28 ° / 16 ° Regenschauer

Navigation:
Flensburgs Handballer fertigen den THW Kiel ab

Handball-Champions-League Flensburgs Handballer fertigen den THW Kiel ab

An einem Sonntagabend im Februar hat die SG Flensburg-Handewitt das Handball-Kräfteverhältnis im Land eindrucksvoll zementiert. In der 87. Auflage des ewigen Nordduells brachte die SG den Zebras des THW Kiel die höchste Derby-Niederlage aller Zeiten bei.

Voriger Artikel
THW Kiel hat Platz drei im Visier
Nächster Artikel
Ein schwarzer Sonntag

Flensburgs Thomas Mogensen (vorne), bricht gegen Kiels Erlend Marmelund (l) und Kiels Ilja Brozovic durch.

Quelle: Axel Heimken/dpa

Flensburg. Das 37:27 (17:14) in der Champions League untermauerte dabei nicht nur die Flensburger Ansprüche auf den Gruppensieg und damit den direkten Einzug ins Viertelfinale der Königsklasse – es ließ innerhalb weniger Minuten auch die Hoffnungen der Kieler auf Platz drei in der Gruppe A und eine gute Ausgangsposition für das Achtelfinale sterben.

Aus Kieler Sicht bricht zwischen der 39. (23:19) und 44. Minute (27:19) alles auseinander. Flensburg feiert einen 5:0-Lauf, und das Gefüge der Zebras zerfällt. Die Geschichte des Pokal-Kollapses vom 16. Dezember, als sich die SG mit 34:27 in Kiel durchsetzte, wiederholt sich. Mattias Andersson im Flensburger Tor (22 Paraden) wächst über sich hinaus, der Ex-Kieler Rasmus Lauge ist im Rückraum nicht zu halten, düpiert die schwarz-weiße Deckung im Minutentakt, trifft dreimal in Folge zwischen dem 24:19 (40.) und 26:19 (43.). Nach dem Spiel wird sich THW-Trainer Alfred Gislason niedergeschlagen äußern: „Nach der Pause war ich sehr enttäuscht. Wir haben schlecht gespielt, die Abwehr war nicht mehr da.“

Gislason beginnt überraschend mit Nikolas Katsigiannis im Tor, der in Halbzeit eins eine starke Leistung zeigt. Joan Cañellas trifft in der Anfangs-Viertelstunde viermal aus der Hüfte, Domagoj Duvnjak glänzt (wieder einmal) als Anführer, Shooter, Strippenzieher. Nur Linkshänder Marko Vujin steht völlig neben sich. Nach wenigen Minuten kommt Neuzugang Dener Jaanimaa im halbrechten Rückraum aufs Feld. Cañellas, Duvnjak, Jaanimaa – Hamburger Schule im Kieler Rückraum. Bis zum 18:17 (33.) ist das 87. Landesderby ausgeglichen. Auch weil Igor Anic anfangs die Kreise von Rasmus Lauge stört, der Däne nicht ins Spiel findet, sein Landsmann Niklas Landin hingegen zweimal von der Bank aus zum Siebenmeter-Killer gegen Anders Eggert avanciert (20., 35.). Niclas Ekberg und Rune Dahmke agieren blass bis unglücklich, Gislason bringt im zweiten Abschnitt mit Dominik Klein und Christian Sprenger ein neues Flügelgespann. Doch beim 20:29 aus Kieler Sicht (47.) scheint der Isländer zu kapitulieren, schickt Alexander Williams und Rogerio Ferreira ins Gefecht, nachdem Mattias Andersson sein Paraden-Konto schwindelerregend in die Höhe geschraubt hat. Während die SG das Tempo hoch hält, von ihren Wechselmöglichkeiten profitiert, tauchen müde Kieler völlig ab, kommen in der Deckung meist einen Schritt zu spät, wirken im Eins-gegen-Eins phlegmatisch, statisch, müssen Rasmus Lauge gewähren lassen, der insgesamt neunmal trifft.

Der THW Kiel ist an diesem Sonntagabend im Februar schlicht nicht gut genug, um die SG Flensburg-Handewitt in Bedrängnis zu bringen, deren Fans in der Schlussphase emotionale Momente besingen, als die Rückkehrer Jim Gottfridsson und Jacob Heinl ihre Comebacks feiern. „Ein großer Tag. Ich bin stolz, ein Teil dessen zu sein“, sagt SG-Kapitän Tobias Karlsson. Der Langzeitverletzte Heinl trifft gegen Landin zum 35:25 (57.). Ins Netz, ins Kieler Herz, zehn Tore Vorsprung, das gab es noch nie. „Alle fahr’n nach Hamburg – nur der THW fährt nicht“, singen die Flensburger Fans in der „Hölle Nord“ in Anspielung an das Final Four um den DHB-Pokal. Was bleibt, ist die Frage: Wohin führt die Reise der Zebras?

Von Niklas Schomburg und Tamo Schwarz

Statistik

SG Flensburg-Handewitt: Andersson (1.-60. Minute/22 Paraden), Møller n.e. – Karlsson, Eggert 5/3, Glandorf 2, Mogensen 4, Svan 6/1, Wanne 2, Djordjic 1, Jakobsson 3, Heinl 1, H. Toft Hansen 1, Gottfridsson 2, Lauge 9, Radivojevic n.e., Kozina 1.

THW Kiel: Katsigiannis (1.-41. Minute/9 Paraden), Landin (ab 41. und bei vier 7m/6) – Duvnjak 8, Jansen n.e., Ferreira 2, Mamelund, Sprenger, Ekberg 2, Anic 2, Cañellas 4, Dahmke, Jaanimaa 3, Williams 1, Klein 2, Brozovic 1, Vujin 2/1.

Schiedsrichter: Lopez/Ramirez (Spanien) – Strafminuten: SG 8 (Lauge, Djordjic, Glandorf, Kozina), THW 10 (2x Mamelund, Brozovic, Sprenger, Ferreira) – Siebenmeter: SG 6/4 (Landin pariert 2x Eggert), THW 2/1 (Ekberg scheitert an Andersson) – Spielfilm: 0:1, 2:1, 2:3 (6.), 5:5, 7:6, 8:9 (14.), 10:10, 13:11 (26.), 16:12 (29.), 16:14, 17:14 – 17:16, 18:17, 20:18 (36.), 22:19 (39.), 27:19 (44.), 29:20, 29:23 (50.), 33:24 (55.), 36:25 (59.), 37:27 – Zuschauer: 6300 in der ausverkauften Flens-Arena.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
THW Kiel - Aktueller Live-Ticker

Der THW Kiel trifft am Sonntag, 5. Juni, um 15 Uhr auf den TVB Stuttgart. Verfolgen Sie das Spiel in unserem Liveticker. mehrKostenpflichtiger Inhalt

Anzeige
Mehr aus Aktuelle THW-News 2/3