest fragwürdig“, sagte Christian Soyka (Itzehoe), der durch den „BFD“ auf Rang 19 abrutschte. „In der gelben Startgruppe wurde ein Start abgebrochen, in der blauen hat die Wettfahrtleitung es durchlaufen lassen. Da muss man eine einheitliche Linie fahren.“

Bei schwierigen Bedingungen auf der Regattabahn am Kieler Leuchtturm profitierte vor allem die Führende Claudia Rossi von den Ausrutschern der Konkurrenz, die Italienerin liegt nun 14 Punkte vor ihrem Landsmann Edoardo Lupi und dem Briten Charlie Esse. Beste deutsche Mannschaft ist die Hamburger Crew um Carsten Kemmling auf Platz zehn, die Bundesliga-Crew des Kieler Yacht-Clubs um Skipper Julian Ramm liegt vor dem Finaltag auf dem 24. Rang.

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Ein Artikel von
Niklas Schomburg
Sportredaktion

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