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Wind und Wolken sind seine Welt

Wetterexperte Meeno Schrader Wind und Wolken sind seine Welt

Wettfahrtleitung, Segler, DLRG und Wasserwacht – alle vertrauen bei den Segelwettbewerben zur Kieler Woche auf einen Mann: Meeno Schrader. Anhand der Wettervorhersagen des Meteorologen entscheidet sich, wann die Segler an den Start gehen.

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In seinem Büro im Regattahaus wertet Meeno Schrader die Informationen aus insgesamt sieben Vorhersagemodellen aus.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Besonders an Tagen mit wechselhaften Windbedingungen hat der 55-Jährige viel zu tun. „Ich selbst ärgere mich am meisten, wenn eine Vorhersage nicht stimmt“, sagt der gebürtige Ostfriese, der seit fünf Jahren für das Segel-Wetter bei der Kieler Woche zuständig ist. Eigentlich nur für die Vorhersagen, doch erlebe er immer wieder, „dass ich für schlechtes, aber auch gutes Wetter verantwortlich gemacht werde“. Das stört ihn nicht. Das Ziel von ihm und seinem Team ist klar formuliert: „Wir versuchen, der Wirklichkeit mit unseren Prognosen so nahe wie möglich zu kommen.“ Bei der Kieler Woche geht es aber um mehr: „Hier ist das große Ziel, alle Wettfahrten durchzukriegen.“

 Herzstück seines Tuns ist das Büro im Regattahaus, direkt neben der Wettfahrtleitung. Hier laufen Informationen aus insgesamt sieben Vorhersagemodellen zusammen. Sie gilt es, zu interpretieren. „Dazu brauche ich vor allem physikalisches Verständnis. Ich muss prüfen, ob ich die Werte, die der Computer angibt, plausibel sind“, erklärt Schrader. Sein Arbeitstag beginnt um 4.45 Uhr. Im Büro seiner Firma „Wetter Welt“ macht er sich an die Ausarbeitung der Tagesvorhersage, des Handouts für die Segler sowie die Prognosen für jede einzelne Regattabahn. Alles auf Deutsch und auf Englisch. Drei Stunden braucht er dafür, dann geht es nach Schilksee, wo um 8.15 Uhr das Briefing mit den Bahnchefs und der Wettfahrtleitung auf dem Plan steht. Um 8.40 Uhr folgt die Segler-Info, schließlich geht es noch zu DLRG und Wasserwacht. „Ist böiger Wind zu erwarten, sage ich ihnen, dass sie mit mehr Kenterungen rechnen können.“

 Die Segler versorgt er mit anderen Informationen. „Ich versuche, ihnen Indikatoren an die Hand zu geben. Sie müssen wissen, was mit dem Wind passiert, wenn sie eine bestimmte Wolke sehen.“ So berät er auch seit Jahren die deutschen Olympioniken. „Das kann man nur, wenn man selbst Regattasegler-Erfahrung hat. Schon um auf einer Ebene mit den Seglern richtig kommunizieren zu können.“ Er selbst ist passionierter Segler, stieg mit neun Jahren erstmals in einen Optimisten, wurde später Amateurweltmeister und Dritter bei der Segel-WM der Profis.

 Über Funk können die Bahnchefs Schrader jederzeit erreichen. Am Mittwochmittag läuft das Funkgerät heiß. Regen und dadurch drehender Wind verschieben den Start um zweieinhalb Stunden, weil die Bahnen neu ausgerichtet werden müssen. Dann herrscht Flaute, andernorts instabile Windbedingungen. „je unstetiger der Wind, desto schwieriger wird es für die Bahnchefs. Und desto bessere Vorhersagen muss ich machen“, sagt Schrader und wirft einen Blick auf die Windpfeile auf dem Bildschirm. Dann kommt die Sonne durch. „Sie regt neue Wolken an. Und jede Wolke hat ihren eigenen Wind“, erklärt Schrader, bevor er die Bahnchefs zu Geduld mahnt. „Ich rechne damit, dass der Wind wieder einsetzt. Aber erst müssen die Regenwolken verschwinden“, sagt er in sein Mikro. Am Nachmittag bewahrheitet sich die Prognose. Der Start in den zweiten Teil der Regatten gelingt, es finden Wettfahrten statt. Als die Segler wieder an Land sind, sitzt Schrader schon an der Vorhersage für den nächsten Tag. „Die nächsten Tage werden eine Herausforderung.“

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